Familiengeführtes Unternehmen setzt weltweit Maßstäbe Sick AG: »Wir leben unser Leitbild 'Independence, Innovation, Leadership'«

Dr. Robert Bauer, Sick AG: »Unsere Vision ist es, über Zusammenhänge Transparenz zu schaffen – für die Industrie und für jeden Einzelnen. Transparenz wiederum bedeutet Vertrauen.«
Dr. Robert Bauer, Sick AG: »Unsere Vision ist es, über Zusammenhänge Transparenz zu schaffen – für die Industrie und für jeden Einzelnen. Transparenz wiederum bedeutet Vertrauen.«

Vom Sensor zur Sensor-Intelligenz: Grundlagen dieser Entwicklung sind ein tiefgehendes Technologie-Know-how und motivierte Mitarbeiter. Dr. Robert Bauer, Vorstandvorsitzender der Sick AG, spricht über das Geheimnis des Erfolgs des in Waldkirch bei Freiburg ansässigen Unternehmens.

Die Sick-Gruppe besitzt knapp 2400 Patente und bietet über 40.000 Produktvarianten an, die in unzähligen Anwendungen zu finden sind – von der Absicherung von Maschinen und Anlagen, über die Fluggepäck-Identifikation bis hin zur elektronischen Mauterfassung. Dennoch ist es von außen betrachtet recht still um Sick. Sind Sie ein Hidden Champion?

Dr. Robert Bauer: Nun, in gewisser Weise ja. Sick ist stark im Markt und Insidern bestens bekannt, auch wenn die Sensoren selbst ihren Dienst eher im Verborgenen tun. Das ist einfach das Los des Sensors an sich: Er ist zwar oft das eigentliche Herzstück einer Anwendung, er erfasst und sammelt Daten, verarbeitet sie, leitet sie weiter und löst entsprechende Aktionen aus. Aber erst wenn er das nicht mehr tut, fällt auf, dass er überhaupt da ist. Insofern ist auch der Sensor selber quasi ein Hidden Champion.

Sick hat im Jahr 2004 den Claim »Sensor Intelligence.« ins Leben gerufen. Was genau verstehen Sie darunter?

Sensor-Intelligenz ist für uns die Transformation vom Sensor-Rohwert zu robusten, belastbaren, industriellen Datenwerten, die in weiterverarbeiteter und vernetzter Form die Grundlage vieler automatisierter Prozesse sind. Damit stellt die Sensor-Intelligenz auch die Voraussetzung für Industrie 4.0 dar. Unsere Vision ist es, über Zusammenhänge Transparenz zu schaffen – für die Industrie und für jeden Einzelnen. Transparenz wiederum bedeutet Vertrauen. Und übrigens: Der Punkt im Claim ist uns wichtig. Er steht für »Genau das machen wir. Das, und nur das. Punkt.«

Seit dem Start der »Sensor Intelligence.« hat sich Ihr Umsatz verdoppelt. Hatten Sie damals schon die Vision der Industrie 4.0?

In der Sensor-Intelligenz steckt generell ein enormes Zukunftspotential – nicht nur im Hinblick auf Industrie 4.0, sondern auch in Logistik- und Track&Trace-Anwendungen, im Bereich autonomer Fahrzeuge und in vielen weiteren Applikationen, in denen es auf Ressourcen-Effizienzsteigerung und Prozessverbesserungen ankommt. Über all dem steht jedoch eine große Herausforderung: Die Datensicherheit und das Dateneigentum müssen geklärt und gewährleistet werden. Hier kommt Deutschland eine Vorreiterrolle zu. Aus meiner Sicht ist »Sicherheit made in Germany« oder zumindest »made in the European Union« die Voraussetzung für echte Ressourcen-Effizienz, und damit auch für das Gelingen der Industrie 4.0. Weil uns dieses Thema extrem wichtig ist, engagieren wir uns in der Initiative »Industrial Data Space«, zu deren wichtigsten Zielen die digitale Souveränität über die eigenen Daten sowie deren maximale Sicherheit zählen. Das Zusammenspiel zwischen den drei großen Playern USA, Europa und China ist in diesem Zusammenhang hochpolitisch. Dennoch muss ein Konsens gefunden werden, und die »Industrial Data Space« muss Realität werden.

Der Standort Waldkirch ist nicht gerade zentral und liegt auch fernab jeglicher Elektronik-Ballungsräume wie etwa München – wo das Unternehmen ursprünglich gegründet wurde. Wäre es denkbar, sich wieder zurück nach Bayern zu orientieren?

Es gibt einen Standort für jede Technologie. Unser Standort steht für Sensor Intelligence. Insofern: Nein, es ist für uns definitiv kein Thema, nach Bayern zurück zu gehen.