Interview mit Klaus Wammes, i-sft Displays: »Heat-Management ist ein immer größeres Thema …«

Klaus Wammes, i-sft: »Die Langzeitverfügbarkeit ist und beibt ein Riesenthema, da gibt es nach wie vor kein Standard-Rezept.«
Klaus Wammes, i-sft: »Die Langzeitverfügbarkeit ist und beibt ein Riesenthema, da gibt es nach wie vor kein Standard-Rezept.«

»…, denn die Packungsdichte wächst, und heller werden soll es auch immer noch«, erläutert Klaus Wammes, Geschäftsführer von i-sft. »Ungebrochen« sei überdies im industriellen Umfeld der Trend zu Displays mit Touch-Funktion.

Markt&Technik: Bei welche Diagonalen wird Touch denn nachgefragt – eher bei den kleinen und mittelgroßen Anzeigen?

Klaus Wammes: Nein, die Nachfrage im Non-Consumer-Segment betrifft auch und speziell große und sehr große Diagonalen, hier dann mit hochauflösenden PCT-Touches.

Apropos Diagonale: Wo ist denn Ihrer Ansicht nach im industriellen Umfeld eine Obergrenze?

Eine sinnvolle Obergrenze etabliert sich bei etwa 55 Zoll, bedingt durch Aspekte wie Transport, Einbau und Handling. Will der Kunde deutlich größere Displays, lässt sich das elegant durch Clustern, also das Aneinanderfügen mehrerer Displays, lösen. Von daher resultiert auch der Trend zu dünneren, kleineren Frames/Stegen. Auf den Roadmaps diverser Hersteller sind zwar jetzt auch Größen von 80 Zoll und darüber avisiert, diesen werden aber keine signifikanten Stückzahlen prognostiziert.

Auf der IFA in Berlin mit klarem Fokus auf das Consumer-Segment waren kürzlich diverse Innovationen wie curved, TV-Geräte mit Quantum Dots und Displays mit 4K- und 8K-Auflösung zu sehen. Was davon wird kurz- oder mittefristig bei Industrie-Displays auftauchen?

Prinzipiell unterscheiden sich die Trends für Consumer- und Non-Consumer-Displays: So ist etwa curved im Industrieumfeld kein Thema, während das Marketing versucht, dies im Consumer-Bereich als neues Must-Have zu platzieren. Aber die höhere Auflösung ist auch im Non-Consumer-Bereich ein Trend.

Wenn es um das Einsickern von Consumer-Displays ins industrielle Umfeld geht, ist das Thema »Langzeitverfügbarkeit« ein Dauerbrenner …

Ja, die Langzeitverfügbarkeit ist und beibt ein Riesenthema, da gibt es nach wie vor kein Standard-Rezept, sondern individuelle Ansätze pro Kunde. Viele Ansätze wie »Form Fits Function« oder »Replacement« kommen an ihre Grenzen, weil hier nur die Daten der existierenden Spezifikation berücksichtigt werden und meist alle nicht-spezifizierten Daten durchs Raster fallen - wobei diese Daten mittlerweile sehr oft die eigentlichen Informationen enthalten, die für ein wirkliches »Form-Fits-Function-Replacement« notwendig sind. Das ist dem Umstand geschuldet, dass immer mehr technische Entscheidungen von Einkauf und Controlling dominiert werden und dabei - um Prüfkosten zu sparen - solche Spezifikationen/Zeichnungen eher weniger spezifisch ausgelegt werden. Erste Änderungen sind hier bei einigen Unternehmen schon zu erkennen, bei denen ein sogenanntes Obsoleszenz-Management proaktiv betrieben wird. Das vereinfacht und erleichtert dann auch die Langzeitverfügbarkeit von speziellen und kompletten Bauteilen und Baugruppen wie Displays.

Sie haben anfangs das Thema »Heat-Management« angesprochen. Wie wichtig ist der damit verwandte Aspekt Energieverbrauch?

Der Energie-Verbrauch nach ungeschönten Werten ist neben dem Heat-Manegement technisch derzeit der heißeste Topic, denn diese beiden Aspekte lassen sich nicht durch einfache standardisierte Komponentenauswahl meistern, sondern nur in einem systemischen Ansatz, individuell für jede Applikation.