Seoul Semiconductor / Exklusiv-Interview »Kunden sollten nur mit IP-sicheren Herstellern arbeiten«

Andreas Weisl, Seoul Semiconductor 
(im Gespräch mit Markt&Technik-Redakteurin Nicole Wörner)

»Mit unseren jüngsten Patentverletzungsklagen senden wir auch eine Warnung in den Markt: Wir stehen für unsere IP ein und kämpfen für sie.«
Andreas Weisl, Seoul Semiconductor (im Gespräch mit Markt&Technik-Redakteurin Nicole Wörner): »Mit unseren jüngsten Patentverletzungsklagen senden wir eine Warnung in den Markt: Wir stehen für unsere IP ein und kämpfen für sie.«

Immer häufiger sehen sich die großen LED-Hersteller mit Patentverletzungen konfrontiert. Andreas Weisl, Managing Director und Vice President von Seoul Semiconductor Europe, warnt Kunden jedoch eindringlich vor Geschäften mit Billiganbietern.

Markt&Technik: Seit das enorme Potential der LED als Lichtquelle der Zukunft klar wurde, ist der LED-Weltmarkt heftig in Bewegung. Wie ist die Situation heute?
Andreas Weisl, Seoul Semiconductor: Es gibt wohl kaum einen Markt, der in den vergangenen fünf bis zehn Jahren eine Umwälzung erlebt hat, wie der LED-Markt. Vor Jahren gab es in China einen wahren LED-Hype. Hunderte von neuen Anbietern schossen aus dem Boden. Dann war der Hype vorbei und es kam zu einer extremen Konsolidierung, im Zuge derer die meisten dieser Firmen wieder vom Markt verschwanden oder in Akquisitionen aufgingen.

Auch heute noch ist der LED-Weltmarkt stark fragmentiert und hart umkämpft. Noch immer kommen neue Anbieter auf den Markt, und die klassischen Hersteller entwickeln neue Geschäftsmodelle, spezialisieren sich auf ihre Kernkompetenzen und stoßen Randbereiche ab. Dauerhaft bestehen werden nur die Anbieter, die den Markt mit all seinen Anforderungen richtig antizipieren und frühzeitig entsprechende Technologien entwickeln. 

Welche Märkte treiben das Geschäft von Seoul und wie entwickeln sie sich derzeit?
Unser Portfolio unterteilt sich in die Segmente Lighting, Backlighting & Mobile und Automotive – mit einem weltweiten Lighting-Anteil von rund 50 Prozent. In Europa fokussieren wir auf Lighting und Automotive, wobei derzeit rund zwei Drittel auf Lighting und ein Drittel auf Automotive entfallen – letzteres mit exponentiell steigender Tendenz. Das Lighting-Segment wächst in Bezug auf das Volumen weiterhin kontinuierlich, war in den vergangenen Jahren jedoch von einem enormen Preisverfall – teilweise um bis zu 20 Prozent – gekennzeichnet. Glücklicherweise hat sich diese Talfahrt etwas abgeschwächt.

Die weitere Marktentwicklung ist jedoch schwer vorauszusehen. Zwar ist die Diskussion, ob LEDs die herkömmlichen Beleuchtungen flächendeckend ersetzen werden, mittlerweile beendet. Das spricht für ein hohes Potential für die Zukunft. Dennoch ist die Integrationsrate momentan noch relativ gering. Straßenlaternen beispielsweise werden voraussichtlich erst dann ausgetauscht, wenn die derzeitigen Leuchten an das Ende ihrer Lebenszeit geraten. Der Automotive-Markt mit all seinen Regulatorien ist schwierig, dennoch birgt er für uns ein großes Potential, entsprechend haben wir massiv in diesen Bereich investiert – mit einem eigenen Team auch in Europa. 

Welchen Stellenwert hat der europäische Markt für die koreanische Konzernmutter?
Einen sehr hohen. Der koreanische Markt selber ist klein und überschaubar. Um expandieren zu können, musste sich der Konzern international orientieren. Die Aktivitäten in Europa zu forcieren, war der folgerichtige Schritt, denn Europa ist im Lighting- und Automotive-Segment führend. Der europäische Lighting-Markt ist stark fragmentiert und erfordert daher völlig andere Vertriebsstrukturen als in anderen Regionen. Kundennähe und spezifische Marktkenntnis sind das A und O – das gilt natürlich auch für den hierzulande sehr starken Automotive-Markt. 

Seoul ist seit 2004 auf dem europäischen Markt aktiv. Sie selber begleiten die Entwicklung des Unternehmens seit 2010 und zeichnen seit 2014 verantwortlich für das Europageschäft. Was hat sich seither verändert?
Wir haben die Strukturen in Europa kontinuierlich ausgebaut. Der Konzernmutter war bewusst, dass Europa ein wichtiger Markt werden würde, insofern haben wir jegliche Unterstützung erfahren, die wir brauchten, um das Geschäft hier aufzubauen. In den sieben Jahren haben sich Umsatz und Mitarbeiterzahl verdreifacht, Tendenz deutlich steigend.