Spezielle Form von City-Farming Philips, Cannabis und die LED-Lampen

Gut ein Jahrzehnt lang hat Philips offenbar über Zwischenhändler gute Geschäfte mit LED-Lampen für Cannabis-Plantagen gemacht. Seit 2013 werden Kunden in diesem Bereich nicht mehr beliefert, zumindest nicht mit »Green Power«-LED-Lampen

Als Frans van Houten, Chef der Royal Philips Electronics, am Abend des 23. November letzten Jahres nach Hause kam, sah er sich mit einem Problem konfrontiert, dass er aus seiner Zeit als CEO der Philips-Halbleiterausgründung NXP, garantiert nicht gekannt haben dürfte. Ein Zwischenhändler von Leuchtstoffmitteln, konfrontierte ihn vor seiner Haustür mit dem Vorwurf der Beteiligung an der Cannabis-Zucht.

Öffentlich wurde der Vorfall als die niederländische Nachrichtensendung »Brandpunt« eine Reportage unter dem Titel »Düsteres Licht« ausstrahlte. Darin wurde dokumentiert, dass Philips seit 2002 Zwischenhändler mit entsprechenden Lampen beliefert. »Der Verkauf erfolgte zwar indirekt, aber im vollen Bewusstsein, an welche Endkunden die Lampen gehen«, kommentierte Konzernsprecher Eric Drent den Bericht. Zwar waren diese Geschäftsbeziehungen bislang legal, erst seit kurzem wird in den Niederlanden eine gesetzliche Neuregelung diskutiert, welche die Belieferung der Cannabisproduzenten mit Lampen und anderen Geräten unter Strafe stellt, doch Philips hatte sich bereits 2012 zum Ausstieg aus diesem Geschäft entschlossen und wie Drent erläutert, »allein in den Niederlanden Dutzende Händler gebrieft, dass wir sie in Zukunft nicht mehr beliefern werden«.

Im Fall eines besonders hartnäckigen Händlers, der seit 2002 mit Philips entsprechende Geschäfte abwickelte und Vorzugspreise erhielt,  machte das Unternehmen in der ersten Jahreshälfte 2013 noch einmal eine Ausnahme und lieferte ihm gut 100.000 Lampen. Dieser wollte das Ende der offenbar sehr lukrativen Geschäftsbeziehung aber nicht akzeptieren und machte monatelang Druck. Er belästigte und bedrohte der Reportage nach Philips-Mitarbeiter und versuchte sie einzuschüchtern. Als dies nichts half, lauerte er schließlich mehreren hochrangingen Managern vor ihren Privatwohnungen auf. Als er dies Ende November 2013 bei van Houten tat, rief dieser die Polizei. Weil dem Mann nichts nachzuweisen war, kam er noch am selben Abend wieder auf freien Fuß.

Den Beschluss zum Ausstieg aus dem Geschäft mit der Berufung von van Houten am 1. April 2011 als Nachfolger von Gerard Kleisterlee zum neuen Philips-Chef, in Zusammenhang zu bringen, dürfte Spekulation sein. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die »Green Power«-LED-Lampen wohl nur die imageträchtige Spitze des Eisbergs sind. So wird von diversen Experten darauf hingewiesen, dass das Hauptgeschäft mit Beleuchtungsmitteln für den Cannabisanbau, über Natriumdampf-Lampen erfolgt. Einschlägige Online-Portale verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass etwa die Philips 400 W Son-T-Lampe zu den beliebtesten Grow-Leuchten zählt. Mit der Philips GreenPower 600 W 400 V EL, werde zudem gerade ein Produkt am Markt eingeführt, dass sich für den Anbau von Cannabis geradezu ideal eigne. Vergleichbare Lampen finden sich bei den betreffenden Online-Shops aber auch von anderen Großen der Branche wie etwa Osram, General Electrics, oder Sylvania. Einziger Nachteil der Natriumdampf-Lampen gegenüber LED-Lampen: Die höhere Temperaturentwicklung. Aber dafür, so der Hinweis auf den Internetseiten der Growshops, gäbe es schließlich Lüfter.

Für die internationalen Beleuchtmittelhersteller dürfte es sich jedoch um mehr, als ein Imageproblem handeln. Schließlich nennt sich einer ihrer größten Hoffnungsträger für die Zukunft »City Farming«. Pflanzenanbau in Ballungsgebieten, lautet die Zauberformel für dieses vielversprechende  Geschäftsfeld. Nur leider sind die im Philips-Prospekt zum »City Farming« beworbenen »Greenpower«-Lampen eben nicht nur zur »Tageslichtverlängerung« bei der Erdbeer-, Gurken- und Tomatenaufzucht einsetzbar, sondern auch zum Cannabis-Anbau unter Kunstlicht. Welches Umsatzvolumen sich hinter Cannabiszucht und –handel allein einzelnen Regionen der Niederlande verbirgt, macht ein Bericht des »NRC Handelsblad« deutlich. In dem Bericht wird das Branchenumsatzvolumen allein im südniederländischen Tilburg auf etwa 800 Millionen Euro taxiert.

Vielleicht aber regeln sich die Imageprobleme der Beleuchtmittelanbieter im Zusammenhang mit Cannabis in absehbarer Zukunft auf ganz andere Art. So deutet in jüngster Zeit einiges darauf hin, dass sich die Zeit des das internationale Cannabisverbot dem Ende zuneigen könnte. So haben Länder wie Uruguay und der US-Staat Colorado Anfang dieses Jahres Cannabis und den privaten Anbau zum Eigenbedarf legalisiert. Portugal hat mit der Entkriminalisierung vor 10 Jahren gute Erfahrungen gemacht. In Israel, Kanada und einigen anderen Ländern ist die Nutzung von Marihuana zu medizinischen Zwecken legal und in der Schweiz bereitet aktuell eine parlamentarische Kommission ein Gesetzesvorhaben zur Legalisierung vor.

Fällt das Verbot, dürfte auch die Nachfrage nach Beleuchtungsmitteln zur Cannabis-Aufzucht rapide zurückgehen. In der Legalität, genügen dann nämlich in bester »City Farming«-Tradition ein Hanfkorn, Sonne, Erde, Wasser und ein Blumentopf, um den Eigenbedarf zu befriedigen. Spätestens dann, dürften Frans van Houten und seine Kollegen am Abend vor der heimischen Haustür nicht mehr mit unangenehmen Begegnungen rechnen müssen.