AMA Service GmbH / Interview »Wir wollen ein Ökosystem auf Augenhöhe schaffen«

Holger Bödeker, AMA Service GmbH
»Wenn sich die mittelständischen Sensorhersteller mit IT-Experten auf Augenhöhe zusammentun, liegt darin 
ein enormes Wachstumspotential für beide.«
Holger Bödeker, AMA Service GmbH: »Wenn sich die mittelständischen Sensorhersteller mit IT-Experten auf Augenhöhe zusammentun, liegt darin ein enormes Wachstumspotential für beide.«

Die Sensorik-Branche ist im Umbruch. Digitale Transformation heißt das Stichwort. Holger Bödeker, Geschäftsführer der AMA Service GmbH und Veranstalter der Sensor+Test, ist überzeugt, dass Partnerschaften zwischen Sensor- und IP-Spezialisten in Zukunft immer wichtiger werden.

Markt&Technik: Derzeit deutet vieles darauf hin, dass Kunden in Zukunft nicht mehr nur einen Sensor kaufen möchten, sondern fertig interpretierte Messwerte. Auch wenn in den meisten Sensoren schon eine gewisse Vorverarbeitung integriert ist – können die mittelständischen Sensorhersteller das überhaupt leisten?

Holger Bödeker, AMA: Nun, der Sensor ist natürlich nach wie vor die Basis für jegliche Datenerfassung, aber die Software-seitige Aufbereitung wird tatsächlich immer wichtiger. Was der Anlagenbetreiber letztlich braucht – nämlich konkrete Zustandsdaten und -analysen seiner Maschinen und Anlagen – kann weder der Sensorhersteller noch der IT-Spezialist alleine liefern. Hierzu braucht man die konstruktive Zusammenarbeit.

Große IT-Spezialisten wie IBM, SAP oder Siemens stellen sich bereits heute als Generaldienstleister für die komplette Instrumentierung dar – vom Hardware-Sensor über die Software-Algorithmen bis hin zur finalen Zustandsaussage. Bleiben die Sensoranbieter dabei auf der Strecke?

Es stimmt, die großen IT-Spezialisten können schon Zustandsdaten liefern, aber das Ziel muss sein, dies auf viel breiterer Front anzubieten. Die Sensorik-Branche wird intelligenter – intelligente Hardware trifft auf intelligente Software. Das ist die Zukunft und eine große Chance für die Sensorhersteller – wenn sie sich mit Partnern zusammentun, die zu ihnen passen.

Das wiederum erfordert ein Umdenken in der Branche . . .

Ja, bislang saßen die Sensorhersteller als Zulieferer direkt an einem Tisch mit den Endanwendern bzw. den Anlagenbetreibern. Sie waren die zentral Handelnden. Nun sitzen sie im Zweifelsfall gar nicht mehr am Tisch, das übernimmt möglicherweise ein großer IT-Dienstleister wie etwa IBM oder Siemens. Das wirft eine gewisse Unsicherheit auf.

Welche Lösung sehen Sie für diesen Konflikt?
Wir müssen Partnerschaften zwischen den Sensorherstellern und IT-Fachleuten fördern – und zwar auf Augenhöhe. Wenn ein „Riese“ mit im Boot sitzt, hat der Sensorhersteller eher eine Position in der zweiten Reihe. Anders sieht es aus, wenn wir beispielsweise die im AMA-Verband organisierten KMUs zusammenbringen.

Dafür bietet sich die Sensor+Test als Plattform an . . .

Ja, denn hier treffen sich traditionell die Experten aus der Sensorik-Hardware und – mit zunehmender Tendenz – auch die IT-Spezialisten. Daraus entstehen Lösungen bis hin zur kompletten Instrumentierung. Künftig wollen wir dem Thema auf der Messe noch mehr Raum geben. Wir haben dazu in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Industrie 4.0 des AMA-Verbandes in diesem Jahr bereits einen ersten Anlauf genommen und sind auf großes Interesse gestoßen.

In der Messtechnik scheint man schon  weiter zu sein hinsichtlich der Schaffung von Mehrwert für Anlagenbetreiber. Es gibt bereits einige Firmen, die daraus neue Geschäftsmodelle für sich entwickelt haben, Stichwort „Digitale Transformation“. Inwieweit ist das Thema bereits in der Sensorikbranche angekommen?

Die reinen Sensorhersteller haben in dieser Hinsicht tatsächlich noch etwas Nachholbedarf gegenüber der Messtechnik, wo sich schon deutlich mehr Partnerschaften gebildet haben, die komplette Prüftechnik anbieten, anhand derer der Betreiber den Zustand seiner Anlagen analysieren und damit ressourcenschonende Verfahren wie Predictive Maintenance einsetzen kann. Aber die Digitale Transformation wird auch die Sensorikbranche positiv beeinflussen. Der Begriff beschreibt ja im Grunde genau das, was passieren soll: Aus den teilweise noch analogen Sensordaten digitale Zustandsinformationen machen. Die Sensorhersteller und IT-Spezialisten müssen dazu aber zuerst neue Partnerschaften und Geschäftsmodelle entwickeln. Es ist also noch viel zu tun.