Nachgefragt bei Rohde & Schwarz Millimeterwellen-Know-how für Körperscanner

Ein Flugpassagier im R&S QPS200. Hinter jedem der beiden Paneele (je 1,3 x 2,4 m groß) verbergen sich insgesamt je 3008 Sende- und Empfangsantennen.
Ein Flugpassagier im R&S QPS200. Hinter jedem der beiden Paneele (je 1,3 x 2,4 m groß) verbergen sich insgesamt je 3008 Sende- und Empfangsantennen.

An einigen Flughäfen sind Körperscanner bereits im Einsatz, doch die bestehenden Systeme haben noch einige Schwachstellen. Besser machen sollen es nun die Körperscanner QPS200 von Rohde & Schwarz. Was ist das Besondere daran? Und was hat das Unternehmen überhaupt in dieses Marktsegment geführt?

Einer Befragung des Digitalverbandes Bitkom zufolge wünschen sich nahezu alle Flugreisenden eine dichtere Überwachung an Flughäfen. Unter anderem sprachen sich rund 72 Prozent aller Befragten für den Einsatz von Körperscannern an den Sicherheitsschleusen aus. Reichlich Potential also für die Hersteller solcher Geräte.

Noch relativ neu in diesem Marktsegment ist der Münchner Messtechnikhersteller Rohde & Schwarz. Doch so ungewöhnlich dies auf den ersten Blick aussieht, ist es gar nicht, wie Christian Evers, Senior Director mm-Wellen-Bildgebung, Technologie- und Mikrowellenentwicklung von Rohde & Schwarz, im Gespräch mit Markt&Technik-Redakteurin Nicole Wörner erklärt: »Der Körperscanner ist im Grunde genommen ja auch ‚nur‘ ein Messgerät. Die dahinter stehende Technologie ist ähnlich der eines Vektornetzwerkanalysators: Das Gerät sendet bekannte Informationen aus, empfängt die reflektierten und untersucht die Veränderungen. Nur ist es bei unserem Körperscanner R&S QPS200 eben nicht nur ein Sende- und Empfangskanal, sondern jeweils 3008 Kanäle pro Paneel.«

Und doch – der Schritt vom Vektornetzwerkanalysator zum Körperscanner war für das Unternehmen ein großer.

Bilder: 4

Körperscanner mit neuartigem Konzept

Rohde & Schwarz revolutioniert den Körperscanner-Markt mit dem neuartigen QPS200.

»Der erste Impuls für ein solches Produkt…

...kam von außen«, so Evers. »Mitte 2007 kam die britische Firma Smiths Detection mit der Idee uns zu, gemeinsam ein Förderprojekt für einen auf Millimeterwellentechnik basierenden Personenscanner beim BMBF zu beantragen. Smiths Detection war der Endanwender, wir steuerten die Grundlagenforschung im Bereich der Millimeterwellen-Technologie bei. Erste Geräte unseres Mitbewerbers L3 gab es schon, und uns war damals schon klar, dass in dieser Art von Sicherheitslösungen ein großes Marktpotential lag.« Ebenfalls zum Projektteam zählten der HF-Lehrstuhl der Uni Erlangen, das Bundeskriminalamt und der Ethiklehrstuhl IZEW der Uni Tübingen.

»Die Frage der Ethik…

...ist immens wichtig bei einem Projekt, in dem Menschen überprüft werden sollen«, betont Evers. »Nehmen wir nur mal die Armhaltung in einem solchen Körperscanner. Bisherige Lösungen erfordern, dass die zu überprüfende Person die Arme seitlich über den Kopf hebt – also fast so wie ein Krimineller, der von der Polizei gestellt wird. Zudem haben manche ältere Menschen Probleme, die Arme zu heben, und in so manchen Kulturkreisen ist es für Frauen ausgeschlossen, eine solche Haltung anzunehmen. Um all diese Aspekte sicher zu berücksichtigen, braucht man Ethikspezialisten im Projektteam.«

Zum Ende des Projektes im November 2010 hatte man ein Proof of Concept, das zeigte, dass der Ansatz gut und machbar war.

Im anschließenden Folgeprojekt trennten sich die Wege von Smiths Detection und Rohde & Schwarz, denn die Briten hatten eine eigene Lösung entwickelt. Dennoch war man bei Rohde & Schwarz überzeugt, dass das eigene Konzept eine Zukunft hat und führte das Projekt weiter. »Im ersten Teil des Projektes hatten wir erkannt, dass es im Kern um nichts anderes als um Mikrowellen ging, also um unsere Kernkompetenz«, erinnert sich Evers. »Insofern lag es nahe, das Projekt auch eigenständig weiterzuführen.«

Am Ende der Projektlaufzeit war ein Demonstrator entstanden, der technisch zwar hervorragend war, dennoch ergaben sich ungeahnte Schwierigkeiten – und Kosten. Denn die Gesetze, Standards und Zulassungsbedingungen auf europäischer Ebene waren damals noch stark im Fluss.

»Das ursprüngliche Ziel war es,…

...hoch aufgelöste Bilder zu machen«, so Evers. »Im November 2011 beschlossen die europäischen Zulassungsbehörden, dass die Detektion vollautomatisch erstellt und Ergebnisse nur noch auf einem Avatar gezeigt werden dürfen – also keine Klarbilder vom menschlichen Körper mehr zugelassen sind.«

Die Folge: Nun war über die reine Millimeterwellentechnik auch noch eine schnelle Bildverarbeitungssoftware nötig geworden, die aus den Reflexionsrohdaten Avatar-Darstellungen machte. Das erste wirklich marktreife Produkt, der R&S QPS100, konnte im Jahr 2014 vorgestellt werden.