Interview mit Markus Hell, Data Modul Einglas-Touch dank SITO-Sensoren

Markus Hell, Data Modul: »Die Fertigung eines SITO-Sensors ist nur auf einer TFT- oder Colorfilter-Produktionslinie mittels Photolithographie-Prozess möglich.«
Markus Hell, Data Modul: »Die Fertigung eines SITO-Sensors ist nur auf einer TFT- oder Colorfilter-Produktionslinie mittels Photolithographie-Prozess möglich.«

Das Akronym SITO steht für Single-Side-ITO. Bei dieser Einglas-Touch-Technologie »sind die beiden leitenden ITO-Schichten (X- und Y-Richtung) auf nur einer Seite eines Glassubstrats aufgebracht«, erläutert Markus Hell, Produkt Marketing Manager easyTouch bei Data Modul.

Markt&Technik: Ist SITO eine von Ihnen entwickelte Technologie, gar patentiert?
Markus Hell: Nein, das ist kein patentiertes Data-Modul-Produkt. Es handelt sich um eine sehr fortschrittliche Art von PCAP-Sensoren und ist daher recht neu.

Welche Fertigungstechnik muss vorhanden sein, um SITO-Touchlösungen herzustellen?
Die Fertigung solch eines SITO-Sensors (Indium Tin Oxide) ist nur auf einer TFT- oder Colorfilter-Produktionslinie möglich. Hier setzt man auf einem Photolithographie-Prozess auf und erhält somit feinere Strukturen als bei einem »Offset«-Druckverfahren, das bei Glas/Glas-PCAP-Sensoren zum Einsatz kommt.

Welche Vorteile hat denn SITO im Vergleich mit anderen Touch-Technologien?
Diese Technologie ermöglicht sehr feine Leiterbahnstrukturen, die den Rand des Touchpanels auf ein Minimum reduzieren. Des weiteren erhält man durch nur ein Glassubstrat mit Dicken von 0,55, 0,7 oder 1,1 mm zusammen mit dem Coverglas einen sehr dünnen Gesamtaufbau. Überdies haben SITO-Touch-Sensoren im Vergleich mit Glas/Film/Film- oder Glas/Glas-Sensoren einen sehr hohen Temperaturbereich, der von -30 bis +85 °C reicht, also Industrieanforderungen gerecht wird.

SITO geht nur mit PCAP?
Ja, SITO ist eine Alternative zu Glas/Film/Film- oder Glas/Glas-PCAP-Sensoren.

Wie sieht’s mit den Preisen aus, ist SITO für den Kunden teurer als andere Touch-Technologien?
Wir gehen davon aus, dass durch diese Technologie in Verbindung mit dem eigenen Bondingprozess Kosten von bis zu 20 % eingespart werden können.

Gibt es für SITO eine Limitierung bei der Größe der Diagonale – Ihr momentan größtes Display hat 15,6 Zoll?
Die SITO-Technologie ist nur von der Mutterglasgröße limitiert. Geplant sind von uns weitere Wide-Diagonalen mit 18,5 und 21,5 Zoll.

Sie haben SITO-Muster erstmals auf der diesjährigen electronica vorgestellt: Wann gibt’s SITO-Touchpanels in Stückzahlen?
Aktuell werden die vorgestellten Größen (10,1/12,1/15,6 Zoll) in die Mass Production überführt. Mitte 2015 werden die Sensoren mit dem passenden, eigenentwickelten Controller in Serienstückzahlen erhältlich sein. Hier setzen wir auf neueste »ATMEL maXTouch«-ICs der T-Generation. Diese zeichnet sich besonders durch stabile Wasser- und Handschuhbedienung aus.

SITO-Sensoren müssen immer auf ein Cover-Glas gebondet werden. Warum ist das so und resultieren daraus auch Vorteile?
Der Grund dafür ist, dass sich die ITO-Strukturen ungeschützt auf der Oberseite des Glassubstrats befinden. Hier können wir mit der eigenen Bondinglinie Abhilfe schaffen. Als vorteilhaft erweist sich das Bonding auf Cover-Glas,weil ein sehr hoher Signal-Rausch-Abstand (SNR) erreicht werden kann. Dies kommt einem besonders bei dicken Cover-Gläsern und gestörten Umgebungen zu Gute, weil der Touch-Schwellwert sehr hoch angesetzt werden kann und daraus ein sehr robustes System resultiert.