Sensor-Fusion TDK will InvenSense kaufen

Das technische Zentrum von TDK in Japan
Das technische Zentrum von TDK in Japan

Weitere Konsolidierung auf dem Sensormarkt: Über 1 Mrd. Dollar will TDK sich die Übernahme von InvenSense kosten lassen.

Das würde in die Strategie von TDK passen, das Sensorgeschäft über Zuläufe weiter zu stärken und sich als einen weltweit ernst zu nehmenden Hersteller auf diesem Gebiet zu positionieren. Reuters berichtet, dass TDK 12 Dollar für die Aktie von InvenSens bietet.

Im Finanzjahr 2016 hatte die 2003 gegründete und 2011 an die Börse gegangenen InvenSense den Umsatz um 12 Prozent  auf 418,4 Mio. Dollar steigern können. Im jetzt abgeschlossenen zweiten Quartal des Finanzjahres 2017 hat InvenSense einen Umsatzsprung gegenüber dem ersten Quartal um 32 Prozent auf 79,8 Mio. Dollar verkündet, was aber gegenüber dem Vergleichsquartal im Vorjahr immer noch einen Rückgang von 29 Prozent bedeutet. »Unsere R&D-Investitionen tragen nun Früchte, wir freuen uns über neue Design-Wins und können in neue Märkte vorstoßen«, kommentierte Behrooz Abdi, CEO und President von InvenSense das Ergebnis.

Während die Consumer- und Automobilmärkte relativ schwach bleiben, rechnet er für 2018 mit einer deutlichen Belebung des Geschäfts, vor allem wegen der Desing-In-Aktivitäten und der Diversifizierung des Geschäfts.

Erst im November hatte InvenSense angekündigt, mit Panasonic zusammen zu arbeiten, um neue Sensortechnologien zu entwickeln, in diesem Fall vor allem für neue Sicherheitssensoren auf Basis der MEMS-Inertial-Technik für den Einsatz in Autos.  

TDK hatte bereits 2008 die in München ansässige und noch viel früher zu Siemens gehörende Epcos gekauft. Epcos war innerhalb von TDK federführend bei der Übernahme von Tronics, ebenfalls einem Sensorhersteller, für 50 Mio. Dollar gewesen.

2016 hatte TDK die in Freiburg produzierende Micronas mit Sitz in Zürich für 224 Mio. Dollar gekauft. Gerade erst hat Micronas mitgeteilt, dass der künftige Firmenname »TDK-Micronas« lauten werde, um die Verbundenheit zum Mutterkonzern auszudrücken, den Namen »Micronas« aber dennoch zu erhalten.

In einem Interview, das Mart&Technik mit dem Matthias Bopp, dem früheren CEO von Micronas, der jetzt jetzt für das gesamte Magnetfeldsensorgeschäft von TDK verantwortlich ist, formulierte er die künftige Strategie: »Wir wollen die Nummer 1 weltweit unter den Herstellern von Magnetfeldsensoren werden. Außerdem wollen wir auch weitere Sensortechniken vorantreiben, wie jetzt die geplante Übernahme von Tronics unterstreicht. Übrigens sehe ich interessante Synergien zu Epcos, die unter anderem auch Druck- und Temperatursensoren im Programm führen. Mit der Tronics-Übernahme verschafft sich TDK den Zugang zu Inertialsensoren auf MEMS-Basis. Ich gehe davon aus, dass es künftig sehr vielversprechend sein wird, verschiedene Sensortypen zu kombinieren, der Trend geht zu solchen Clustern.«

Sensor-Cluster bauen

Sensor-Cluster zu bilden und Sensor-Fusion voranzutreiben, das ist auch die Strategie von InvenSense. Die Vision des Unternehmens besteht in »Sensing Everything«, sowohl in Consumer- als auch Industriemärkten. Das Unternehmen kombiniert verschiedene MEMS-Sensoren (Beschleunigungssensoren, Gyroskope, Kompasssensoren) mit integrierten Systemen für die Aufnahmen von Bewegungen und Schall sowie mit eigenen Algorithmen und Firmware, um die Genauigkeit der Ergebnisse der Sensorsysteme zu optimieren. So überrascht es nicht, dass die Sensorsysteme in einem weiten Bereich von Anwendungen zu finden sind, von Smartphones und Wearables über Smart-Home-Geräte und die Industrie bis zu Automobilen.

Das würde gut in die Strategie von TDK passen, das Unternehmen ist selber schon ein großer Zulieferer für die Hersteller von Smartphones. Das ursprüngliche Know-how von TDK liegt in Magnetbändern und Festplatten. Über 50 Prozent des Umsatzes generiert TDK heute mit passiven Komponenten. Im Finanzjahr 2016 erzielte die TDK Gruppe 92 Prozent des Umsatzes außerhalb Japans, 72 Prozent der Tochterunternehmen haben Präsidenten, die nicht aus Japan kommen. Über 86 Prozent der Produkte fertigt TDK außerhalb Japans.

TDK hat sich zum Ziel gesetzt, in neue Bereiche zu expandieren und sieht den Sensormarkt offensichtlich als vielversprechend an. Unbesetzt ist dieser Markt selbstverständlich nicht. So steht InvenSense mit Firmen wie Bosch Sensortech und STMicroelectronics im Wettbewerb.