Plastic Logic Flexible e-Paper-Displays aus Dresden

Noch in diesem Jahr soll bei Plastic Logic die Fertigung von flexiblen e-Paper-Displays am Standort Dresden anlaufen, 2009 soll dann im großen Stil produziert werden. Wer die »Papierdisplays « in seine Applikation einsetzen will, der muss sich aber noch etwas gedulden: Als Bauelement gibt es die Displays vorerst nicht Markt.

»Das Interesse an der Technologie ist riesig«, berichtet Konrad Herre, Geschäftsführer der Plastic Logic in Dresden. Anfragen von potenziellen Anwendern gingen täglich ein. Wenn auch die Produktion in Dresden in Kürze starten soll, »bedient wird der Bauelementemarkt vorerst nicht«, erklärt Herre. Man hätte sich dazu entschlossen, die ersten e-Paper-Displays gezielt für ein konkretes Produkt zu entwickeln und zu produzieren, »in enger Zusammenarbeit mit einem Gerätehersteller«, so Herre und weiter: »Die Technologie ist ganz neu und wir müssen erst einmal selbst Erfahrungen sammeln.« Wer als seriöser Anbieter von Bauelementen auftreten wolle, »muss die Anwender entsprechend beraten und unterstützen können. Uns fehlen hierfür noch die Erfahrungswerte.«

Mit wem Plastic Logic aktuell zusammenarbeitet, will Herre nicht verraten. Nur so viel: Spätestens 2009 wir ein so genannter »e-Reader« auf den Markt kommen, ausgestattet mit einem monochromen DinA4-Display aus der Dresdener Fertigung. Herre: »Das Display wird nicht nur extrem leicht und dünn sein, sondern auch flexibel.« Vergleichbar mit einem bedruckten Blatt Papier lässt es sich zudem gut ablesen – in verschiedenen Umgebungen, auch im Sonnenlicht. Großer Pluspunkt ist die geringe Stromaufnahme der bistabilen Anzeige: »Zum einen ist keine Hinterleuchtung notwenig, zum anderen nehmen die Anzeigen nur Strom auf, wenn sich der Bildschirminhalt ändert. Einmal angezeigte Inhalte bleiben dann ohne weitere Stromzufuhr lesbar, »selbst über mehrere Monate hinweg«, betont Herre.

Dass die Serienfertigung der e-paper-Displays gerade in Deutschland startet und nicht etwa in Asien, hat seinen Grund. »Plastic Logic hat weltweit sehr viele Standorte untersucht und sich dann ganz bewusst für Dresden entschieden«, so Herre, »denn was wir brauchen, das ist eine Kombination aus Entwicklungs- und Fertigungskompetenz.« Das gebe es in Deutschland und gerade auch Technologiestandort Dresden.

e-Paper-Displays produziert Plastic Logic zwar schon am Firmenstammsitz in Cambridge, allerdings steht hier nur eine kleinere Pilotanlage – in Dresden geht es hingegen um eine echte Massenproduktion. Herre: »Eine Anlage, wie sie gerade in Dresden entsteht, die gibt in dieser Form nirgends auf der Welt. Wir befinden uns in einer Situation, in der sich die Halbleiterhersteller vor 30 Jahren befanden – wir können kaum auf Bekanntes zurückgreifen.« Es ginge nicht nur darum, eine neue Technologie am Markt zu etablieren, »wir müssen auch die entsprechenden Materialien entwickeln, das Fertigungsequipment und auch die Prozesse.« Eine kleine Orientierungshilfe gibt zumindest die klassische Displayfertigung: Zum Teil greifen die Dresdener auf Equipment und Prozesse aus der LCD- und Plasma-Display-Produktion zurück, »komplett übernehmen können wir aber nichts.«

Doch noch einmal zurück zur Standortwahl; auch das Land Sachsen hat laut Herre überzeugt, nicht nur durch bereitgestellte Fördergelder, »denn die gibt es an anderen Standorten auch«, sondern durch eine professionelle, unkomplizierte und schnelle Unterstützung des Vorhabens. Dr. John Mills, Geschäftsführer der Plastic Logic fügt hinzu: »Die Wirtschaftsförderer des Freistaates und der Landeshauptstadt konnten vor allem mit dem Versprechen punkten, den Bau der Fabrik innerhalb kürzester Zeit zu realisieren.« Dies bedeute einen enormen Vorsprung gegenüber dem Wettbewerb. »Wir haben nicht viel Zeit, den Innovationsvorsprung unseres Unternehmens in die Serienproduktion umzusetzen. Jeder Tag, an dem die Produktion eher aufgenommen wird, ist daher bares Geld wert.«

Wie ist nun der Stand der Dinge? Inzwischen ist im Dresdner Airportpark – zwischen der Chipfabrik von AMD und dem Flughafen Dresden – ein 8.500 Quadratmeter großer Gebäudekomplex mit Produktionshalle und Büroflächen entstanden. »Wir liegen gut im Zeitplan«, sagt Herre, »wir haben das Bürogebäude bereits bezogen, der Reinraum wird in Kürze fertig, das Equipment ist verschifft und auf dem Weg nach Dresden.« Bis Ende des Jahres soll die Produktion laufen. Im Moment ist Herre noch dabei, die Mitarbeiter zu rekrutieren. 50 Arbeitsverträge sind bereits unterschrieben, 140 sollen es insgesamt werden. Noch in diesem Jahr soll die Produktion anlaufen, 2009 will Plastic Logic dann etwa 1 Mio. e-Paper-Displays produzieren.


Plastic Logic
Plastic Logic Limited entstand im Jahr 2000 als Ausgründung des Cavendish Laboratory an der Universität Cambridge. Die intensive Forschungsarbeit brachte in zehn Jahren allein 58 Patente und Patentanmeldungen hervor. Für die Produktion der ersten Generation von flexiblen Displays warb das Unternehmen eine Investorfinanzierung von über 100 Millionen US-Dollar (74,4 Millionen Euro) ein, unter anderem von Oak Investment Partners, Tudor Investment Corporation und Amadeus Capital Partners.