Rohde & Schwarz »Wir müssen uns noch stärker als Teil einer Gesamtlösung sehen«

Andreas Pauly, Rohde & Schwarz: »Mir ist wichtig, dass wir vom Kunden als diejenigen wahrgenommen werden, die sein Problem am besten verstehen und dann die beste Lösung dafür bieten.«

Zum 1. Juli 2017 hat Andreas Pauly die Position des Geschäftsbereichsleiters Messtechnik bei Rohde & Schwarz übernommen. Eine spannende Herausforderung für den 47-Jährigen, der damit auch die Verantwortung für rund 1 Milliarde Euro Jahresumsatz trägt.

Wie waren die ersten Monate in der neuen Position? Was wird sich bei Rohde & Schwarz ändern? Und wo führt der Weg hin? Andreas Pauly steht Rede und Antwort.

Markt&Technik: Herr Pauly, seit wenigen Monaten sind Sie Geschäftsbereichsleiter Messtechnik bei Rohde & Schwarz. Was ist das für ein Gefühl?

Andreas Pauly: Grundsätzlich ist es natürlich ein sehr gutes Gefühl. Dennoch muss ich mich an vieles erst einmal gewöhnen. Ich stehe nun viel stärker im Rampenlicht und muss zunächst entscheiden, wo ich selber Akzente setzen möchte, und sondieren, was die Geschäftsleitung, die Mitarbeiter und die Direct Reports von mir erwarten. Auch die Themen in den Teammeetings sind natürlich völlig andere als zuvor. Aber: Ich mag solche Herausforderungen…

Wie haben Sie die ersten Wochen und Monate in Ihrer neuen Position erlebt?

Nun, es war ein unerwartet schneller Start. Geplant war eine sechsmonatige Einarbeitungs- und Übergabezeit mit meinem Vorgänger Roland Steffen bis Ende des Jahres. Jedoch musste ich unerwarteterweise früher übernehmen. Zu dem Zeitpunkt war ich noch stark in meiner alten Position eingebunden; entsprechend hatte ich einige Wochen lang eine Doppellast zu tragen. Es war eine spannende Zeit, aber ich hatte die volle Unterstützung des alten und des neuen Teams, und gemeinsam haben wir die Aufgaben schließlich gut gemeistert.

Sie tragen die Verantwortung für gut eine Milliarde Euro Jahresumsatz. Macht Ihnen das nicht Angst?

Angst macht es mir nicht, aber es ist in der Tat respekteinflößend. Ich habe Respekt vor der Aufgabe an sich und vor der Verantwortung für die Mitarbeiter.

Sie haben 1996 als Software-Ingenieur bei Rohde & Schwarz begonnen. Nun leiten Sie die gesamte Messtechnik-Sparte des Unternehmens. War es immer schon Ihr Ziel, eine solche Führungsposition einzunehmen?

Nein. Als ich bei Rohde & Schwarz anfing, wollte ich nur eines: entwickeln. An eine Führungsposition habe ich damals wirklich nicht gedacht. Nach etwa einem Jahr hatte ich meinen ersten Kundenkontakt und durfte erleben, welche Bedeutung die Technologien und Geräte, die ich entwickelt hatte, für die Arbeit unserer Kunden haben. Das war für mich ein einschneidendes Erlebnis. Von da an habe ich immer mehr Verantwortung übernommen und mich mit starker Kundenorientierung weiterentwickelt. Ich hatte erkannt, dass ich mit zunehmender Verantwortung viel mehr gestalten und bewegen konnte. Das hat mich sehr motiviert.

2003 haben Sie als Leiter des Basisbandlabors im Fachbereich Signalgenerierung Ihre erste Führungsposition übernommen. War es nicht ungewöhnlich, einen so jungen Mitarbeiter mit einer solchen Position zu betrauen?

Ja, und es läutete tatsächlich eine neue Ära bei Rohde & Schwarz ein. Früher wurde – wie in deutschen Unternehmen oft üblich – traditionell der älteste und beste Entwickler zum Leiter ernannt. Dann gab es einen Umbruch und man erkannte, dass auch die Jungen ein großes Potenzial mitbringen – auch für leitende Positionen. Ich war damals einer der ersten, der zu diesen „Young Potentials“ gehörte.

Wie schwer ist es, in die Fußstapfen eines Vorgängers zu treten, der seit 40 Jahren beim Unternehmen ist, davon 14 Jahre in der Position des Geschäftsbereichsleiters?

Nun, es ist herausfordernd. Roland Steffen ist eine andere Persönlichkeit und hat einen anderen Werdegang als ich. Er hat einen großen Erfahrungsschatz, den ich mir zunächst aufbauen muss. Dabei muss ich jedoch meinen eigenen Weg finden, klare Vorgaben machen und Grenzen setzen. Für mich selber, aber immer auch im Sinne der Mitarbeiter und Kollegen, denn auch für sie ist es eine neue Situation, an die sie sich gewöhnen müssen.

Ist das schwierig für Sie?

Nein, ich kenne die meisten Mitarbeiter schon recht lange und weiß, wie sie ticken. Zudem habe ich eine ziemlich direkte Art – das macht es einfacher für alle Beteiligten. Wichtig ist, dass man miteinander redet. Mir ist die Meinung der anderen wichtig. Ich habe auch kein Problem damit, wenn man unterschiedlicher Ansicht ist und das sachlich diskutiert. Aber nichts ist schlimmer, als schweigen.

Sie pflegen also einen kooperativen Führungsstil?

Die Inputs der Mitarbeiter sind wichtig, um zu einer Lösung zu kommen – die wiederum zum Nutzen des Kunden sein muss. Nichts desto trotz müssen wir in unserer Lösungsfindung natürlich effizient und flexibel genug sein, um im schnelllebigen Markt bestehen zu können. Speziell der Mobilfunkmarkt ist einem sehr schnellen Wandel unterworfen. Wir können nicht nach dem „Schweizer Modell“ diskutieren, bis alle Beteiligten eine Lösung gut finden. Alle Argumente müssen auf den Tisch kommen, dann wird das Für und Wider besprochen und schließlich eine Entscheidung getroffen.

Die letztendlich in Ihrer Verantwortung liegt…

(Lacht) Ja, das bringt die Position mit sich.