Zweite Restrukturierungswelle bei Osram Neuer Sparplan kostet erneut 7800 Arbeitsplätze

Osram präsentiert die erste von einem großen Hersteller in Deutschland gefertigte LED-Lampe in Glühlampenform.

Osram hat heute Details zu den geplanten Sparmaßnahmen bekannt gegeben: Demzufolge sollen erneut rund 7800 Stellen gestrichen werden, davon etwa 1700 in Deutschland. Besonders betroffen sollen die Bereiche Produktion, Vertrieb und Verwaltung sein.

Nun ist es also raus: Osram läutet die zweite Runde seines Sparprogramms »Push« ein. Kaum dass die Umsetzung der ersten Restrukturierungswelle »Push« – die weltweit rund 8700 Arbeitsplätze kosten soll – in die finale Phase geht, kündigt der Konzern bereits »Push II« an. Im Rahmen des auf drei Jahre (bis Ende des Geschäftsjahres 2017) angelegten Programmes werden erneut rund 7800 Menschen ihren Job verlieren, davon allein 1700 in Deutschland. Und eine dritte Welle wollte Wolfgang Dehen, Vorstandsvorsitzender der Osram Licht AG, auch nicht ausschließen.

In Deutschland sollen den Planungen zufolge insbesondere der Standort München sowie Fertigungsstandorte der Allgemeinbeleuchtung in Augsburg, Berlin und Eichstätt betroffen sein, aber auch unternehmensübergreifend die Bereiche Vertrieb, Verwaltung und andere indirekte Funktionen.

Insgesamt sollen die Maßnahmen bis zum Ende des Geschäftsjahrs 2017 zu einer dauerhaften Kostensenkung von rund 260 Millionen Euro führen. Der erwartete Aufwand dürfte sich im selben Zeitraum auf etwa 450 Millionen Euro brutto belaufen.

Die Allgemeinbeleuchtung bricht weg, aber...

Die Gründe für die drastischen Einschnitte sehen Dehen und Osram-CFO Dr. Klaus Patzak im wegbrechenden Geschäft mit der traditionellen Beleuchtung – auch wenn im gleichen Atemzug erklärt wird, dass Osram im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2014 die hohen Rückgänge seines traditionellen Geschäfts in der Allgemeinbeleuchtung durch beträchtliche Zuwächse mit LED-basierten Produkten auf vergleichbarer Basis nahezu kompensiert hat.

»Während sich das Ergebnis weiter erfreulich entwickelt, sorgt die steigende Marktakzeptanz der LED-Technologie, wie angekündigt, für einen deutlich schnelleren Rückgang des traditionellen Geschäfts«, so Wolfgang Dehen. »Die erste Stufe von Osram Push werden wir in Kürze erfolgreich abschließen. Wir haben aber stets betont, dass der Wandel im Lichtmarkt auch nach 2014 weitergehen wird und zusätzliche Kapazitätsanpassungen erforderlich macht. Vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen sind jetzt zusätzliche Maßnahmen notwendig, um unsere Stellung als führender Lichthersteller langfristig zu sichern. Wir müssen noch näher am Kunden sein, die unternehmerische Verantwortung der Geschäftsbereiche weiter stärken und gleichzeitig Kostenstrukturen schaffen, die der Größe des Gesamtunternehmens, aber auch seiner einzelnen Geschäfte angemessen sind.«

Die Maßnahmen der seit 2012 laufenden ersten Stufe von Osram Push sind alle in Umsetzung beziehungsweise schon abgeschlossen. Ende des dritten Quartals lagen die durch »Push I« generierten kumulierten Brutto-Einsparungen bei rund 760 Millionen Euro, darin enthalten sind 118 Millionen Euro aus dem abgelaufenen Quartal.

Ergebnisse Q3/2014

Der Umsatz sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum geringfügig um ein Prozent und erreichte rund 1,2 Milliarden Euro.

Das um Sondereffekte bereinigte EBITA1 stieg dagegen um 9,5 Prozent auf 104 Millionen Euro, woraus sich eine Marge von 8,6 Prozent ergibt.

Getragen wurde die Verbesserung des EBITA von den Bereichen Opto-Halbleiter und Spezialbeleuchtung sowie von Osram-Push-Maßnahmen. Das berichtete EBITA hat sich gegenüber dem von vergleichsweise hohen Transformationskosten geprägten Vorjahreszeitraum mehr als verdreifacht und erreichte 81 Millionen Euro beziehungsweise 6,7 Prozent vom Umsatz.

