Keysight / Exklusiv-Interview »Wir wollen uns auch im Sub-Economy-Segment etablieren«

Peter Kasenbacher, Keysight: »Unser Einstieg in das Sub-Economy-Preissegment – das bislang eher den asiatischen Anbietern vorbehalten war – ist ein klares Statement: Mit Keysight gibt es jetzt einen echten Premiumanbieter im Markt.«
Peter Kasenbacher, Keysight: »Unser Einstieg in das Sub-Economy-Preissegment – das bislang eher den asiatischen Anbietern vorbehalten war – ist ein klares Statement: Mit Keysight gibt es jetzt einen echten Premiumanbieter im Markt.«

Mit der Oszilloskop-Serie InfiniiVision 1000-X ist Keysight in ein Marktsegment eingetreten, das bislang eher asiatischen Anbietern vorbehalten war: die Niedrigpreis- bzw. Sub-Economy-Klasse. Wir sprachen mit Peter Kasenbacher, Keysight, über die Beweggründe für diesen Schritt und den Status quo.

Markt&Technik: Herr Kasenbacher, seit März dieses Jahres adressieren Sie mit den neuen Scopes das Sub-Economy-Segment. Wie hat der Markt diese Ankündigung – und natürlich die neuen Geräte – aufgenommen?

Peter Kasenbacher, Marketing Manager Distribution EMEAI von Keysight: Äußerst positiv. Und da meine ich zunächst unsere Distributionspartner, die sich vom Produkt und der Positionierung sehr überzeugt zeigen. Dann aber auch von den Endkunden selbst, und zwar direkt von dem Tag an, als wir an die Öffentlichkeit gegangen sind, bzw. schon davor, weil wir weltweit eine Teaser-Kampagne vorausgeschickt haben, die zu Rekordzugriffen auf unseren Webseiten und zu Diskussionen in den entsprechenden Foren geführt hat – was sich jetzt auch im Verkauf zeigt.

Was unterscheidet die Keysight-Oszilloskope von den bisher in diesem Markt verfügbaren Modellen?

Viele Geräte, die bislang in diesem Segment zu finden sind, basieren weitestgehend auf diskreten „off the shelf“-Komponenten. Ihr Hauptattribut: Der Preis. Wir verfolgen einen anderen Ansatz: Wir wollen nicht nur preisgünstig sein, sondern auch leistungsfähig.

Die Kunden sollen bei der neuen Low-end-Geräteklasse darüber hinaus auch das erhalten, was sie von Keysight-Geräten der mittleren und höheren Leistungsklassen kennen und erwarten: Qualität, Benutzerfreundlichkeit und Support.

Wie können Sie das leisten? Immerhin ist der preisliche Rahmen für die Herstellung der Geräte ja sehr begrenzt…

Wir greifen stark auf unsere eigenen, vorhandenen Technologien der Mid- und High-end-Geräte zurück, auf neu-deutsch ausgedrückt betreiben wir hier ein „down-deployment“. Die Grundzüge der ASICs-Architektur aller InfiniiVision-Familien sind ähnlich bzw. wiederverwendbar, das heißt, wir haben hier eine gemeinsame Technologiebasis, die von der 1000-X- bis hoch zur 6000-X-Serie reicht. Wir mussten ihre Leistung „lediglich“ auf die Anforderungen der neuen Geräteklasse herunterbrechen.

Im Endeffekt haben wir nun in fünf Oszilloskop-Serien – das heißt in Geräten von 50 MHz bis 6 GHz – die gleiche grundlegende ASIC-Technologie eingesetzt. Nur mit unterschiedlichen Schwerpunkten eben.

Darüber hinaus haben wir in der InfiniiVision-1000-X-Serie natürlich auch nach weiteren Möglichkeiten gesucht, die Kosten zu reduzieren. Ein kleineres Gerät hat z.B. zwangsläufig auch einen etwas kleineren und damit kostengünstigeren Bildschirm. Zudem haben wir standardmäßig etwas weniger Hardware verbaut, was bedeutet, dass es nicht so viele Zusatzpakete zum Aufrüsten per Lizenzcode gibt.

Wichtig ist, wir haben es geschafft, dem preissensitiven Anwender ein bisher nicht verfügbares Leistungs- und Qualitätsniveau anzubieten. Ich bin überzeugt: Zu diesem Preis gibt es derzeit kein besseres Oszilloskop.

Über welches Marktvolumen sprechen wir im Sub-Economy-Segment?

Genaue Zahlen gibt es nicht, aber Prime Data schätzt den weltweiten Oszilloskopmarkt aktuell auf leicht oberhalb von 1 Milliarde US-Dollar. Der hier tangierte Anteil des Sub-Economy-Bereichs ist aufgrund der größeren Anzahl von Anbietern etwas unübersichtlicher, weil es keine ganz einheitlichen Kategorie-Definitionen gibt.

Wir gehen von etwa einem Fünftel des Gesamtmarktes aus – mit regionaler Abweichung. In China und Indien ist der Anteil wohl eher größer, in Deutschland etwas geringer. Aufgrund der sehr günstigen Stückpreise ist aber die Marktvolumen-Betrachtung nur die eine Seite. Es ist jedoch das Segment mit den höchsten Stückzahlen, und das macht es interessant.