GL Optic verlässt die Muttergesellschaft Just Normlicht »Wir müssen klare Verantwortlichkeiten schaffen«

Michael Gall, Just Normlicht / GL Optic: »Wir müssen klare Verantwortlichkeiten schaffen und uns auf unsere jeweiligen Kernkompetenzen konzentrieren. Insofern ist es nur ein konsequenter Schritt, die beiden Unternehmen zu trennen und sie eigenständig agieren zu lassen.«
Michael Gall, Just Normlicht / GL Optic: »Wir müssen klare Verantwortlichkeiten schaffen und uns auf unsere jeweiligen Kernkompetenzen konzentrieren. Insofern ist es nur ein konsequenter Schritt, die beiden Unternehmen zu trennen und sie eigenständig agieren zu lassen.«

GL Optic, bislang als Geschäftsbereich von Just Normlicht geführt, agiert künftig als eigenständige Gesellschaft. Und doch – so ganz losgelöst hat sich das auf Lichtmesstechnik spezialisierte Unternehmen noch nicht, wie Michael Gall, Geschäftsführer von Just Normlicht und GL Optic, erklärt.

Markt&Technik: GL Optic ist auf LED- und Lichtmesstechnik spezialisiert, Just Normlicht ist Marktführer in der visuellen Farbabmusterung für die grafische bzw. die Print-Industrie. Wie kam es zu dieser scheinbar nicht zueinander passenden zweigleisigen Aufstellung?

Michael Gall: Um das zu verstehen, muss man kurz zurückblicken. Just Normlicht hatte sich unter der Leitung des Gründers Horst Just auf die Entwicklung und Herstellung standarisierter Lichtsysteme für die visuelle Beurteilung von Farben und Oberflächen fokussiert. Als sich Just 1999 aus dem aktiven Geschäft zurückzog, übernahm ich die Geschäftsführung, 2005 verkaufte die Familie Just alle Unternehmensanteile an mich. Während der Wirtschaftskrise 2009 nutzten wir die Zeit, um neue Technologien zu entwickeln.

Dabei ist etwas entstanden, was es bis heute noch kein zweites Mal gibt: Gemeinsam mit meinem Partner, dem polnischen Physiker Jan Lalek, haben wir eine revolutionäre Lichtkabine auf Basis von LEDs entwickelt, quasi eine LED-Lichtquelle, die Normlicht für die visuelle Farbabmusterung erzeugt und simuliert.

Mit dem Übergang von herkömmlichen Lichtquellen hin zu LEDs brauchten wir nun auch neue Messgeräte. Doch es gab keine, die unseren Anforderungen entsprachen. Beispielsweise fehlten uns bei den auf dem Markt verfügbaren Messgeräten die passenden Auswertemöglichkeiten. Das hat uns motiviert, selber ein Spektroradiometer zu entwickeln. Das war so gut, dass wir uns überlegt haben: Was wir in unserem eigenen Labor einsetzen, könnte auch für andere Unternehmen interessant sein.

Das war der Grundstein für GL Optic als Spezialisten für Lichtmesstechnik. Zwei Jahre nach dem Labormessgerät haben wir ein Handmessgerät vorgestellt, das Mini-Spektrometer GL Spectis 1.0. Somit hatten wir eine kleine Produktpalette, mit der sich bereits viele der Grundanforderungen der Industrie abdecken ließen. Speziellere Anforderungen wurden in den folgenden Produkten integriert – bis hin zur Möglichkeit automatisierter Tests, wie es unser neuestes Produkt, die LED-Teststation Spectis 6.0, bietet.

Und jetzt ist GL Optic groß genug, um sich von der Mutter Just Normlicht zu trennen?

Ja, man könnte sagen, das Baby hat laufen gelernt, und es ist Zeit, ihm mehr Selbständigkeit einzuräumen. GL Optic hat in den vergangenen Jahren drastische Zuwächse erfahren – umsatz- und arbeitstechnisch. Und ein Ende dieses Trends ist glücklicherweise noch nicht zu sehen. Um dem nachhaltig standhalten zu können, muss sich GL Optic stärker fokussieren und sich vollkommen auf die Entwicklung und Vermarktung der Lichtmesstechnik konzentrieren können. Auf der anderen Seite dürfen wir die Marktposition von Just Normlicht nicht gefährden. Dazu wiederum müssen wir auch hier mit voller Kraft und Konzentration neue Produkte entwickeln und die Bedürfnisse des Marktes und der Kunden frühzeitig erkennen. Insofern war es der einzig sinnvolle Schritt, klare Verantwortlichkeiten zu schaffen, indem wir die beiden Unternehmen trennen und sie eigenständig agieren lassen.

Gibt es noch Schnittmengen?

Nun, es geht zwar immer um Licht und Farben, dennoch sprechen die beiden Unternehmen völlig unterschiedliche Märkte und Kunden mit grundlegend verschiedenen Fragestellungen an. Für beide Firmen gilt: Die Kunden sind Spezialisten, und sie brauchen auch auf der Lieferantenseite Spezialisten. Um das zu gewährleisten, spalten wir das Know-how der beiden Unternehmen auf und fokussieren auf die jeweiligen Kernkompetenzen.