»Gold« der Elektroautos Abhängigkeit von Lithium wächst

Ein Kanal zum Absaugen der wertvollen Rohstofflösungen, die unter der Salzkruste des Salars de Uyuni in Bolivien lagern. In diesem See lagern die größten Lithiumreserven der Welt.
Ein Kanal zum Absaugen der wertvollen Rohstofflösungen, die unter der Salzkruste des Salars de Uyuni in Bolivien lagern. In diesem See lagern die größten Lithiumreserven der Welt.

Lithium – ein Basisstoff für Autobatterien und damit der Elektromobilität – könnte knapp werden.

Zumal der Wirtschaftsgigant China versucht, weltweit Zugriff auf immer größere Vorkommen zu erhalten, um die eigene Industrie besser gegen Preiskapriolen abzusichern.

Neben Batterien von E-Autos sind viele weitere Elektronikprodukte auf Lithium angewiesen. Zwar sind andere Technologien in der Planung, der klassische Lithium-Ionen-Akku dürfte aber noch längere Zeit tonangebend sein. Das »weiße Gold« kommt in der Zellproduktion zum Einsatz, auch deutsche Autokonzerne buhlen um neue Partner und gute Kontrakte zum Einkauf der zentralen Verbindung Lithiumkarbonat.

Als entscheidender Faktor für die oft noch unzureichende Reichweite, Ladegeschwindigkeit und Kosten von Elektroautos steuert die Batterie den Wandel der Autobranche maßgeblich mit. Volkswagen etwa plant eine eigene Zellforschung, Daimler unterhält schon eine Batteriefertigung. Erst kürzlich hatte sich Toyota an Orocobre beteiligt, um sich den Zugang zu Lithium zu sichern.

Staaten Südamerikas als große Rohstoffmächte

Das Dreiländereck Chile/Argentinien/Bolivien wird bereits als das »Saudi-Arabien Südamerikas« bezeichnet. Am Salzsee von Uyuni im bolivianischen Hochland gibt es die wohl größten Lithium-Reserven der Welt. »Wir werden eine große Lithium-Industrie aufbauen, über 800 Millionen Dollar stehen dafür bereit«, sagte Boliviens Präsident Evo Morales der Deutschen Presse-Agentur vor einigen Monaten. Nach Tests mit einem Pilotsystem soll bald eine große Förderanlage errichtet werden, die das deutsche Unternehmen K-UTEC aus Thüringen geplant hat. Der Abbaukomplex umfasst rund 40 Quadratkilometer.

Internationale Begehrlichkeiten nehmen zu

Um den Bau der Lithium-Fabrik haben sich 26 Firmen beworben – von China über Russland, Finnland, Deutschland und Spanien bis Mexiko. In der Nähe soll eine große Batteriefabrik entstehen, die Bolivien als Gemeinschaftsunternehmen mit ausländischen Unternehmen betreiben will. Besonders chinesische Firmen hoffen auf den Zuschlag. Bolivien hat mit geschätzt 9 Mio. Tonnen die größten Lithium-Reserven. Chile wird bis auf weiteres aber Weltmarktführer bleiben – bis 2030 soll der Export von Lithiumkarbonat auf 180.000 Tonnen pro Jahr mehr als verdoppelt werden. Lithium-Fonds legen steile Gewinnkurven hin.

40 Prozent des Lithiums verbraucht China

China ist einer der aktivsten Spieler im Lithium-Markt. Die Nachfrage nach dem Rohstoff als strategische Ressource kommt nicht von ungefähr: Mit mehr als 500.000 verkauften Elektro- und Hybridwagen hat sich die Volksrepublik 2017 zum größten Absatzmarkt für E-Autos entwickelt. Peking will aber nicht nur Weltmarktführer in der E-Mobilität sein, sondern auch die vorgelagerte Produktion von Batterien dominieren.

Schon heute verbraucht China über 40 Prozent des weltweiten Lithiums. Es streckt daher seine Fühler nach Südamerika aus – und auch nach Australien, wo Lithium ebenfalls in großem Stil gewonnen wird. Der chinesische Autohersteller Great Wall Motors kaufte sich kürzlich beim australischen Konzern Pilbara Minerals ein, der über große Lithium-Minen verfügt. Die Pekinger Investmentfirma GSR Capital will sich laut Berichten am Lithium-Produzenten SQM aus Chile beteiligen.