»Man lernt, über den eigenen Tellerrand zu schauen« DFF-Strategie: Nach dem Kfz-Segment rücken nun Consumer und Weiße Ware in den Fokus

Robert Isele, DFF: »Um den Energieverbrauch nachhaltig zu optimieren - eine Herausforderung für die nächsten Jahre -, muss man das jetzt für alle Branchen vorantreiben und immer wieder aufgreifen.«
Robert Isele, DFF: »Um den Energieverbrauch nachhaltig zu optimieren - eine Herausforderung für die nächsten Jahre -, muss man das jetzt für alle Branchen vorantreiben und immer wieder aufgreifen.«

Das Automotive-Segment wird vom Deutschen Flachdisplay Forum (DFF) mittlerweile gut abgedeckt, nun will der Verband neue Mitglieder aus den Branchen Consumer und Weiße Ware gewinnen. Als wichtigen Grund für eine Mitgliedschaft führt der scheidende Verbandsvorsitzende Robert Isele an, dass »man lernt, über den eigenen Tellerrand zu schauen und sich dabei von anderen Branchen inspirieren zu lassen«.

Markt&Technik: Das DFF als deutscher Fachverband gestaltet seine Flyer und auch die drei, vier jährlichen Working Group Meetings auf Englisch, was eigenartig anmutet, unterhält sich doch jeder lieber in seiner Muttersprache . . .

Robert Isele: Der Grund, warum wir bei der Gründung Englisch als Sprache gewählt haben, liegt an der internationalen Ausrichtung der Branche mit den Regionen Europa, Asien und den USA. Seit fünf Jahren sind wir überdies offen für Mitglieder weltweit, wobei allerdings derzeit die fünf nichtdeutschen Mitglieder aus Europa (Österreich, Schweiz, Schweden) kommen - Mitglieder aus deutschen Niederlassungen ausländischer Unternehmen zählen wir als deutsche Firmen. Zwar haben große Display-Hersteller ihre Niederlassungen mit deutschsprachigen Spezialisten vor Ort, aber wir wollen auch mal den Entwickler aus Japan dabei haben, ihn nicht sprachlich ausgrenzen, denn nur so erhalten wir wichtige Inputs und Einblicke in die aktuelle Forschung, nur so bekommen wir Innovationen von der kompletten Kette. Wenn wir aus den Roadmaps das Richtige entnehmen, können wir an der Stellschraube richtig drehen und die Entwicklung in eine auch für uns wichtige Richtung bringen.

Die Mitgliederzahlen stiegen nach der Gründung als Arbeitsgruppe innerhalb des VDMA rasch an und erreichten binnen zweier Jahre um die 70 Mitglieder. Danach stagnierten die Mitgliederzahlen. Gibt’s denn keine interessanten Firmen mehr, die zu rekrutieren wären für den Verband oder sind die Kosten zu hoch und der Gegenwert zu niedrig?

Isele: Zu den Kosten: Die jährlichen Mitgliedsbeiträge reichen von 500 Euro für Hochschulen und Forschungseinrichtungen bis - gestaffelt nach Firmengröße - knapp 7000 Euro, wenn ein Unternehmen mehr als 10.000 Mitarbeiter hat. Das berechtigt zur kostenlosen Teilnahme an den Working Group Meetings - eine Firma darf beliebig viele Teilnehmer schicken. Ein Highlight ist außerdem jedes Jahr, dass wir auf der weltgrößten Display-Messe, der SID in den USA, den German Pavillon für unsere Mitglieder organisieren. Das ist besonders für kleine Firmen ohne eigenen Stand eine ideale Basis, um sich zu einem attraktiven Preis zu präsentieren. Allein dafür lohnt sich schon die Mitgliedschaft.

Die Mitgliederzahlen scheinen sich auf den ersten Blick nach zwei, drei Jahren kaum bewegt zu haben. Aber: Bei der Gründung war das DFF noch davon ausgegangen, dass auch deutsche Display-Hersteller etwa bei der OLED-Produktion im weltweiten Konzert mitmischen könnten. Als sich aber die europäische Fertigung nach Asien verabschiedet hat, gab’s ab 2005 eine Neuorientierung und damit einhergehend einen Mitgliederschwund, der in den Folgejahren erst wieder wettgemacht wurde. Ein für 2008 und 2009 absehbarer Mitgliederzuwachs wurde dann durch Fluktuationen auch anlässlich der Wirtschaftskrise 2009 leider gebremst, aber trotz Krise konnten wir unsere Mitgliederzahlen fast konstant halten.

Wie sieht diese Neuorientierung im Detail aus?

Wir haben den Fokus auf die gesamte Wirkkette gelegt, also die Applikation betrachtet bis hin zum Engineering, dem Material, dem Thema Ansteuerung und der Datenverarbeitung. Weil in Europa die Kfz-Branche eine Kernindustrie ist, haben wir uns zunächst verstärkt darauf konzentriert. Das Thema Kfz läuft, und nun gehen wir die nächste Welle an, also Consumer (TV), Industrie und Weiße Ware. Deshalb wollen wir auch die Mitgliederzahlen ausbauen und deren Struktur verändern, hat doch momentan knapp ein Drittel mit Automotive zu tun. Der Haushaltsgerätehersteller Miele wäre ein Wunschkandidat . . .

. . . um dessen Mitgliedschaft sich dann Ihr Nachfolger bemühen wird?

Das ist Aufgabe des gesamten Vorstands, der sich deshalb auch aus den unterschiedlichsten Branchen zusammensetzt. Aber auch unsere Working Group Meetings verfolgen teils diesen Zweck, richten wir sie doch thematisch danach aus.

Grundsätzlich bedienen diese Meetings drei Aspekte: Sie informieren darüber, was andere machen; sie sind Weiterbildung und vermitteln technische Basisinfos; und sie sorgen dafür, dass ein Netzwerk an Leuten entsteht, und gewährleisten so einen Cross-Industrie-Austausch. Selbstverständlich wird man nicht das letzte Geheimnis eines direkten Mitbewerbers erfahren, aber etwa zwischen einem Kfz-Hersteller und einem Produzenten von Weißer Ware gibt es dank fehlender Konkurrenz ein großes Maß an Offenheit. 100 Prozent Synergie kann es da nicht geben, aber schon 20 Prozent können einen inspirieren. Und was auch wichtig ist: Wenn wir so gemeinsam als Arbeitsplattform zu größeren Stückzahlen kommen, können wir die Technologie in die richtige Richtung puschen und so erreichen, dass die Hersteller für uns entwickeln.