ams und acam messelectronic »Kontinuität war, ist und bleibt das Ziel«

Augustin Braun, acam

»Wasserzähler auf Basis der Ultraschallmessung so kostengünstig zu bauen wie Drehflügelradsensoren, 
das ist mit dem neuen TDC-GP30 jetzt Wirklichkeit.«
Augustin Braun, acam messelectronic: »Die Marke acam wird sicherlich bis auf weiteres bestehen bleiben. Sie ist – neben der Technologie selber und dem erfahrenden Team – einer der wichtigen Werte, die ams gekauft hat.«

Im Dezember 2014 hat die österreichische ams AG den im badischen Stutensee ansässigen Spezialisten für hochgenaue zeitbasierte Messtechnik- und Sensorlösungen acam messelectronic gekauft. Im Gespräch mit acam-Geschäftsführer Augustin Braun werfen wir einen Blick auf die ersten gemeinsamen Monate der beiden Unternehmen.

Markt&Technik: Die acam messelectronic GmbH ist mittlerweile in die ams AG integriert und bilanziell konsolidiert. Das sieht nach einem reibungslosen Übernahmeprozess aus.

Augustin Braun: Nun ja, es ging alles recht schnell – man könnte schon fast sagen, es war ein stürmischer Prozess. Wir haben direkt nach der Übernahme mit der Integration begonnen und sind von Anfang an von der Aufbruchsstimmung mitgenommen worden, die bei ams derzeit herrscht. Aber davon haben wir uns gerne anstecken lassen.

Was hat sich konkret verändert?

An der Zielsetzung der Firma hat sich nichts geändert, wir sind noch am gleichen Standort, und auch im Team hat es nur wenige Wechsel gegeben. Aber wir merken natürlich schon, dass wir jetzt Teil eines großen Unternehmens sind. Die Arbeitsweisen und -abläufe sind deutlich anders, und auch die enge Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen an anderen Standorten ist für uns neu. Das birgt viel Positives, braucht aber ein wenig Zeit der Eingewöhnung.

Wie kommen Sie damit zurecht?

Es überwiegt das Positive – wir haben jetzt deutlich mehr Möglichkeiten, können viele Synergien nutzen und auf ein sehr viel größeres Vertriebsteam zugreifen. Die Herausforderung für uns ist, die eigene Identität nicht zu verlieren und die fast schon familiäre Atmosphäre untereinander zu bewahren, auch wenn man nun Teil eines großen Ganzen ist.

Wie »leben« Sie und Ihr Team die neue Situation in der Praxis?

Wir sind eine hundertprozentige Tochterfirma, das heißt, die Geschäfte – also auch der Verkauf – laufen inzwischen vollständig im Namen von ams. Ansonsten arbeiten wir bei den Produkten weiter wie bisher. Aktuell bringen wir drei Produkte zur Serienreife, die bei der Übernahme noch in der Entwicklung waren, unter anderem unser Flaggschiff, das SoC TDC-GP30 für Ultraschall-Wasserzähler. Es ist einzigartig in seiner Klasse: Es befreit die MCU des Zählers vollständig von den Berechnungen des Ultraschall-Durchflusses und der Temperatur und erzielt dank des integrierten Ultra-Low-Power-Mikroprozessors eine unerreicht niedrige Stromaufnahme. Das Bauteil ist aktuell in der Bemusterungsphase. Sobald es serienreif ist, werden wir diese Produktfamilie weiter ausbauen. Parallel dazu werden immer mehr Synergieprojekte mit ams aufkommen.

Wie weit greifen die Synergien im Bereich der Entwicklungs-, Produktions- und Vertriebsressourcen?

Für acam stellen sich zwei Synergieeffekte als besonders wertvoll heraus: zum einen, dass wir auf das Know-how von ams im Bereich der analogen Schaltungsentwicklung zurückgreifen können, zum anderen, dass unsere Produkte nun über ein sehr viel größeres Vertriebsteam verkauft werden. Das ehemalige acam-Verkaufsteam ist nun mit dem Marketing für die acam-Produkte betraut und unterstützt die ams-Vertriebsingenieure. Davon profitieren wiederum beide Seiten: Die ams-Vertriebler sind froh, neue schlagkräftige Produkte anbieten zu können und dabei auf das Know-how der acam-Experten zurückgreifen zu können, und wir freuen uns über die neuen Vertriebsmöglichkeiten für unsere Produkte.

