Die Zukunft modularer Messsysteme hat gerade erst begonnen LXI, PXI und AXIe: »Drei Standards im Wachstum«

David Owen, Pickering Interfaces: »Es ist eher unüblich, dass drei aus Sicht der Messtechnik relativ junge Standards gleichzeitig im Markt wachsen. Es sieht jedoch so aus, als ob die Zukunft der Test- und Messtechnik von diesen wachsenden Standards bestimmt wird.«
David Owen, Pickering Interfaces: »Es ist eher unüblich, dass drei aus Sicht der Messtechnik relativ junge Standards gleichzeitig im Markt wachsen. Es sieht jedoch so aus, als ob die Zukunft der Test- und Messtechnik von diesen wachsenden Standards bestimmt wird.«

Goldene Zeiten für Anwender modularer Messtechnik: In den vergangenen Jahren haben sich verschiedene Standards entwickelt, die für nahezu jede Anwendung die richtige Plattform bieten. Drei davon haben sich einen Namen gemacht: LXI, PXI und AXIe. Wir beleuchten, welche Zielrichtung die einzelnen Plattformen verfolgen und warum diese Alternativen aus Sicht des Messtechnik- und Schaltmatrix-Herstellers Pickering Interfaces so positiv zu bewerten sind.

»Die Wahlmöglichkeiten für Anwender nehmen zu«, davon ist David Owen, Business Development Manager von Pickering Interfaces überzeugt. Damit meint er, dass im vergangenen Jahr drei modulare Test-Plattformen - LXI, PXI und AXIe - ihre Bekanntheit im Markt gesteigert haben und sie Anwender älterer Plattformen, wie etwa GPIB und VXI für sich gewinnen konnten. »Sowohl aus fachlicher als auch aus unternehmerischer Sicht ist diese Wahlmöglichkeit gleichermaßen vorteilhaft für Lieferanten und Kunden: Eine größere Applikationsvielfalt wird durch mehr Produkte und Plattformen unterstützt, und es gibt eine Lösung für jedes Budget und Anforderungsprofil.«

Im Mai 2011 hat das LXI-Konsortium bekannt gegeben, dass es seit der Markteinführung der ersten Systeme im Dezember 2005 mehr als 1500 Produkte von 35 verschiedenen Herstellern zertifiziert hat. »Diese Zahl ist vor allem deshalb beeindruckend, weil das Konsortium die Zertifizierung von LXI-Geräten durch neutrale Fremdanbieter vorschreibt«, unterstreicht Owen. »Dadurch ist sichergestellt, dass die Interoperabilität verschiedenster Geräte, die durch die Spezifikation Ethernet/LAN gesteuerte Instrumente vorgegeben ist, auch gewährleistet ist.«

Doch was bedeutet das für Lieferanten und Anwender von LXI-Produkten? »Zuallererst stellt es sicher, dass Testsysteme aus mehreren LXI-Produkten konfiguriert werden können«, so Owen. »Darüber hinaus steigert die Zertifizierung die Robustheit der Ethernet-Schnittstelle. Ihre Verfügbarkeit auf allen Rechner-Plattformen sorgt für ein einheitliches Look&Feel und die von GPIB-Systemen bekannte Stabilität. Anbietern bestätigt die Zertifizierung, dass ihre Produktreihe mit allen LXI-Produkten auf dem Markt zusammenspielt.«

LXI adressiert die Einschränkungen von PXI

Zwar beruht das Kerngeschäft von Pickering Interfaces nach wie vor auf PXI-basierenden Schaltsystemen, jedoch hat das Unternehmen auch kräftig in LXI-Lösungen investiert. Und das aus gutem Grund: »Viele unserer speziellen LXI-Lösungen sind im PXI-Formfaktor nicht realisierbar«, stellt Owen fest. »PXI stellt mit seinem modularen Konzept enge konstruktive Randbedingungen an das Produktdesign. Wenn ein umfangreiches oder komplexes Schaltsystem erforderlich ist, lässt es sich schlicht auf PXI-Modulen nicht unterbringen.« Um beispielsweise eine Schaltmatrix mit 4000 Relais mit 2 A zu realisieren, müssten so viele einzelne Module miteinander verbunden werden, dass häufig die Kapazität eines ganzen PXI-Chassis nicht ausreiche. »Manche Produkte erfordern den Einsatz großer Bauteile wie etwa Mikrowellen-Relais, die in einem PXI-Chassis zu viel Platz benötigen und dadurch die tatsächlichen Kosten der Schaltmatrix in die Höhe treiben und wertvollen Platz im Rack beanspruchen«, so Owen. »Jedes PXI-Modul benötigt sein eigenes PCI-Interface und eine entsprechende Anzahl Slots im Chassis. Im Vergleich dazu benötigt die LXI-Plattform ein einziges LAN-Controller-Interface - dessen Kosten zugegebenermaßen höher sind als die des PCI-Interface bei PXI - sowie ein Gehäuse in geeigneter Größe, wobei diese Kosten erheblich niedriger liegen als bei einem PXI-Chassis.« Zu den weiteren Vorzügen zählt nach Owens Auffassung, dass die externe Verkabelung stark vereinfacht wird, weil die Verbindungen zwischen Modulen bereits intern bereitgestellt werden. Im Fall großer, komplizierter Schaltapplikationen könne der Gesamtkostenvorteil leicht 40 Prozent und mehr erreichen.

Aus der Sicht von Pickering Interfaces sind die Vorteile des LXI-Systems klar: Sie ermöglichen es, Schaltsysteme anzubieten, die auf Basis des PXI-Systems schwierig, unmöglich oder nur unwirtschaftlich zu realisieren sind.

Owens Argumente gelten jedoch nicht ausschließlich für Schaltsysteme. Bei den meisten Produktkategorien im Bereich Test- und Messsysteme gibt es Unterschiede bezüglich dessen, was auf Basis der einen oder anderen Plattform erreichbar ist. Die Unterschiede können in der Rückführbarkeit der Messungen, der Genauigkeit oder in bestimmten Leistungsbereichen liegen und sie differieren von einer Kategorie zur anderen.