Interview mit Frank Dornscheidt, MSC »4k-Displays sind interessant fürs professionelle Umfeld«

Während es im privaten Gebrauch »noch an geeignetem Bildmaterial mangelt, gibt es im professionellen Umfeld bereits einige interessante Anwendungsmöglichkeiten für 4k-Displays«, sagt Frank Dornscheidt, Business Development Manager Digital Signage bei MSC Technologies.

Markt&Technik: In welchen Applikationen ist denn der Einsatz von derartigen 4k-Displays mit einer Auflösung von 3840 x 2160 Pixel derzeit schon sinnvoll?
Frank Dornscheidt, MSC Technologies: Je nach Diagonale lassen sich hier der Medizinbereich, DTP-Monitore, Videokonferenzsysteme und Steuerungs- und Überwachungsbildschirme nennen. Auch aus dem Bereich des Digital Signage kommen mittlerweile Zeichen, die diese Entwicklung begrüßen und sogar fordern. Momentan wird das massive Angebot von UHD-Bildschirmen in erster Linie von den TV-Herstellern forciert.

Auf der electronica haben Sie einige 4k-Displays gezeigt …
Wir haben zwei verschiedene Geräte präsentiert: ein 28-Zoll-Display, das eher auf den Einsatz im Medizin-und DTP-Bereich zielt und einen Monitor mit 50-Zoll-Diagonale, der schon in den DOOH-Bereich ((Digital Out Of Home) fällt. Allerdings ist die electronica keine ausgewiesene Messe für den Digital-Signage-Bereich, so dass wir hier auf das Ausstellen von Geräten mit größerer Diagonalen verzichtet haben.

Spielt 4k-Auflösung im industriellen Umfeld auch bei kleinen Diagonalen unterhalb 10 Zoll eine Rolle oder ist diese hohe Auflösung dort eher nicht erforderlich?
Natürlich ist für viele Anwendungen in der Automation eine Retina-Auflösung nicht unbedingt ein Muss und vielleicht sogar überzogen. Auf der anderen Seite stellen wir fest, dass industrielle Produkte nicht unbedingt deutlich schlechter sein sollten, als wir dies als Konsumenten von Smartphones und Tablet-PCs gewohnt sind. Dies führt dazu, dass auch hier die Anforderung an die Auflösung steigen wird. Jedoch wird man nicht mit den Premium-Auflösungen aus dem Konsumbereich mithalten können.

Stellt 4k-Auflösung besondere Anforderungen an Touch?
Eine Herausforderung ist eher die Diagonale und die Multi-User-Funktionalität. Inzwischen gibt es neben den IR- und optischen Touch-Lösungen auch PCTs, die eine sehr hohe Auflösung zulassen. Die Auflösung der Bilddarstellung spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

Wie sieht es mit der Ansteuerung und dem Datentransfer aus: Welches Interface kommt zum Einsatz?
Standard sind hier inzwischen V-by-1-Interfaces. Sie erlauben eine 4k-Darstellung mit 60 Hz und sind dabei LVDS überlegen.

Worin sehen Sie momentan die Hauptschwierigkeiten für 4k-Auflösung im industriellen Umfeld?
Zum einen ist der Preis der Panel sicherlich etwas höher, zum andern steigen aber auch die Kosten in der Ansteuerung. Ein breites Angebot von entsprechenden Ansteuerkarten befindet sich gerade erst im Aufbau. Überdies erfordert eine 4k-Darstellung sehr leistungsfähige Prozessoren und Grafik-Chips. Geeignete Zuspieler auf PC-Basis sind noch eher übersichtlich und entsprechend hochpreisig.

Thema Langzeitverfügbarkeit von mindestens fünf Jahren: Müssen sich die Kunden bei 4k-Geräten auf kürzere Zeiten einstellen oder bleibt alles beim alten?
Bei den großen Diagonalen ist eine fünfjährige Verfügbarkeit nie eine wirkliche Option gewesen. Professionelle Displays unterliegen hier einem Lebenszyklus von zwei bis drei Jahren. So gesehen wird sich nichts ändern.

Ist mit 4k das Ende der Fahnenstange schon erreicht?
Es ist nicht damit zu rechnen, dass die Evolution zum Stillstand kommt. So hat Sharp vor kurzem einen 85-Zoll-LCD Monitor mit 7680 x 4320 Pixeln (8k) vorgestellt. Japan will bis spätesten 2020 entsprechende Broadcasting-Bandbreiten zur Verfügung stellen. Im OLED-Bereich wurden im Labor schon Auflösungen von 8k bei 13,3 Zoll erreicht. Die Grenzen sind also noch nicht erreicht, wenn auch die Evolutionsgeschwindigkeit sich etwas verlangsamen wird.