Wird es acam als Unternehmen bzw. als Marke auch weiterhin geben?

Kurz- bis mittelfristig sind meines Wissens keine Änderungen geplant. Die Marke acam wird sicherlich bis auf weiteres bestehen bleiben. Sie ist – neben der Technologie selber und dem erfahrenden Team – einer der wichtigen Werte, die ams gekauft hat.

Welche strategische Bedeutung hatte die Übernahme für ams?

ams will sich künftig breiter aufstellen und dabei auch mehr Standardprodukte anbieten. Meiner Meinung nach ist das ein überaus wichtiger und richtiger Schritt, denn dies ist gerade im IC-Bereich einer der großen Trends – weg vom ASIC hin zum ASSP. acam hat diesen Weg schon vor einigen Jahren eingeschlagen: 1996 haben wir als ASIC-Schmiede begonnen, 2004 haben wir uns in Richtung Standardprodukte umorientiert. Auch ams kommt historisch aus der kundenspezifischen Ecke und profitiert nun von unserem seit Jahren gesammelten Know-how und von unseren Standard-Produktfamilien.

Wie wird sich die technologische Ausrichtung von acam entwickeln?

Nun, wir sind und bleiben Spezialist für hochgenaue zeitbasierte Messtechnik- und Sensorlösungen. In den letzten Jahren haben wir unseren Fokus auf die Ultraschall-Durchflussmessung von Flüssigkeiten gelegt. Bei dieser Produktfamilie werden wir uns in Zukunft breiter aufstellen und unsere Entwicklung im Bereich der Gas-Durchflussmessung verstärken. Auch bei klassischen Time-of-Flight-Anwendungen, beispielsweise mit Laser, sehen wir zukünftig spannende Herausforderungen.

Und wo sehen Sie acams Position innerhalb der ams?

Ich denke, letztendlich wird sich acam messelectronic innerhalb des Unternehmensverbunds als Kompetenzzentrum für die Ultraschall-Durchflussmessung etablieren.

Eine Übernahme geht meist mit der Hoffnung einher, neue Märkte für das eigene Unternehmen zu erschließen. Ist das in Ihrem Fall geglückt?

Diesbezüglich ein Resümee zu ziehen, wäre noch zu früh. Aber wir sehen schon, dass wir unter anderem aufgrund der größeren Vertriebsstruktur bestehende Märkte nun wesentlich effizienter bearbeiten können als früher. Mit der bereits vorhandenen ams-Kundenbasis ist unsere Marktabdeckung größer geworden. Über kurz oder lang werden unsere Produkte aber sicher auch in neue Märkte vordringen können, die ersten Ansätze dazu sind da.

Was sind Ihre Ziele für die nächsten zwei bis drei Jahre?

Unser vornehmliches Ziel ist natürlich Wachstum. Doch zunächst gilt es, die Integration in die Muttergesellschaft mitzugestalten und uns im Verbund richtig auszurichten. Bis zur vollständigen Integration wird es wohl noch eine Weile dauern, aber wenn es dann geschafft ist, stehen sowohl ams als auch acam mit hochwertigen Produkten stärker im Markt als zuvor.

Was sind die nächsten Schritte auf diesem Weg?

Wir werden unsere laufenden Entwicklungsprojekte weiterführen und abschließen. Im nächsten Schritt werden wir parallel die Verbundprojekte mit ams ausbauen und eigene Produkte entwickeln. Ich denke, es wird auf eine bunte Mischung aus acam-, ams- und Verbundprodukten hinauslaufen – aus meiner Sicht eine absolut spannende Entwicklung.

Mit welchem Begriff würden Sie die Übernahme rückblickend zusammenfassen?

Kontinuität. Das war von Anfang an das Ziel beider Unternehmen: Kontinuität für die Kunden und für die Mitarbeiter, aber auch hinsichtlich der Produkte und der Qualität.