Hameg sieht sich gut positioniert im Markt für Economy-Oszilloskope »Wir bieten die Polo-Klasse zum Nano-Preis an«

Holger Asmussen, Hameg Instruments: »Mit Blick auf die Marktanteile und Stückzahlen stellt die Economy-Klasse ohne jeden Zweifel das bedeutendste Marktsegment dar.«
Holger Asmussen, Hameg Instruments: »Mit Blick auf die Marktanteile und Stückzahlen stellt die Economy-Klasse ohne jeden Zweifel das bedeutendste Marktsegment dar.«

Hameg Instruments ist in diesem Jahr bereits der zweite Hersteller, der eine neue Oszilloskopserie für den Einstiegsbereich vorgestellt hat. Markt&Technik sprach mit Holger Asmussen, Geschäftsführer von Hameg, über das Marktpotential und über die Differenzierungsmöglichkeiten in diesem hart umkämpften Breitenmarkt.

Markt&Technik: Welches Potential sehen Sie im Economy-Oszilloskop-Segment?

Holger Asmussen: Lassen Sie mich kurz das Economy-Segment aus Hameg-Sicht an einem Beispiel definieren: Wir denken hier eher an die Polo-Klasse und nicht in Richtung des indischen Billigautos Tata Nano. Wir bieten die Polo-Klasse zum Nano-Preis an und überzeugen darüber hinaus mit einigen Funktionen, die nicht einmal in der Golf-Klasse geboten werden. Die Nano-Klasse der Messtechnik überlassen wir ohne Wehmut denen, die auch hier noch wirtschaftlich arbeiten.

Mit Blick auf Marktanteile und Stückzahlen stellt die Economy-Klasse ohne jeden Zweifel das bedeutendste Segment dar. Die Marke Hameg adressiert die Economy- und die untere Mittelklasse. In der Messtechnik bekommt der Kunde heute Funktionen zu einem Preis, die er sich vor zehn Jahren nie hätte leisten können, und das ist zugleich auch der Grund, warum hier ein enormes Wachstumspotential existiert.

Einer Ihrer Mitbewerber hat nur wenige Wochen vor Ihnen zwei interessante Produktserien für den gleichen Markt vorgestellt, den Sie mit Ihren neuen Modellen adressieren. Wie differenzieren Sie sich?

Wir waren zugleich positiv wie negativ beeindruckt. Es zeigt uns, dass wir eine Produktdefinition auf Weltklasseniveau erreicht haben - darauf sind wir sehr stolz. Weil wir aber einiges - wie zum Beispiel Empfindlichkeit, Speichertiefe und Busprotokolle - deutlich besser realisiert haben, sind wir überzeugt, dass unsere neue Economy-Klasse wie ein Blitz im Markt einschlagen wird. Zudem ist für uns die Kannibalisierung von Leistungsmerkmalen zu übergeordneten Produktlinien ein Fremdwort.

Wie schätzen Sie die Entwicklung der Marktanteile in diesem Segment ein? Anders gefragt: Erwarten Sie, dass Sie Herstellern, deren Produktlinien älter sind, Marktanteile abnehmen werden?

Wir nehmen uns (noch) nicht so wichtig, denn Hochmut kommt vor dem Fall. Dennoch gibt uns die zwischenzeitlich gut dreistellige Anzahl der Vorbestellungen mächtig Auftrieb und Anlass in Richtung Ihrer Annahme zu denken. Wir vertrauen dem Grundsatz »das Bessere ist des Guten Feind« und bauen auf die Kraft des Marktes. Dabei sind wir uns aber auch bewusst, dass der Wettbewerb mit Hochdruck an Lösungen arbeitet, die einem Verlust von Marktanteilen entgegenwirken.

Wird der Erfolg eine Frage des Markennamens sein, oder ist es eher eine Frage der Spezifikationen und des Preises?

Wir glauben, dass es weniger eine Frage des »Entweder/Oder«, sondern des »sowohl als auch« ist. Mit unserer Markenbekanntheit fühlen wir uns sowohl in Deutschland als auch in Europa gut positioniert. Mit Blick auf Spezifikation und Preis sprechen Sie einen wesentlichen Punkt an: Der Erfolg unserer Produkte ist in der Einzigartigkeit in ihrer Klasse begründet. Am Beispiel der Empfindlichkeit unserer Oszilloskope zeigt sich, dass wir mit 1 mV/Div Signale bei geringstem Rauschen anzeigen, die in dieser Klasse kein Wettbewerber aufzuspüren vermag.

Wie ist Ihr Standing im Markt? Setzen Sie auf den traditionellen Ruf, den Hameg im Low-End-Segment genießt?

Wir glauben, dass unsere Kunden mit unserem Namen stets einen fairen Preis assoziieren. Und das ist richtig und wichtig. Mit den 2009 eingeführten Oszilloskopen und Spektrumanalysatoren haben wir uns in einen Preisbereich bewegt, der auch auf der Performance-Achse für Überraschungen gesorgt hat. Wir verzeichnen im zweiten Jahr in Folge ein Wachstum über 30 Prozent und verfügen jetzt im Scope-Bereich über eine technologische Plattform, die wir mit den nun vorgestellten 70- bis 200-MHz-Geräten auch dem Breitenmarkt zugänglich machen. Wir werden auch künftig nur Wachstum verzeichnen, wenn es uns weiterhin gelingt, unseren Kunden »mehr Wert« zu einem fairen Preis zu bieten.

Welchen Stellenwert hat das Thema Aufrüstbarkeit, das ja mittlerweile auch Einzug in die unteren Preisklassen gehalten hat, und wie adressieren Sie diese Anforderung?

Der Kunde erwartet neben einer soliden Grundausstattung wie Bandbreite, Speicher und Abtastrate auch im unteren Preisbereich eine entsprechende Zukunftsfähigkeit seiner Investition. Unsere Scopes sind »MSO-Ready« und können gegen einen geringen Aufpreis von 290 Euro zum Mixed-Signal-Oszilloskop aufgerüstet werden. Ähnlich sieht es bei dem Paket für die Busanalyse von I2C, SPI und UART aus. Wir waren aber selber verblüfft, dass weit mehr als 50 Prozent der Bestellungen im Vollausbau getätigt werden. Aufrüstungen werden eher selten nachgefragt.

Stichwort Produktionsmengen: Inwieweit profitieren Sie von den Fertigungsstätten von Rohde & Schwarz?

R&S tritt seit vielen Jahren auch als EMS auf und verfügt über die erforderliche Kapazität, Flexibilität und Kostenposition. Trotz unseres enormen Wachstums realisiert Hameg heute gerade einmal 1 Prozent des R&S-Umsatzes. Es ist für uns beruhigend zu wissen, dass selbst eine Verdopplung unseres Volumens für R&S keine wirkliche Challenge darstellt. Wir können uns daher voll und ganz auf neue Markterfordernisse und die Innovationskraft unserer Produkte konzentrieren.