Narda Safety Test Solutions (STS) »Jetzt gilt es, unsere Kompetenz auch in der HF-Messtechnik zu beweisen«

Martin Meisenburg: »Im Geschäftsbereich RF-Testing haben wir uns auf hochauflösende HF-Messgeräte im Handheld-Format spezialisiert. Damit bringen wir Laborgeräte-Spezifikationen in einen kleinen Formfaktor.«
Martin Meisenburg: »Im Geschäftsbereich RF-Testing haben wir uns auf hochauflösende HF-Messgeräte im Handheld-Format spezialisiert. Damit bringen wir Laborgeräte-Spezifikationen in einen kleinen Formfaktor.«

Als Ausgründung des ehemaligen Geschäftsbereiches Hochfrequenz-Messtechnik von Wandel & Goltermann, macht sich Narda Safety Test Solutions daran, den Messtechnik-Markt zu erobern. Dabei fokussiert der HF-Safety-Spezialist auf hochauflösende Signalanalysatoren im Handheld-Format. Wohin dieses Konzept das Unternehmen führen soll, erklärt Martin Meisenburg, Leiter Vertrieb und Marketing von Narda STS im Interview mit der Markt&Technik.

Markt&Technik: Die Wurzeln von Narda Safety Test Solutions liegen in der Hochfrequenz-Messtechnik. Bewegen Sie sich nach einigen Jahren des Fokus auf HF-Safety-Produkte jetzt wieder »back to the roots«?

Martin Meisenburg: Ich würde sagen, wir haben uns nie weit davon entfernt. Aber es ist schon richtig, seit wir vor rund zwei Jahren den Geschäftsbereich RF-Testing ins Leben gerufen haben, legen wir wieder einen deutlich stärkeren Fokus auf die reine Hochfrequenz-Messtechnik – ohne jedoch die HF-Safety zu vernachlässigen.

Welchen Stellenwert rechnen Sie dem RF-Testing-Segment im Vergleich zu den drei weiteren Geschäftsbereichen Safety, EMC und Kalibrierung zu?

Unser traditionell größter Umsatzträger und das Hauptstandbein ist nach wie vor der Bereich Safety. Seit unserer Gründung im Jahr 2000 sind wir in diesem Markt aktiv und haben uns zum Marktführer entwickelt. Über das gesamte Unternehmen betrachtet, stellt EMC das zweitgrößte Geschäftssegment dar, allerdings konzentrieren sich diese Aktivitäten am Standort Italien. Für Deutschland soll RF-Testing künftig das zweite Standbein sein – hier erwarten wir deutliche Zuwachsraten. Der Bereich Kalibrierung wächst ebenfalls – zumal wir einer von nur drei Anbietern sind, die für Kalibrierungen im E-Feld DAkkS-akkreditiert sind.

Warum brauchen Sie ein zweites Standbein?

Ein Unternehmen, das weiter wachsen will, kann es sich nicht leisten, stehen zu bleiben. Daher haben wir beschlossen, unser Know-how im Bereich der Hochfrequenz-Messtechnik und der Funkstörungsdetektion noch besser zu nutzen und es mit selber entwickelten Produkten in einem eigenen Geschäftsbereich zu vermarkten.

Aber das Marktsegment, in das Sie damit einsteigen, ist bereits dicht besetzt – und das mit durchaus namhaften Firmen wie Rohde & Schwarz, Agilent und Anritsu. Wie behaupten Sie sich in diesem Umfeld?

Nun, wir fokussieren uns – zum einen auf ein ganz spezielles Segment, zum anderen auf momentan nur zwei Produkte. Das erste ist ein Handheld-Signalanalysator mit außergewöhnlich hoher Auflösung, wie man sie sonst nur in großen und teuren Laborgeräten findet. Dieses Gerät steht für rund 80 Prozent unseres Umsatzes im RF-Testing-Segment. Die restlichen 20 Prozent entfallen auf ein System zur Integration in größere Anlagen für diverse Anwendungen in der professionellen Funküberwachung. Darüber hinaus sind wir Global Player und auf allen Kontinenten schon vertreten.

Aber dennoch wird es nicht einfach sein, sich in diesem Markt als relativ neues, kleines Unternehmen gegen die großen Mitbewerber durchzusetzen…

Die kleine Organisationsstruktur ist für uns eher ein Vorteil. Wir sind nahe dran am Kunden, wir wissen, welche Hilfestellung er wirklich braucht und bieten sie ihm. Außerdem haben wir den Vorteil, dass wir aus dem Bereich der HF-Safety schon gut bekannt sind. Als Marktführer kennen viele Kunden die Narda-Safety-Messtechnik bereits, mit der sie beispielsweise im Bereich Personenschutz überwachen können, ob sie erhöhter Strahlung ausgesetzt sind. Das Branding ist also schon bekannt – das hilft uns natürlich dabei, im RF-Test Fuß zu fassen. Jetzt gilt es, unsere Kompetenz auch hier unter Beweis zu stellen.

Welchen Messtechnik-Trends folgen Sie dabei?

Zunächst beobachten wir, dass Kunden immer mehr Intelligenz von einem Messgerät erwarten. Das hängt meines Erachtens damit zusammen, dass die hochspezialisierten Techniker, die auch die größeren Zusammenhänge kennen, immer rarer werden. Das müssen die Messgeräte nun auffangen. Ein grundsätzlicher Trend ist natürlich der Zeitmangel. Anwender – vor allem, wenn sie ungeübt sind – haben einfach keine Zeit, über die Zusammenhänge nachzudenken, Ursachenforschung zu betreiben oder ein Messergebnis langwierig zu interpretieren. Also muss das Messgerät auch dies können – es muss eine Messung durchführen, die Fehlerquelle lokalisieren, die Ursache anzeigen und sie sofort analysieren. Hier kommt ein weiterer Trend ins Spiel: Anwender erwarten, dass sie ihr Messgerät überall mit hinnehmen können. Kein Techniker möchte mit einem schweren Laborgerät zum Einsatz vor Ort fahren und es dort am Antennenmast hochziehen. Insofern müssen Messgeräte immer kleiner und leichter werden und dabei doch immens leistungsfähig bleiben – und eben intelligent. Diese Trends werden uns auch in Zukunft begleiten. Für Narda ergibt sich daraus ein großes Potential, denn wir greifen mit unserem Gerätekonzept genau diese Trends und Tendenzen auf.