Industrielle Displays Touchscreens erfordern schnellere LCD-Schaltzeiten

San Diego im Juni 2014: Auf der SDI Displayweek hat LG sein Curved Display im Seitenverhältnis von 21:9 mit einer Diagonalen von 105 Zoll präsentiert.
San Diego im Juni 2014: Auf der SDI Displayweek hat LG sein Curved Display im Seitenverhältnis von 21:9 mit einer Diagonalen von 105 Zoll präsentiert.

Das olympische Motto des »schneller, höher, weiter« gilt laut Prof. Karlheinz Blankenbach von der Hochschule Pforzheim auch für industrielle Displays: »Wegen des zunehmenden Einsatzes von Touchscreens sollten die LCD-Schaltzeiten schneller als 50 ms sein.«

Markt&Technik: Was entspricht dem Punkt »höher«, wo sehen Sie die Parallele zu »weiter«?

Karlheinz Blankenbach, Hochschule Pforzheim: »Höher« steht hier für Effizienz und Bildqualität, Stichwörter sind »green«-Displays und oft fast schon photorealistische HMIs (Human Machine Interface). Innovative HMIs und Visualisierungen wirken nur auf adäquat hochauflösenden Displays, die je nach Einsatz auch große Blickwinkel erfordern wie bei E-Signage und Infotainment.

Letzteres bedeutet im öffentlichen Nahverkehr beim Einbau im Gangbereich auch den vermehrten Einsatz von »Stretched Displays« mit Formaten wie 16:3. Klar ist jedenfalls, dass in puncto Seitenverhältnis der Trend weg geht vom nur noch vereinzelt angebotenen 4:3-Format hin zum »weiteren« 16:9. Was die Displaygröße anbelangt, gibt es aber nicht nur den Trend hin zu immer größeren Anzeigen, etwa bei Wearables sind kleinere Diagonalen gefragt. So kommen im Consumer-Bereich kleinformatige und hochauflösende Farbdisplays auf den Markt, die beispielsweise bei kleineren Smart-Home-Geräten ihren professionellen Einsatz finden können.

Derzeit dominieren TFT-Technologien: Erwarten Sie, dass OLEDs und die stromsparenden E-Paper-Anzeigen Boden gut machen?

Das hängt sehr stark von der ökonomischen Situation ab. Derzeit sind sowohl Aktiv-Matrix-OLEDs als auch AM-E-Paper eher auf kleine Größen bis etwa 7 Zoll beschränkt. Falls es nicht gelingt, diese beiden Technologien auch auf andere Massenprodukte – momentan vorwiegend Smartphones bzw. E-Book-Reader - zu übertragen und somit auszuweiten, stellt sich die Frage, ob die momentanen Einsatzgebiete für einen langfristigen Erfolg dieser Technologien ausreichen. Für das Aussterben von Technologien gibt es ein Beispiel aus jüngster Zeit, die Plasma-Displays (PDPs). Wegen der großen Pixeldimensionen im mm-Bereich war diese Technik auf Displays mit Diagonalen ab 37 Zoll beschränkt. Anfänglich hatten PDPs auch einen großen Markterfolg, weil sie günstiger als LCDs herstellbar waren, doch relativ schnell gab es auch LC-Displays mit diesen großen Diagonalen. Wegen Kostenvorteilen durch Know-how und riesige Stückzahlen (abgedeckt wird der Bereich von 1 bis 108 Zoll) konnten die anfänglichen führenden Plasma-Displays schließlich verdrängt werden.

Spielt monochrom bei Grafik-Displays überhaupt noch eine Rolle?

Smart Home und Industrie 4.0 sind Trends, die durch Smartphones und Tablets noch befeuert werden. Insofern macht es Sinn, viele Geräte mit einem einfacheren Display als bisher auszustatten und das HMI hochauflösend auf mobilen Endgeräten zu implementieren. Insofern sehe ich größere monochrome Grafikdisplays ab ca. 3,5¨ außer in Nischen eher auf dem Rückzug – das gilt vor allem für PM-LCDs.

Touch ist auch im industriellen Umfeld nicht mehr wegzudenken. Ist hier vor allem PCAP die Technologie der Wahl, das allen Aspekten Rechnung trägt?

Die PCAP-Technologie hat noch genügend Innovationspotenzial - auch hin zu größeren Diagonalen durch beispielsweise Metal Mesh. Ferner ermöglichen spezielle Algorithmen heute schon die Bedienung von PCAPs mit Handschuhen, was ja ein Argument pro resistives Touch ist/war. Optical-, IR- und SAW-Touch werden wohl in Nischen noch längere Zeit ihr finanzielles Auskommen haben. Ein starker Trend ist »In Cell Touch«, bei dem der Displayhersteller die Touch-Funktionalität gleich in das Panel einbaut. Das bietet Kosten- und Integrationsvorteile, gefährdet aber das Geschäftsmodell von Touchscreen-Herstellern. LVDS ist seit Jahren das native Interface. Wird das auf absehbare Zeit so bleiben oder kündigt sich mit Display-Port ein Wandel an? Viele Experten betrachten die Zukunft von LVDS nach Abkündigung des Supports durch Intel eher als gefährdet. Der »Umstieg« auf (embedded) Display-Port ist schon im Gange, befeuert durch den oben angeführten Trend zu höheren Auflösungen, die die Übertragungsleistung von LVDS nicht mehr ansteuern kann.

Industriekunden legen großen Wert auf eine Langzeitverfügbarkeit der Displays von mindestens fünf Jahren. Sind neuerdings weitere Punkte hinzugekommen?

Nach wie vor ganz im Vordergrund des industriellen Anforderungskatalogs stehen die Langzeitverfügbarkeit und die Supply Chain. Dies ist aber immer mehr mit dem Wunsch gepaart, Consumertrends recht schnell für industrielle Displays angeboten zu bekommen. Der Schlüssel zum Erfolg für die deutsche Industrie dürfte in der Standardisierung bzw. gemeinsamen Festlegung auf gewisse Größen und Auflösungen sowie Spezifikationen liegen. So erreicht man zusammen Stückzahlen, die für asiatische Hersteller interessanter werden.