Sharp Microelectronics Europe »Wir wollen unseren Umsatz in Europa verdreifachen«

David Woodward, SME: »Ich glaube, dass der Markt noch viel Platz für unsere Produkte und vor allem unsere Applikations-Lösungen hat, den wir heute bei weitem noch nicht ausfüllen.«

Sharp Microelectronics Europe (SME) startet mit einer neuen Strategie und unter neuer Führung in das Geschäftsjahr 2010. Wir trafen David Woodward, seit 1. April neuer President von SME zum Interview.

Sharp Microelectronics Europe (SME) startet mit einer neuen Strategie und unter neuer Führung in das Geschäftsjahr 2010. »Die globalen Rahmenbedingungen verändern sich und erfordern ein strategisches Umdenken, um in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben«, erklärt David Woodward, seit 1. April neuer President von SME. Das Unternehmen will sich künftig nicht mehr nur auf Produkte konzentrieren, sondern rückt die komplette Applikation ins Blickfeld. Mit neuen Märkten und einem Produktspektrum, das neben LCDs auch andere Produktgruppen stärker berücksichtigt, will SME den Umsatz in Europa bis zum Jahr 2015 verdreifachen.   

Markt&Technik: Was meinen Sie, wenn Sie von globalen Rahmenbedingungen sprechen, und warum haben Sie diese Rahmenbedingungen veranlasst, Ihre Geschäftsstrategie umzustellen?

David Woodward: Zum einen hat sich die Marktsituation aufgrund der Wirtschaftskrise geändert, zum anderen dürfen wir aber auch die Umweltveränderungen nicht unterschätzen, die unser Geschäft unmittelbar beeinflussen: Wir versuchen daher, so umweltfreundlich wie möglich zu produzieren, und haben mit der G10-Fabrik ein Paradebeispiel für die »grüne« Produktion geschaffen. So ist beispielsweise die komplette Fabrik mit LEDs ausgestattet. Die Energie, die wir für die Produktion benötigen, erzeugen wir selbst über ein Solardach.   

Ingesamt haben wir rund 3,8 Mrd. Dollar in diese Fabrik investiert – trotz Finanzkrise. Und das bringt mich auch gleich zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen: Natürlich ist der Abschwung in der Elektronikindustrie auch an uns nicht vorübergegangen. Der Markt für die kleinen und mittelgroßen LCDs ist weltweit um 13 Prozent gesunken. Sharp hat im letzten Jahr – damit gemeint ist das Geschäftsjahr 2008 – insgesamt über alle Produktbereiche - LEDs, LCDs, Solar und sonstige Komponenten – verteilt, einen operativen Verlust von 55,5 Mrd. Yen. (ca. 391 Mio. Euro) hinnehmen müssen. 2009 werden wir uns zwar wieder in der operativen Gewinnzone bewegen, aber bei weitem noch nicht auf dem hohen Niveau von 2007. Die Vorzeichen haben sich geändert, und wir müssen sie antizipieren und reagieren, damit wir auch künftig wettbewerbsfähig bleiben. Und das wird uns in Europa nur gelingen, wenn wir unser Geschäftsmodell entsprechend umstellen. 

Was wird sich ändern?

Es sind im Wesentlichen vier Eckpfeiler, auf die wir unsere neue Strategie aufbauen: Unser Produktspektrum ist bislang überproportional stark ausgerichtet auf den TV-Bereich und die Mobilkommunikation. Wir streben in Zukunft ein ausgewogeneres Produktspektrum an, das nicht nur aus »nackten« Komponenten oder Panels besteht, sondern in Richtung Komplettlösung geht und alle unsere Produktbereiche vom IC bis hin zum Display-Panel mit integriert. Ein Beispiel sind die neuen HAP-Module. Ausgestattet mit LCD, Treiberelektronik und Prozessor, sind sie eine einfache Plug&Play-Lösung, um Displays in Anwendungen zu integrieren. Wir richten uns damit beispielsweise an Hersteller von Weißer Ware und Hausautomationssystemen, dis bislang noch keine Erfahrung mit Displays haben und nicht über die entsprechenden Entwicklungsressourcen verfügen. Damit – und das ist der nächste Punkt unserer Strategie – werden wir neue Märkte adressieren bzw. die vertikalen Branchen, in denen wir bereits vertreten sind, wesentlich breiter fassen und breiter betrachten. Das gilt insbesondere für die Branchen »Infrastruktur«, »Medien«, »Transport« und »Mobilität«. Zum Transportmarkt gehören beispielsweise Automobile genauso wie Züge oder Flugzeuge.

In der Vergangenheit haben wir mit dem klassischen Prinzip aus Produktmarketing und Sales gearbeitet: Ein Team war für jeweils eine Produktgruppe zuständig, also LCDs, Optoelektronik, ICs und sonstige Komponenten. Jetzt arbeiten wir produktgruppenübergreifend für die verschiedenen Business-Segmente. Parallel dazu werden wir unser bisheriges Vertriebs- und Distributionspartnernetzwerk weiter ausbauen, damit wir auch in Segmenten erfolgreich sein können, die wir bislang nicht so intensiv adressiert haben.           

Im Geschäftsjahr 2008 (Anmerkung d. Redaktion: Die Veröffentlichung der FY 2009 Zahlen erfolgt erst ab Ende April) haben Sie in Europa 1,2 Mrd. Euro erwirtschaftet. Welche Ziele verbinden Sie, in Zahlen ausgedrückt, mit der neuen Europa-Strategie?

Wir wollen bis zum Jahr 2015 unseren Umsatz in Europa verdreifachen. Derzeit hat SME einen Anteil von rund 18 Prozent am weltweiten Komponentengeschäft von Sharp - eine gute Ausgangsposition, die wir weiter ausbauen möchten.

Das ist ein sehr ehrgeiziges Ziel. Bietet denn der Markt genügend Potenzial für eine so deutliche Steigerung? Viele Segmente dürften doch bereits ausgereizt sein …    

Ich glaube, dass der Markt noch viel Platz für unsere Produkte und vor allem unsere Applikations-Lösungen hat, den wir heute bei weitem noch nicht ausfüllen. Wir können noch viel mehr machen: Betrachten Sie allein den Gebäude-Infrakstrukturmarkt. Dazu zählen wir alles, was Sie in Zukunft zum Management eines modernen Wohnhauses benötigen werden: Smart Meter, LED-Beleuchtung, Weiße Ware, Solar-Anlagen, Steuerungen und Sensoren, Überwachungskameras etc. Für diesen breiten Markt sind unsere Produkte geradezu prädestiniert. Allein die Tatsache, dass bis 2020 in jedem Haushalt in Deutschland ein intelligenter Stromzähler eingebaut sein muss, eröffnet uns ein immenses Marktpotenzial. Hinzu kommt, dass der Verbraucher die Bedienerschnittstelle solcher Anwendungen soweit wie möglich visualisiert haben möchte, und noch dazu möglichst in Farbe.