Das Geschäft mit LED-basierten Produkten verzeichnete im dritten Quartal einen vergleichbaren Umsatzanstieg von 21 Prozent und hatte einen Anteil von 38 Prozent an den Gesamterlösen des Konzerns.

Osram bestätigt den Ende Mai aktualisierten Ausblick für das laufende Geschäftsjahr. Weiter bestätigt der Vorstand das Ziel, ab dem Geschäftsjahr 2015 eine durchschnittliche berichtete EBITA-Marge von über acht Prozent über den Zyklus zu erreichen.

Im Berichtssegment mit optischen Halbleiter-Komponenten (Opto Semiconductors, kurz OS) verzeichnete Osram im dritten Quartal auf vergleichbarer Basis ein Umsatzplus von fünf Prozent gegenüber einem bereits sehr guten Vorjahresquartal. Die EBITA-Marge war mit fast 20 Prozent außergewöhnlich hoch. OS profitierte neben einem vorteilhaften Produktmix und einer guten Kapazitätsauslastung auch von einem Ertrag von fünf Millionen Euro aus einer Lizenzvereinbarung.

Specialty Lighting (SP), mit den Einheiten Automotive Lighting und Display/Optics, profitierte weiterhin von der steigenden Nachfrage im Automobilbereich und erzielte ein vergleichbares Umsatzwachstum von zehn Prozent. Zweistellige Wachstumsraten verzeichneten dabei die Berichtsregionen APAC und Americas. Die EBITA-Marge von SP lag im dritten Quartal bei mehr als 14 Prozent. Der Anteil LED-basierter Umsätze an den Gesamterlösen erreichte 33 Prozent.

Das Berichtssegment LED Lamps & Systems (LLS) deckt das Geschäft mit LED-Lampen, Light Engines sowie LED-Treibern ab und verzeichnete aufgrund der stark steigenden LED-Nachfrage ein vergleichbares Umsatzwachstum von 68 Prozent im dritten Quartal. Auch die EBITA-Marge in diesem Segment hat sich gegenüber dem Vorjahresquartal verbessert, war mit rund minus 20 Prozent aber noch deutlich negativ.

Bei dem Berichtssegment Classic Lamps & Ballasts (CLB), welches das Geschäft mit traditionellen Leuchtmitteln und Vorschaltgeräten umfasst, machte sich die voranschreitende Marktdurchdringung von LED auch im dritten Quartal deutlich negativ bemerkbar. Auf vergleichbarer Basis sank der Umsatz des Segments um 14 Prozent, während die um Sondereinflüsse bereinigte EBITA-Marge auf etwas über sechs Prozent nachgab.

Das Berichtssegment Luminaires & Solutions (LS) umfasst neben Leuchten für professionelle Anwender auch Produkte für Endverbraucher sowie das Service- und Lösungsgeschäft. Aufgrund der Neuausrichtung des nordamerikanischen Servicegeschäfts verzeichnete LS im dritten Quartal auf vergleichbarer Basis einen Umsatzrückgang von 13 Prozent.

Das Leuchtengeschäft verbuchte dank starken Wachstums bei LED-Leuchten einen vergleichbaren Zuwachs. Die bereinigte EBITA-Marge des Berichtssegments lag bei etwa minus 15 Prozent.

Regional betrachtet verzeichnete die Osram Berichtsregion EMEA gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein vergleichbares Umsatzplus von zwei Prozent, während die Erlöse auf dieser Basis in APAC um zwei Prozent und in der Region Americas um vier Prozent zurückgingen.

Ausblick auf das Geschäftsjahr 2014

Der Ende Mai aktualisierte Ausblick für das Geschäftsjahr 2014 wird bestätigt. Demnach geht der Vorstand auf vergleichbarer Basis von einem Umsatz auf Vorjahresniveau, allenfalls von einem geringen Umsatzwachstum aus.

Bei dem um besondere Ergebniseinflüsse bereinigten EBITA rechnet Osram mit einer Marge von mehr als acht Prozent. Zudem geht der Vorstand davon aus, dass im laufenden Geschäftsjahr der Konzerngewinn nach Steuern stark ansteigen wird.