1,3 Milliarden Dollar für InvenSense TDK katapultiert sich in die MEMS-Top-10

TDK will nach Auskunft seines CEO und President, Shigenao Ishiguro, seinen Umsatz im Sensorbereich bis 2020 auf 2 Mrd. Dollar vervierfachen. Mit der Ende 2016 bekannt gegebenen Akquisition von InvenSense für 1,3 Mrd. Dollar kommt TDK diesem Ziel einen entscheidenden Schritt näher.

Abschließen will TDK das Geschäft, das es aus dem Cashflow finanziert, bis zum 31. März 2018. InvenSense wird im Anschluss daran als TDK-Tochterunternehmen weitergeführt.

Die Akquisition gehört zur Umsetzung des bis zum 31. März 2018 reichenden Managementplans von TDK. Er konzentriert sich auf die drei Bereiche Automotive, Energie und Produktionstechnologie sowie Kommunikationstechnologie. Sensortechnologie wird dabei als entscheidende Enabling-Technologie für die Kommunikationstechnologie definiert. Durch die Übernahme von InvenSense tritt TDK nach Marktrecherchen von IHS Markit in die Top-10 der MEMS-Branche ein. TDK war zwar bisher schon im MEMS-Bereich tätig, jedoch weit entfernt von einem Top-10-Ranking.

TDK/Epcos hat in der Vergangenheit etwa die RF-MEMS Group von NXP, Aktiv Sensor (Drucksensoren für Automotive), Sonion (MEMS-Mikrophone) und zuletzt Tronics übernommen. Wie Ishiguro anlässlich der InvenSense-Übernahme betonte, wird TDK seine Akquisitionsstrategie im Sensorbereich fortsetzen. Traditionell ist TDK bekannt als Hersteller von Magnetsensoren, die auf Dünnfilmtechnologie basieren. Darüber hinaus bietet die TDK-Gruppe bislang Druck-, Temperatur- und Stromsensoren und noch eine Reihe anderer Sensorlösungen an. Neben Automotive- und Industrieapplikationen ist TDK mit diesen Produkten auch im Consumer- und Mobile-Bereich vertreten.

Aufbruch in den Consumer-Markt
 
Mit InvenSense übernimmt TDK nun einen MEMS- und Sensorspezialisten, der bislang zwar über 2 Mrd. MEMS und Sensoren verkauft hat, aber fast nur im Consumer- und Mobile-Bereich vertreten ist. InvenSense erzielte zuletzt 64% seines Umsatzes mit Smartphone- und Tablet-Applikationen. 20% entfallen auf die optische Bildstabilisierung, 16% auf IoT- und andere Anwendungen. InvenSense erzielte 2016 45% seines Umsatzes in den USA, 24% in China, 19% in Südkorea und je 5% in Taiwan und Japan. Für Europa wurde kein nennenswerter Anteil ausgewiesen. InvenSense, dessen Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr 418,4 Mio. Dollar betrug, wurde 2003 als Fabless-Unternehmen gegründet. Als Foundry nutzt InvenSense TSMC und Global Foundry.

Stark ist das Unternehmen vor allem im Bereich Drehratensensoren. Zu den dominierenden Anbietern zählt das Unternehmen im Bereich der 6- und 9-achsigen Drehratensensoren. Anfang dieses Jahres hat InvenSense zudem den weltweit ersten 7-achsigen Drehratensensor vorgestellt. Entscheidend zum Wachstum trug nach Brancheninformationen der Umstand bei, dass es InvenSense gelungen war, STMicroelectronics als Inertialsensoren-Lieferant etwa bei Apple zu verdrängen. Durch Akquisitionen hat das Unternehmen in den letzten Jahren sein MEMS-Portfolio ausgebaut. So übernahm InvenSense im Oktober 2013 für über 100 Mio. Dollar das MEMS-Mikrophon-Geschäft von Analog Devices. Vor wenigen Tagen stellte es in diesem Bereich das weltweit erste MEMS-Mikrophon mit einer Signalrauschunterdrückung von 74 dB vor.