Kommentar Die LED ist (noch) kein Alleskönner

Willem Ongena, Markt&Technik
Willem Ongena, Markt&Technik

Die LED ist in der Lichttechnik angekommen! Wann genau sie dort ankam, weiß niemand zu sagen. Dass sie aber aus der Lichttechnik inzwischen nicht mehr wegzudenken ist, geben fast alle Fachleute unumwunden zu.

Die LED ist damit freilich nicht quasi-selbstredend zum Leuchtmittel schlechthin geworden, auch wenn sie das Zeug dazu hat. Noch bringt sie (vor allem aus Systemsicht) nicht die Lichtausbeute hervor, die zum Beispiel die hocheffiziente Hochdruckentladungslampe aufweist. Vor allem bei Warmweiß gibt es noch Verbesserungsbedarf. Und die Achillesferse der LED ist und bleibt zum Beispiel die eingeschränkte thermische Belastbarkeit: Ihr Erzfeind ist die Hitze, sowie Wasser der Erzfeind der Elektronik ist!

Und als wie stabil sich die LED als Massenprodukt wirklich erweisen wird, bleibt noch abzuwarten. Es muss ja nicht einmal an der eigentlichen Leuchtdiode liegen, wenn der Farbort sich mit der Zeit verschiebt oder die Lichtintensität sehr viel schneller abnimmt als erwartet. Hinzu kommt, dass die LED einen über sehr lange Zeit stabilen Gleichstrom braucht. Diesen zu erzeugen ist keine triviale Aufgabe.

Und die vielen Vorschusslorbeeren, mit denen die LED beim Antritt ihres Siegeszuges punkten konnte, sind durch Unwissen oder Geschäftemacherei wieder zunichte gemacht worden. Fachleute kennen viele Beispiele, bei denen triviale Ursachen große Wirkung zeigten: Überhitzung infolge nicht eingehaltener Konstruktionsvorschriften (zum Beispiel vergessene Wärmeleitpaste) oder Einsatz eines etwas billigeren aber völlig untauglichen Stromwandlers. Die Sündenliste ist lang.

Und auch wenn ein Hersteller alles richtig macht: Der Preis pro Lumen für ein hochwertiges Leuchtmittel wird noch lange viel höher sein als für die meisten etablierte Techniken. Allerdings ist der Markt hier stark in Bewegung. Die in den letzten Jahren aufgebauten Fertigungskapazitäten sind gewaltig. Deren hoher Ausstoß wird die Preise mittel- und langfristig nach unten drücken und den Markt weiter boomen lassen. Denn die Nachfrage nach den winzigen Strahlern ist schon jetzt immens.

Ihr Willem Ongena