Aus Forschung und Entwicklung Messgerät unterscheidet Flüssigsprengstoff von harmlosen Substanzen

Sichere Unterscheidung zwischen Flüssigsprengstoff und harmlosen Flüssigkeiten: Detektionsgerät des Fraunhofer ICT.

Forscher des Fraunhofer Instituts für Chemische Technologie ICT haben ein Messgerät entwickelt, das Flüssigsprengstoffe aufspüren soll. Zum Einsatz könnte es u.a. an den Sicherheitskontrollen auf Flughäfen kommen. Sollten die aktuellen Tests positiv verlaufen, könnten Fluggäste schon bald auf eine Aufhebung des Flüssigkeits-Mitnahmeverbots hoffen.

Während bisherige Gepäckkontrollen nur Metalle und feste Sprengstoffe erkennen, sollen künftige Geräte auch Flüssigsprengstoffe aufspüren können. Dabei unterscheiden die von den Fraunhofer-Wissenschaftlern entwickelten Systeme zuverlässig zwischen Flüssigsprengstoff und harmlosen Substanzen wie Cola, Parfüm oder Shampoo.

Durchgeführt werden die Sprengstoff-Tests vom Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT in Pfinztal. In ihren zum Teil ferngesteuerten Versuchsanlagen der Sicherheitslabore stellen die Forscher zunächst die Explosivstoffe nach Vorgabe der European Civil Aviation Conference (ECAC) her, die auch die standardisierten Detektionsverfahren und Prüfroutinen für Flüssigexplosivstoffe festlegt. Die Organisation erhält die Liste der Substanzen von den Sicherheitsdiensten. Anschließend muss das Detektionsgerät den Flüssigsprengstoff automatisch als solchen identifizieren, ebenso wie die unverdächtige Substanz. Beispielsweise darf es ein Shampoo nicht als Sprengstoff erkennen und einen Fehlalarm auslösen. Je nach Szenario erfordert das individuelle Testmethoden und Systeme: Müssen beispielsweise geöffnete Flaschen geprüft werden, so detektieren Sensoren die Dämpfe. Soll die Gepäckkontrolle hingegen ungeöffnete Flaschen in einer Wanne scannen, werden zum Beispiel Röntgengeräte eingesetzt. Die Testergebnisse liefern die Experten entweder direkt an die Hersteller oder an die Bundespolizei, die die Resultate an die ECAC weiterleitet. Diese wiederum informiert die Unternehmen, ob ihr Gerät für eine Zertifizierung geeignet ist.

Das Innenministerium hat das Fraunhofer ICT offiziell als Deutsches Testzentrum benannt. Dabei kooperieren die Forscher mit der Bundespolizei. »In unserem Sicherheitslabor können wir die Untersuchungen unter sämtlichen Sicherheitsvorkehrungen durchführen«, sagt Dr. Dirk Röseling, Wissenschaftler am ICT. »Die Hersteller bringen ihre Detektionsgeräte entweder in Eigeninitiative oder nach Aufforderung der ECAC in unser Labor, weisen uns in die Bedienung ein und verabschieden sich dann. Anschließend starten wir die Tests.«

Erste Tests am Frankfurter Flughafen sind bereits erfolgreich gelaufen. Sollten die Versuche erfolgreich sein, können Flugreisende auf eine Aufhebung des Flüssigkeits-Mitnahmeverbots hoffen. Bereits am 19. November 2009 hatte der EU-Regelungsausschuss der Mitgliedsstaaten einen entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission angenommen. Danach soll das Flüssigkeitsverbot in zwei Stufen fallen: Zunächst werden Transitpassagiere ab dem 29. April 2011 Flüssigkeiten mitnehmen können. Im zweiten Schritt soll die Mengenbegrenzung ab dem 29. April 2013 komplett gekippt werden. Ein entsprechendes Gesetz will die EU-Kommission noch diesen August auf den Weg bringen.