Interview mit Wendelin Egli, MSR »Nischenmärkte bieten großes Potential für Mini-Datenlogger«

Im Interview mit Markt&Technik erklärt Wendelin Egli, Gründer und Geschäftsführer von MSR Electronics, warum sich das schweizerische Unternehmen auf Nischen- statt auf stückzahlstarke Breitenmärkte fokussiert und welche technischen Trends er für die Zukunft der Messdatenerfassung sieht.

Markt&Technik: Im Zusammenhang mit der Explosion der Trägerrakete Antares und des Raumfrachters Cygnus hat MSR in den vergangenen Wochen mehrfach das Interesse der Medien erregt. Beschreiben Sie bitte kurz, worum es dabei ging.

Wendelin Egli: Wie bei den drei Raumfahrtmissionen zuvor waren auch diesmal wieder zehn MSR-Datenlogger an Bord des unbemannten Versorgungsfrachters Cygnus auf dem Weg zur Raumstation ISS. Ihre Aufgabe war es, die Kräfte, Vibrationen und Stöße im Frachtraum zu messen, vom Rollen auf die Abschussrampe, über die Rotation der Rakete in die Vertikale, die Zündung, den Abschuss, die Abtrennung des Hauptantriebs, etc. bis hin zum Andocken an die ISS. Leider kam es aufgrund der frühzeitigen Explosion des Shuttles nicht mehr dazu.

Glauben Sie, dass die Logger die Explosion überstanden haben und dass sie – sofern man sie findet – Aufschluss über die Ursache geben könnten?

Es ist durchaus möglich, dass die Geräte noch funktionstüchtig im Absturzgebiet liegen. Sie sind gut eingebettet in einem robusten, dichten Alugehäuse und mit Silikon ausgegossen. Würde man sie finden, könnten Experten vielleicht auch Rückschlüsse auf die Ursache ziehen, denn im internen Flash-Speicher der Datenlogger ist jeweils die letzte Million Messdaten gespeichert. Insofern könnte man die aufgetretenen Kräfte während der letzten Sekunden bis unmittelbar vor der Explosion vielleicht tatsächlich noch auslesen. Aber das wäre auch nur ein Puzzlestück in der Aufklärung der Katastrophe.

Mini-Datenlogger sind keine Investitionsgüter, und um als Hersteller leben zu können, müssten Sie ja eigentlich große Stückzahlen verkaufen. Dennoch fokussiert MSR nicht auf den Massenmarkt sondern auf Nischen. Warum?

Nun, herkömmliche Datenlogger kann man als Massenware bei verschiedensten Distributoren kaufen. Dort herrscht ein massiver Preiskampf, in den wir nicht einsteigen können und wollen. Unsere Stärke liegt vielmehr in der Kombination aus spezialisiertem Produkt- und Anwendungswissen. Unsere modular aufgebauten Produkte gepaart mit einer exakt auf die individuelle Anwendung zugeschnittenen Software geben dem Kunden eine Flexibilität, die er mit Standard-Massenware nicht bekommen kann. Dies wiederum prädestiniert uns für Nischenmärkte. Viele dieser Anwendungen sind nicht mit 0815-Produkten abzudecken, und hier geht es auch nicht um große Stückzahlen. Das kommt uns entgegen – unsere Produktionsmengen liegen zwischen einem und tausend Stück des gleichen Typs. Darauf ist auch der Preis ausgelegt. Unsere Kunden schätzen, dass wir als Spezialist ihre Bedürfnisse oftmals besser und direkter befriedigen können als Unternehmen, die auf den Gesamtmarkt ausgerichtet sind. Daher sehen wir für MSR ein großes Potential in den Nischenmärkten.