Interview zur Übernahme Wieso sich Samsung das OLED-Know-how von Novaled sicherte

Gildas Sorin, Novaled: »OLED-TVs mit 4K Auflösung werden dem Konsumenten ein ganz neues Fernseherlebnis bescheren. Wir werden mit unserer OLED-PIN-Technologie entscheidend dazu beitragen, dass dies gelingt.«
Gildas Sorin, Novaled: »OLED-TVs mit 4K Auflösung werden dem Konsumenten ein ganz neues Fernseherlebnis bescheren. Wir werden mit unserer OLED-PIN-Technologie entscheidend dazu beitragen, dass dies gelingt.«

Für 260 Millionen Euro sicherte sich Samsung im August das OLED-Know-how von Novaled. Gildas Sorin, CEO von Novaled, erläutert im Interview, warum dieses Know-how für Samsung so viel wert ist und wie die Zukunft des Standortes Dresden aussieht.

Markt&Technik: Sie haben vor kurzem auf der IFA die ersten »curved« OLED-Fernseher gesehen, in denen Ihre OLED-Technologie zum Einsatz kommt. Wie waren Ihre Eindrücke?

Gildas Sorin, Novaled: Wenn Sie vor einer Wand aus gekurvten OLED-TVs stehen, dann sind Sie angesichts der fantastischen Bildqualität, der Farben und des Kontrasts einfach nur beeindruckt. Der Bildeindruck ist in etwa mit dem eines Tablets vergleichbar. Aber eben nicht auf einer Diagonale von 10 Zoll, sondern auf 55 Zoll! Diese Bildqualität erlaubt es nun, auch ohne Qualitätsverluste Computerbilder auf dem Fernseher zu betrachten.

In welche Richtung wird die weitere Entwicklung gehen, in Richtung noch größerer Bilddiagonalen, oder noch besserer Auflösung, Stichwort 4 K?

Ich spreche hier nicht für die Fernsehhersteller, aber die Gespräche mit unseren Kunden aus diesem Bereich haben klar gemacht, dass der Trend auch bei den OLED-TVs in Richtung 4 K geht. Erste OLED-TVs, die eine echte 4K-Auflösung bieten, könnten schon im nächsten Jahr auf den Markt kommen.

Was hat Novaled für Samsung so wichtig gemacht, dass man bereit war, für die Übernahme durch die Samsung-Tochter Cheil Industries letztlich 260 Millionen Euro zu bezahlen?

Diese Summe verteilt sich auf drei Tochterunternehmen: Auf Cheil Industries entfallen 51 Prozent, auf Samsung Electronics Europe circa 40 Prozent und auf Samsung Venture Investment etwa 10 Prozent. Innerhalb des Samsung-Konzerns tragen die einzelnen Business Lines ein hohes Maß an Verantwortung für den Erfolg. Samsung ist sehr stark engagiert in der OLED-Technologie und hat den ersten OLED-TV auf den Markt gebracht. Mit LG gibt es in Korea einen ambitionierten Wettbewerber, der das gleiche Ziel verfolgt. Der Zugang zu organischen Materialien und das tiefe Wissen um deren Materialeigenschaften ist darum entscheidend für den künftigen Erfolg. Durch die Übernahme von Novaled strebt Cheil Industries nun eine führende Rolle bei organischen Materialien an.

Sie haben in der Vergangenheit nicht nur Samsung beliefert. Werden Sie auch weiterhin externe Kunden beliefern? Rechnen Sie mit einer Konsolidierung der OLED-Material-Hersteller?

Novaled wird eingegangene Liefervereinbarungen einhalten und auch in Zukunft externe Kunden bedienen. Die Übernahme ermöglicht es uns auch, die Produktion deutlich zu erhöhen und auch unser Umsatzwachstum stark voranzutreiben. Das ist notwendig, um die Preise zu senken. Aktuell gibt es weniger als zehn wirtschaftlich relevante Hersteller von OLED-Materialien. Ich gehe aber davon aus, dass es unter dem Eindruck der beginnenden OLED-TV-Revolution zu einer raschen Konsolidierung kommen wird. Das Thema ist für Gerätehersteller im TV- und Smartphone-Bereich zu wichtig, als dass sie da Wagnisse in der Lieferkette eingehen würden.

