IHS Markit / Interview »Optosensoren sind das nächste Big-Thing«

Jérémie Bouchaud, IHS Markit
»China ist nicht nur weiterhin der Motor des weltweiten Bedarfs an Halbleiter-basierten Sensoren: Vom Opto- bis zum MEMS-Sensor ist China immer häufiger auch der Testmarkt für den Einsatz neuer Sensorlösungen, vor allem im Consumer- und Mobile-Markt.«
Jérémie Bouchaud, IHS Markit: »Vom Opto- bis zum MEMS-Sensor ist China immer häufiger der Testmarkt für den Einsatz neuer Sensorlösungen, vor allem im Consumer- und Mobile-Markt.«

Optische Sensoren entwickeln sich nach Einschätzung von Jérémie Bouchaud, Director & Senior Principal Analyst von IHS Markit, zum neuen Boom-Segment in der Sensorik. Vom Boom profitieren werden aber nur die, die von Anfang an dabei sind, wie schon das Beispiel der Gyroskop-Sensoren gezeigt hat.

Markt&Technik: Gibt es aktuell in der halbleiterbasierten Sensorwelt ein Produkt, das durch die Decke geht?

Jérémie Bouchaud, Director & Senior Principal Analyst für die Bereiche Auto- und Industrie-Halbleiter sowie MEMS & Sensor von IHS Markit: Auf Fingerprint-Sensoren könnte man diesen Vergleich durchaus anwenden. Ihr Umsatzvolumen ist in den letzten zwei, drei Jahren regelrecht explodiert. Blickt man auf die Top-20 der Sensorbranche im Jahr 2014 zurück, dann tauchte dort genau ein Fingerprint-Sensor-Hersteller auf. Im letzten Jahr waren es schon vier!

Getragen wird diese Entwicklung von dem Umstand, dass Fingerprint-Sensoren in den letzten Jahren einfach Benutzer-freundlicher und zuverlässiger geworden sind und sich Apple für den Einsatz dieser Sensoren entschieden hat. Fingerprint-Sensoren haben das Mobile Payment vorangebracht, das spielt vor allem in China eine ganz große Rolle!

Als spektakulär kann man in diesem Zusammenhang sicher den Erfolg des schwedischen Unternehmens Fingerprint Cards bezeichnen. Halten Sie diesen Erfolg für wiederholbar?

Ausgehend von 34 Millionen Dollar im Jahr 2014, ging es für Fingerprint Cards über 342 Millionen im Jahr 2015 dann mit 760 Millionen Dollar im Vorjahr auf Rang 2 der Sensor-Top-10 hinter Bosch, wenn man die Druckköpfe für Tintenstrahldrucker außen vor lässt – eine Entwicklung, die ein Unternehmen erst mal verkraften muss. Und ein Erfolg, der sich in dieser Form im Bereich der Fingerprint-Sensoren wohl nicht wiederholen lässt.

Diese Boom-Phase von zwei bis drei Jahren ist aber ein typisches Phänomen im Sensor- und MEMS-Markt. Wer hier aber nicht rechtzeitig dabei ist, tut sich schwer. Es wird sich zeigen, ob beispielsweise InvenSense, das ultraschallbasierte Fingerprint-Sensoren entwickelt hat, die eine noch zuverlässigere Identifizierung gewährleisten können, diesen Erfolg vielleicht wiederholen kann.

Sie sprachen bereits Apple als einen der Motoren beim Einsatz von MEMS und anderen Sensoren im Mobile-Bereich an. Inwiefern unterscheidet sich Apple hier vom Wettbewerb?

Apple bedient eigentlich nur den High-End-Bereich. Entscheidet sich Apple für den Einsatz eines Sensors, dann gilt das fast für die gesamte Produktpalette an Mobile-Geräten. Samsung dagegen bedient neben dem High- auch den Mid- und Low-End-Bereich. Die Möglichkeit eines breiten Einsatzes ausgewählter Sensoren sind da geringer. Das manifestiert sich dann beispielsweise für Apple in Sensoreinkäufen im Wert von rund 1,5 Milliarden Dollar im Vorjahr, während Samsung Sensoren im Wert von 846 Millionen Dollar eingekauft hat.

Apple legt zudem noch sehr großen Wert auf die Audio-Qualität seiner Produkte. Für den Einsatz von MEMS-Mikrophonen bedeutet das: Sie entscheiden sich im Hinblick auf die Performance für die Creme-de-la-Creme. Apple und Samsung unterscheiden sich manchmal aber auch grundsätzlich in ihren Entscheidungen, was Sensoren angeht. So hat Samsung auf Gestenerkennung gesetzt, das aber inzwischen wieder aufgegeben. Samsung hat auch im Galaxy S4 einmal Feuchtigkeitssensoren probiert.