Evervision feiert 10-Jahres-Jubiläum Fokussierung auf Distribution

Hendrik Botzen, Evervision: »Das modulare Konzept erlaubt es uns, ab einer Mindestbestellmenge von zum Teil nur 300 Stück dem Kunden exakt die Konfiguration anzubieten, die er für seine Applikation benötigt.«

Industrieanwendungen, die Bahn- und Medizintechnik, nautische Applikationen sowie bau- und landwirtschaftliche Maschinen adressiert Evervision mit seinen kundenspezifischen Displays.

Betreut wird von der vor 10 Jahren gegründeten deutschen Niederlassung EMEA, »denn wir haben auch Kunden in der Türkei und Israel«, sagt Hendrik Botzen, Branch Office Manager von Evervision Electronics Europe. Der Fokus beim Vertrieb lag von Beginn an auf der Distribution.

Markt&Technik: Vor gut 10 Jahren hat Evervision in Deutschland seine Niederlassung gegründet: Was waren die Gründe dafür?

Hendrik Botzen: Es sollte das Erfolgsrezept der Mutterfirma Everlight Electronics Europe kopiert werden, die bereits seit dem Jahr 2000 mit einer Niederlassung erfolgreich vertreten ist. Es hatte sich eindrucksvoll bestätigt, dass die räumliche Nähe zu den Direktkunden und Vertragsdistributoren in Europa ein entscheidender Vorteil für einen asiatischen Hersteller ist. Der sprachliche Vorteil in Deutschland als größtem Markt in Europa kam dem noch zusätzlich entgegen.

Ist die Niederlassungsgründung bei Null erfolgt oder sind Sie mit der Übernahme einer Firma gestartet?

Wir haben in der Tat bei Null begonnen. Es gab einige wenige Direktkunden, die von Taipei aus betreut wurden, die sind jedoch nicht überstellt worden. Somit waren wir von Anfang an auf uns gestellt.

Apropos Direktkunden: Wie sieht Ihre Vertriebsstrategie aus?

Von Beginn an erfolgte die Fokussierung auf die Distribution - zum einen auf einen paneuropäischen Broadline-Distributor, der Display- und Touchpanelprodukte auch in Logistikkonzepte einfließen lassen kann, zum andern auf mindestens einen weiteren lokalen Displayspezialisten in jedem europäischen Land. Für den Import aus unserem chinesischen Werk wird das Warehouse der Konzernmutter mit genutzt, sodass wir ab Lager Karlsruhe liefern.

Wurde sofort das komplette Evervision-Programm offeriert?

Die Palette an Standardprodukten war zu der Zeit überschaubar mit TFT-Displays von 3,5 bis 7,0 Zoll. Zusammen mit den resistiven Touchpanel-Varianten waren es nur zehn Artikelnummern. Im Mono-LCD-Bereich haben wir von Anfang an nur auf kundenspezifische Lösungen gesetzt, um hier den persönlichen Support ausspielen zu können. Bei den Standard-Mono-LC-Displays - etwa den alphanumerischen Displays - war schon damals die Anzahl der chinesischen Anbieter so groß, dass wir für diese Produktgruppe keine Kapazitäten binden wollten.

Wie haben sich seit der Niederlassungsgründung die Mitarbeiter- und Umsatzzahlen entwickelt?

Zu Beginn war es nur meine Person in Personalunion für alle anfallenden Aufgabenbereiche. Mittlerweile haben wir ein Team von insgesamt vier spezialisierten Mitarbeitern, alle mit akademischer Ausbildung. Die Zielsetzungen sind eindeutig: Wir wollen jedes Jahr über dem Marktwachstum im Bereich Displays liegen und orientieren uns hierbei an den Zahlen der Distribution. Für eine Niederlassung, die nur Produkte aus dem eigenen Werk anbieten kann, ist das ein hohes Ziel, das wir über den Zeitraum von 10 Jahren immer übererfüllen konnten.

Welche Produkte sind der Renner/Hauptumsatzbringer?

Wir hatten sehr schnell festgestellt, dass die Visualisierung rasant zunahm und der europäische Markt dabei mehr und mehr flexible Lösung nachfragte, die von etablierten Mitbewerbern nicht angeboten wurden. Wir interessieren uns dafür, welche Display- und Touchpanel-Features unsere Kunden wirklich benötigen, und haben unsere Entwicklung und unser Werk überzeugen können, ein modulares Konzept umzusetzen. Dieses Konzept erlaubt es uns, ab einer Mindestbestellmenge von zum Teil nur 300 Stück dem Kunden exakt die Konfiguration von Hinterleuchtungshelligkeiten, Interfaces, Spezialpolfilteroptionen und Touchpaneloptionen anzubieten, die er für seine Applikation benötigt. Sind überdies weitere Modifikationen gefordert, so können halbkundenspezifische Lösungen bereits ab 500 Stück realisiert werden. Halb- und vollkundenspezifische Projekte machen mittlerweile rund 50 Prozent unseres Umsatzes aus. Trotz der Typenvielfalt bleiben unsere Produktionskapazitäten für große Projekte unangetastet, Projekte mit sechsstelligen Jahresbedarfen für Displaymodule bilden die oberen Kapazitätsgrenzen.

Wie sieht derzeit das Produktportfolio aus, wo werden die Displays gefertigt?

Unser Portfolio umfasst die drei Säulen Mono-LC-Displays und -Module, TFT-Module von 3,5 bis 10,1 Zoll und kapazitive Touchpanels von 3,5 bis 12,1 Zoll, auf Wunsch mit Cover-Gläsern. Das Assembly der TFT-Module und die Fertigung der Touchpanels erfolgt in unserem Werk in Kunshan/China. Materialien wie TFT-Gläser oder Halbleiter sind und bleiben Zukaufprodukte. Bei den TFT-Gläsern vertrauen wir auf taiwanische Partner, die eindrucksvoll bewiesen haben, einige Panelformate bereits im zehnten Jahr unverändert zu liefern. Das ermöglicht es uns dann, etwa das 5,7-Zoll-Format auch seit 10 Jahren unverändert liefern zu können.

Wo liegen die Stärken von Evervision?

Es sind die drei Aspekte maximale Flexibilität, schnelle Reaktionszeiten und kurzfristige Musterfügbarkeit. Unser Musterlager umfasst rund 150 verschiedene Artikelnummern mit in Summe 600 Produkten, sodass für Prototypen die Muster ab Lager Karlsruhe innerhalb von zwei, drei Arbeitstagen geliefert werden können. Flexibilität ist wichtig, um auf die Kundenbedürfnisse in Zeiten immer kürzerer Entwicklungs- und Produktzyklen eingehen zu können. Allein die Standardpreisliste umfasst aktuell etwa 240 Typen. Mit unserem eigenentwickelten IPCT-Evaluation-Tool kann der Anwender anhand von zwölf Parametern den Touch-Controller abstimmen. Via IPCT-Tool lassen sich beispielsweise Cover-Gläser auf den Touchsensor anpassen. Was schnelle Reaktionszeiten betrifft, so ermöglicht uns der Erfahrungsschatz aus den letzten 10 Jahren, für die Kunden kurzfristig Machbarkeiten abzuschätzen, ohne Rücksprache mit unserer Entwicklung halten zu müssen. Vielfach können wir noch am gleichen Tag Kundenanfragen beantworten.