Einer der entscheidenden Punkte, warum sich Samsung für Novaled entschieden hat, ist die Doping-Technologie. Welche Vorteile bietet sie gegenüber klassischen OLED-Fertigungsverfahren?

Ich würde sagen, unsere OLEDs sind nicht so empfindlich wie die ohne PIN-Technologie. Das hat Vorteile für die Produktion von OLED-Displays, die Ausbeute ist höher. Im Gerät sorgt unsere OLED-Technologie für einen geringeren Stromverbrauch des Displays. Im Wesentlichen geht es also um höhere Effizienz in der Fertigung und um längere Nutzungsdauern. Displays sind noch immer die größten Stromfresser in Handheld-Devices.

OLEDs ermöglichen sehr dünne Geräte, dieses Ziel ist heute schon in vielen Fällen erreicht. Wann wird es wirklich flexible Displays auf der Basis von OLEDs geben?

OLEDs ermöglichen nicht nur schlankere, sondern vor allem auch leichtere Geräte, vor allem im Handheld-Bereich. Anstelle der bei Displays bisher häufig verwendeten Gläser sind nun auch Kunststoff-basierte Lösungen möglich. Deren Vorteil liegt neben dem geringeren Gewicht auch darin, dass sie weniger empfindlich sind. Flexible Displays sind dann der logische nächste Schritt. Ich gehe davon aus, dass wir rollbare Displays vielleicht schon 2014 auf dem Markt sehen werden, für wahrscheinlicher halte ich aber 2015.

Steht zu befürchten, dass nach der Übernahme ein Großteil der Forschung von Dresden nach Korea verlagert wird, oder wird Cheil Industries den Standort Dresden eher noch ausbauen?

In den Übernahmeverhandlungen wurde immer wieder zum Ausdruck gebracht, dass das hier bestehende Forschungs- und Entwicklungszentrum von Novaled mit seinen insgesamt über 130 Mitarbeitern nicht nur weitergeführt werden soll, sondern Cheil Industries diesen Standort als bedeutend für das Unternehmen ausbauen wird. Wir werden in Dresden in Zukunft also noch internationaler werden, als wir das bisher schon waren. Letztlich wird der wirtschaftliche Erfolg des OLED-Geschäfts über den Umfang des Standortausbaus entscheiden.

Samsung in Form von Cheil Industries war ja nicht der einzige Kaufinteressent. Warum haben Sie eigentlich Abstand vom ursprünglich für 2012 angestrebten Börsengang genommen?

Für die Alt-Investoren und für Novaled stand von Anfang an ein »Dual Track«, ein zweigleisiger Ansatz, fest: also Börsengang oder Verkauf. Im Rahmen der Vorbereitung eines Börsengangs ist es nicht ungewöhnlich, dass andere Marktteilnehmer aufmerksam werden und Kaufinteresse bekunden. Am Ende dieses Entwicklungsprozesses steht Novaled nun für eine der erfolgreichsten Venture-Capital-Transaktionen in Deutschland.

Neben dem Bereich Display waren Sie in der Vergangenheit auch auf dem Gebiet der OLED-Beleuchtung aktiv. Werden Sie diese Aktivitäten weiter verfolgen?

Für uns stellte das OLED-Display den Anfang der Unternehmensentwicklung dar, als nächstes gewinnt nun das OLED-TV für uns entscheidende Bedeutung. Auf diese beiden Anwendungsbereiche werden wir uns in Zukunft vor allem konzentrieren. Der nächste Schritt, den wir ja in Form einer Kleinserie schon vorweggenommen haben, könnten dann OLED-Beleuchtungslösungen in großen Stückzahlen für die unterschiedlichsten Anwendungsbereiche sein.

Novaled hat 2012 einen Umsatz von 27 Millionen Euro erzielt und damit seinen Umsatz gegenüber 2011 deutlich erhöht. Ist für 2013 von einer ähnlich dynamischen Entwicklung auszugehen?

Ich möchte für das laufende Geschäftsjahr noch keine Umsatzzahlen nennen. Novaleds Ziel ist es, bis Ende 2015 an ein dreistelliges Millionen-Euro-Umsatz-Volumen heranzukommen.