Oszilloskope Sind Knöpfe und Tasten wirklich out?

Im Markt&Technik-Trend-Guide »Messtechnik & Sensorik« haben wir die Oszilloskop-Hersteller nach den Bedienkonzepten der Zukunft befragt. Das Fazit: Das Gros ist überzeugt, dass die Zukunft in Touch- und Multitouch-Konzepten liegt. Doch wie sehen das eigentlich die Anwender?

Touch ist in – diese zunächst rein hypothetische Behauptung ist bei den Oszilloskop-Herstellern auf breite Zustimmung gestoßen. Und tatsächlich ist man die Tipp- und Wischtechnik ja von Smartphone, Tablet und Co. gewohnt. Nichts desto trotz scheinen Tasten und Knöpfe gerade bei der Bedienung eines so elementaren Labormessgerätes, wie es das Oszilloskop ist, durchaus noch ihre Daseinsberechtigung zu haben.

Natürlich gibt es für alles Befürworter und Kritiker, und es mag zum Teil auch eine »Generationsfrage« sein, dennoch muss es Gründe für die skeptische Haltung gegenüber der Touch-Bedienung geben. Um dies herauszufinden, haben wir einige Anwender gefragt. Die Antworten fassen wir - natürlich anonym - im Folgenden zusammen.

»Mit Befremden beobachte ich die Entwicklung der Bedienoberflächen bei Oszilloskopen«, schreibt beispielsweise ein Anwender. »Anscheinend lassen sich da verspielte Windows-Softwerker aus, die nie eine echte Messaufgabe erledigt haben. Man hangelt sich durch endlose Menüs, und so manche Funktion bleibt ungenutzt, weil man sie einfach nicht findet.« Zudem sei eine Blindbedienung nicht mehr möglich, man müsse immer erst ein Menü auf den Bildschirm holen, etwas auswählen, und falls man nicht schnell genug sei, klappe das Menü wieder weg.

»Ein Laborgerät ist keine Unterhaltungselektronik sondern ein Werkzeug, das verlässlich und immer wieder gleich funktionieren muss«, besagt ein weiteres Anwender-Statement. »Daher würde ich immer Knöpfe und Dialer bevorzugen, mit denen ich quasi in direktem Kontakt mit dem Werkzeug bin.«

Eine ganze Reihe von Anwendern begründet die ablehnende Haltung gegenüber der Touch-Bedienung mit den Argumenten, dass der Finger auf dem Screen immer genau dahin zeige, wo man ja eigentlich etwas sehen wolle, und dass der Bildschirm nahezu immer verschmiert sei. Kritisch sei die Touchscreen-Bedienung vor allem im Außeneinsatz. Ohne einen speziellen Touchscreen-Handschuh sei die Bedienung des Gerätes oft schwierig.

»Nichts ist so praktisch und leicht zu bedienen, wie ein Knopf, ein Jogdial oder ähnliches«, ist ein weiterer User überzeugt. »Und nichts ist so präzise, alltagstauglich und robust – auch über die Zeit. Ein adaptives Tastenfeld für eine einfache Funktionswahl ist auch für den Touchscreen eine sinnvolle Funktion. Aber ein reines Touchscreen-Gerät wäre für mich nicht akzeptabel.«