»Gute Ablesbarkeit bei Sonnenlicht« Sharp will mit den stromsparenden Memory-LCDs das Segment für E-Bikes adressieren

Gerhard Scharf, Sharp Microelectronics: »Der Fahrrad- und Kleinkraftradmarkt ist traditionell ein stark fragmentierter und somit ein klassischer Distributionsmarkt.«
Gerhard Scharf, Sharp Microelectronics: »Der Fahrrad- und Kleinkraftradmarkt ist traditionell ein stark fragmentierter und somit ein klassischer Distributionsmarkt.«

Display-Hersteller Sharp hat zwar bereits Projekte mit Herstellern von Sportcomputern, in deren neuester Produktgeneration jetzt die kleinformatigen Memory-LCDs genutzt werden. »E-Bike-Hersteller sind aber bislang noch nicht dabei, wenngleich die Anforderungen an die Displays sehr ähnlich sein dürften«, sagt Gerhard Scharf, Manager der »Business Segment Transportation« von Sharp Microelectronics Europe.

Markt&Technik: Der Markt für E-Bikes weist interessante Wachstumszahlen auf, für 2012 wird eine weitere deutliche Steigerung im deutschen Markt erwartet: Ist das ein Grund für Sharp, aktiv auf diese Herstellerbranche zuzugehen?

Gerhard Scharf, Sharp: Die Wachstumszahlen sind sicherlich sehr interessant, aber der Markt ist doch noch sehr jung, was zweierlei bedeutet: Zum einen liegt der Fokus der Entwicklung derzeit noch auf den Antriebskonzepten, also dem Zusammenspiel von Motor, Getriebe und Akku, weniger auf der Ausstattung. Zum andern sind die Stückzahlen noch vergleichsweise gering - der prognostizierte Absatz für Deutschland von 300.000 Stück in diesem Jahr ist zwar ein Quantensprung, verglichen mit dem Vorjahr, aber doch noch recht wenig, bezogen auf das Gesamtvolumen allein des Fahrradmarkts von über 4 Millionen Stück im Jahr.

Als eine Stärke der Memory-LCDs haben Sie die gute Ablesbarkeit bei Sonnenlicht angeführt. Wie wird das erreicht?

Grund dafür ist die hohe Reflektivität: 18 Prozent bei den konventionellen HR-LC-Typen und gar 50 Prozent bei den eher stylischen Polymer-Network-LC-Typen. Memory-LCDs lassen sich in sehr heller Umgebung auch unter großen Betrachtungswinkeln gut ablesen, was aber bei Zweirädern nicht unbedingt notwendig ist, weil der Fahrer stets direkt vor dem Display sitzt.

Bei Outdoor-Anwendungen spielen neben wechselnden Lichtmengen übers Jahr gesehen teils deutliche Temperaturschwankungen eine Rolle. Werden die Memory-LCs auch dieser Anforderung gerecht?

Unsere Memory-LCDs sind für Betriebstemperaturen von -20 bis +70 °C spezifiziert - ein Temperaturbereich, der für den Einsatz der Displays in Sportcomputern und E-Bikes völlig ausreichend ist. Gemeinhin werden solche Gefährte nicht bei extremen Wetterlagen genutzt, und selbst wenn einige Zeit die Sonne direkt auf dem Display steht, heizt sich die Anzeige selbst bei sommerlichen Umgebungstemperaturen nicht auf über 70 °C auf, denn E-Bikes sind anders als Autos offen.

Stromsparend ist bei batteriebetriebenen Anwendungen immer ein wichtiger Aspekt: Wird dieser neben den Memory-LCDs auch von anderen Displaytypen einigermaßen erfüllt?

Genau genommen gibt es für diese Art der Anwendung keine Alternative mit einer ähnlich geringen Leistungsaufnahme: Memory-LCDs benötigen weniger als 1 Prozent des Stroms, verglichen mit transmissiven TFT-LCDs gleicher Größe. Selbst im Vergleich mit herkömmlichen reflektiven LCDs schneiden Memory-LCDs mit nur etwa 10 Prozent Strombedarf deutlich besser ab. Von der Leistungsaufnahme vergleichbar sind vielleicht bi-stabile Displays. Nur sind diese von den Pixelschaltzeiten her viel zu träge und damit nicht geeignet, rasch wechselnde Bildinhalte wie Geschwindigkeiten anzuzeigen.

Können Memory-LCDs mehr darstellen als nur die aktuelle Geschwindigkeit, gefahrene Kilometer und Akkustand und sogar - sofern das mal gewünscht wird - als Navigationsdisplay eingesetzt werden, und dies auch in Farbe?

Machbar ist letztendlich alles, auch die Darstellung von Navigationskarten, denn Memory-LCDs sind voll funktionsfähige TFT-Displays, auf denen jede Art von Inhalt flexibel in Schwarzweiß dargestellt werden kann. Die Funktionalität der Anwendung und damit den Bildinhalt der Displays bestimmt aber letztendlich der Gerätehersteller. Technisch machbar sind auch Farbdisplays - allerdings nur mit einem reduzierten Farbspektrum. Sie haben aber einen höheren Energiebedarf und liegen von den Kosten deutlich über der S/W-Variante, so dass Farb-Memory-LCDs bislang nicht nachgefragt werden und wir sie entsprechend nicht anbieten.

Falls E-Bike-Hersteller Displays wollten: Würde Sharp die direkt vermarkten oder eher wegen kundenspezifisch erforderlicher Anpassung über Distributoren?

Der Fahrrad- und Kleinkraftradmarkt ist traditionell ein stark fragmentierter und somit ein klassischer Distributionsmarkt. Partner wie Arrow sondieren derzeit intensiv die Anwendungsmöglichkeiten für Memory-LCDs im Allgemeinen und haben dabei sicherlich auch das Segment der E-Bikes im Blick. Die Entwicklung der ersten Generation von elektrisch angetriebenen Krafträdern und Rollern der etablierten Hersteller war zunächst von der Optimierung des Antriebskonzepts bestimmt. Die Cockpits werden deshalb weitgehend noch von klassischen Zeigerinstrumenten geprägt. Sobald sich die Cockpitgestaltung aber ändert, werden wir sicherlich mit den Herstellern sprechen.