Testwerk »Nicht der Standort, sondern die Spezialisierung ist unser Erfolgsfaktor«

Rainer Bartosch, Testwerk: »Hamburg bietet eine sehr gute Verkehrsinfrastruktur, die es uns erlaubt, innerhalb kurzer Zeit auch weiter entfernte Kunden zu erreichen und zu beliefern.«
Rainer Bartosch, Testwerk: »Hamburg bietet eine sehr gute Verkehrsinfrastruktur, die es uns erlaubt, innerhalb kurzer Zeit auch weiter entfernte Kunden zu erreichen und zu beliefern.«

Ein Standort in Süddeutschland muss nicht sein, beweist der Prüfdienstleister Testwerk. In der Nordmetropole Hamburg angesiedelt, hat sich das kleine, aber feine Unternehmen mit seiner Spezialisierung auf Flying-Probe-Testdienstleistungen eine erfolgreiche Einzelstellung im Markt verschafft.

Rainer Bartosch, geschäftsführender Gesellschafter von Testwerk, hat das Unternehmen im Jahr 2000 gegründet und beschäftigt aktuell fünf Mitarbeiter. So klein, und dann auch noch fernab des Elektronik-Ballungszentrums Süddeutschland angesiedelt – kann das zum Erfolg führen? »Ja, denn wir sind sehr speziell ausgerichtet, und mit unserem Fokus auf den reinen Flying-Probe-Test haben wir uns ein Alleinstellungsmerkmal unter den Testdienstleistern geschaffen, das es in vergleichbarer Form in ganz Deutschland nicht gibt«, erklärt Rainer Bartosch.

Zu den Kunden von Testwerk zählen neben OEMs auch Auftragsfertiger, deren Kunden wiederum eine unabhängige Prüfstelle fordern. »Zwar sind unsere Kunden über ganz Deutschland verteilt, doch eine gewisse Konzentration in Süddeutschland ist natürlich nicht zu übersehen«, so Bartosch. »Insofern ist dies regional betrachtet auch ein wichtiger Absatzmarkt für Testwerk. Dabei ist es jedoch nicht wichtig, an welchem Standort wir unsere Testdienstleistungen durchführen. Die Kunden schicken uns ihre Baugruppen, wir führen die Tests durch, erstellen die Prüfberichte und senden alles zusammen wieder zurück zum Kunden«. Mit den heutigen Versandmöglichkeiten gäbe es kaum noch Einschränkungen – bei Bedarf könne eine 24-Stunden-Lieferung für einen sehr schnellen Ablauf sorgen, der einer persönlichen Übergabe der Boards nur wenig nachstünde. »Insofern kommt es aufgrund der Standortfrage kaum zu Verzögerungen in der Auftragsabwicklung«, so Bartosch weiter. Dennoch hält er die Nähe zum Kunden für immens wichtig: »Natürlich ist es einfacher, wenn man sich mal eben auf dem kurzen Dienstweg treffen kann. Doch Hamburg bietet eine sehr gute Verkehrsinfrastruktur, die es uns erlaubt, innerhalb kurzer Zeit auch weiter entfernte Kunden zu erreichen.« Eine Verlagerung des Firmensitzes, um noch näher an den süddeutschen Kunden zu sein, schließt Bartosch aus, »allerdings könnte ich mir schon vorstellen, eine Niederlassung in Süddeutschland zu eröffnen, wenn es wirtschaftlich sinnvoll wäre. Momentan sehe ich dafür aber noch keine Notwendigkeit.«

Traditionsreiche Absatzmärkte

Während im Süden Deutschlands die Automobilindustrie die tragende Säule der Elektronik ist, zählt im Norden traditionell die Luftfahrtindustrie zu den wichtigsten Absatzbranchen, ebenso die Medizintechnik, die in den vergangenen Jahren massiv an Bedeutung gewonnen hat. »Das macht sich auch in unserer Kundenstruktur bemerkbar«, führt Bartosch aus. »Lag die Verteilung zu Zeiten der Gründung unseres Unternehmens noch bei etwa 40 bis 50 Prozent für die Luftfahrt und 30 Prozent für die Medizintechnik, so hat sich das mittlerweile umgekehrt.« Die Gründe dafür sieht Bartosch in der Veränderung der Kundenstruktur der Auftragsfertiger. Ein Problem für Testwerk entsteht daraus nicht, denn Kernstrategie des Unternehmens war es von Anfang an, branchen- und applikationsunabhängige Testlösungen anzubieten. »Diese starke Diversifizierung und die Unabhängigkeit von Applikationen und Marktsegmenten hat uns auch in der Finanzkrise 2009 ganz erheblich geholfen«, ist Bartosch überzeugt. »Dadurch sind wir erstaunlich gut durch die wirtschaftlich schwierige Zeit gekommen.«

So gut der norddeutsche Wirtschaftsraum auch aufgestellt ist, ein Problem für die Elektronikunternehmen ist derzeit die Verfügbarkeit und der Zugang zu qualifizierten Mitarbeitern. »In der Tat muss man heutzutage länger nach geeigneten Mitarbeitern suchen als noch vor zehn Jahren«, so Bartosch. »Es gehen einfach nicht mehr so viele junge Menschen in die Technik – zumindest in unserer Region. In Süddeutschland ist es sicherlich einfacher, weil dort die Konzentration an Elektronik-Unternehmen größer ist.« Dennoch sieht der Testwerk-Geschäftsführer auch ein gewisses Maß an Verantwortung bei sich. »Ein Mitarbeiter muss im Grunde genommen nur die grundlegenden Voraussetzungen mitbringen, dann ist es an uns, ihn für seine Aufgaben zu qualifizieren.«

Um die Zukunft des Hamburger Unternehmens macht sich Rainer Bartosch dennoch keine Sorgen, denn es steckt ungebrochen viel Potential in der Branche. »Ganz generell sehen wir den Trend hin zur immer weiter fortschreitenden Miniaturisierung, höherer Bestückungsdichte und immer größerer Komplexität der Chips selber«, so Bartosch. »Damit wird es für die Hersteller immer schwieriger, ihre Boards selbst zu testen. Mit unseren Testdienstleistungen stehen wir als unabhängiger Partner im Hintergrund und sorgen dafür, dass unsere Kunden ihre Produkte schneller zur Marktreife bringen können.«