Mittelklasse-Scopes Sechs wichtige Oszilloskop-Funktionen in der Praxis

Wer heute ein Oszilloskop für ein neues Projekt beschaffen muss, hat gerade im Mid-Range-Bereich eine breite Auswahl. Über die klassischen Spezifikationen hinaus gibt es einige weitere Funktionen, die bei der Kaufentscheidung bedacht werden sollten.

Bei der Wahl eines Oszilloskops geht man oft klassisch vor: Bandbreite, Kanalzahl, Abtastrate, Speichertiefe, Signalaktualisierungsrate, Triggermöglichkeiten, Bedienung usw. Moderne Entwicklungen und komplexe Systeme erfordern zudem aber fast immer spezifische Funktionen, die bei der Auswahl oft nicht beachtet werden. Häufig sind es aber genau diese Zusatzfunktionen, welche dann im späteren Einsatz benötigt werden. Hier eine Zusammenfassung von sechs wichtigen Funktionen, die mit zur Entscheidungsfindung gehören sollten.

1. History-Speicher

Natürlich hat jedes Digitalspeicher-Oszilloskop einen Speicher. Wichtig ist jedoch, wie der Speicher in Bezug auf die Datenaufzeichnung ausgenutzt wird. »Ideal ist ein immer aktiver Speicher, der, wenn die Messung gestoppt wird, eine chronologische Folge aller vergangenen Bildschirm-Kurvenformen mit allen Messwerten enthält, genannt History-Speicher«, führt Johann Mathä, Marketing Manager von Yokogawa aus. »Mit einfachem Zurückblättern lassen sich dann die Signalbilder mit den zugehörigen Messwerten inspizieren. Damit ist es möglich, auch lange Kurvenzüge zu verifizieren und auch komplexe Zusammenhänge zwischen mehreren zu diskutieren. Mit geeigneten Suchfunktionen können Signalverletzungen oder Problemzonen aufgespürt werden. Moderne Geräte halten bis zu 20000 Bildschirmseiten im Akquise-Speicher bereit.«

2. Zwei unabhängige Zoomfenster

Zur Entscheidung ob ein Fehler oder Problem vorliegt, muss der Anwender oft zwei Signalbereiche miteinander vergleichen. Sinnvoll ist es dabei, wenn zwei Zoomfenster nebeneinander in Echtzeit arbeiten, das heißt mit derselben Updaterate arbeiten wie das Hauptfenster. Zudem sollten die Zeitbasen beider Zoomfenster unabhängig einstellbar sein, damit unterschiedlich schnelle Signale im Detail verglichen und untersucht werden können; beispielsweise ein High- und ein Low-Speed-CAN-Signal mit den zugehörigen Protokoll-Decodes.

3. Serielle Busse - aber bitte mit Autosetup

Optional sollten folgende Busse unterstützt werden, um Projekte sinnvoll zu unterstützen:

  • Für den Automotive- aber auch viele andere Industriebereiche: CAN, LIN, FlexRay.
  • Für den embedded-Bereich sowie für alle Anwendungen mit MCU/ECUs: SPI; I2C, UART.

»Zwangsläufig wird klar, dass es erforderlich ist, mindestens zwei Busse gleichzeitig und in Echtzeit zu dekodieren, um beispielsweise Gateway-Funktionen bei ECUs mit CAN und FlexRay auszutesten«, so Mathä. »Hier sind wiederum die erwähnten Zweit-Echtzeit -Zoomfenster wichtig, um an beiden Bussen zusammenhängende Protokolldetails verifizieren zu können. Und wer schon an einem FlexRay-Bus mit einem Standard Oszilloskop mittels Differenztastkopf gemessen hat, kennt das Problem: Verschiedenste Einstellungen sind vorzunehmen, bevor die Messung korrekt durchgeführt werden kann. Ein Autosetup für die einzelnen Busse ist deshalb mehr als nur ein Feature. Es verringert die Mess- und Testzeit und vermeidet Messfehler.«