Sensorik im Sicherheitseinsatz Intelligenter Fußboden passt auf's Haus auf

Beruhigt in den Urlaub: Die Balkontür war leicht zu knacken. Noch ein Schritt, und dann – löst der intelligente Fußboden CapFloor Alarm aus.
Beruhigt in den Urlaub: Die Balkontür war leicht zu knacken. Noch ein Schritt, und dann – löst der intelligente Fußboden CapFloor Alarm aus.

Einbrecher sollen es künftig schwerer haben, in Häuser einzusteigen, deren Besitzer nicht zuhause sind: Forscher des Fraunhofer Instituts IGD haben einen berührungsempfindlichen Fußboden entwickelt, der erkennt, wenn ein Mensch ihn betritt, und der dann gegebenenfalls Alarm schlägt.

Basis des berührungsempfindlichen Bodens ist ein Gitter aus einfachen Drähten, das unter dem Parkett oder Teppich montiert wird. Die Drähte werden von einem sehr schwachen elektrischen Feld umgeben. Bewegt ein Mensch seinen Fuß hindurch, ändert sich das elektrische Feld in diesem Bereich.

Das System meldet eine Bewegung – beispielsweise beim Einbruch, wenn das Haus verlassen und verschlossen ist. Ganz gleich über welchen Weg ein Dieb in ein unbewohntes Haus einsteigt – sobald er den Boden berührt, gibt es Alarm. Je nach Wunsch des Besitzers kann das System dann über die Haustechnik eine Sirene auslösen oder eine Warnmeldung an ein Smartphone oder einen Sicherheitsdienst absetzen.

Einfache und günstige Technologie

Grundlage von CapFloor ist eine komplexe Software, die die verschiedenen technischen Komponenten miteinander verknüpft – das Schließsystem, die Lichtanlage oder die elektrischen Geräte.

»Das Besondere ist, dass die im Boden verbaute Technik auf ein Minimum reduziert wurde«, sagt Dr. Reiner Wichert vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD in Darmstadt. Unter seiner Leitung hat ein Forscherteam die intelligente Trittfläche entwickelt. »Bei anderen Systemen am Markt wird unter dem Boden schwer wartbare Elektronik verbaut. Bei CapFloor hingegen werden einfache Drähte verlegt. Die Sensoren verschwinden am Rande des Raums in der Fuge unter der Fußleiste und werden per Klickstecker an das Drahtgeflecht montiert. Pro Zimmer ist dann nur noch ein kleines Gerät nötig, das die Sensorsignale verarbeitet und zum zentralen Schaltschrank leitet. Dort ist auch eine kleine Verarbeitungseinheit verbaut, die Stürze erkennt und Hilfe rufen kann. Somit bleiben alle gesammelten Daten innerhalb des Hauses.«

Weitere Anwendungen: Sturzerkennung, Gebäudetechnik

Die Entwicklung des Fraunhofer IGD eignet sich auch für andere Anwendungen. »Zunächst wollten wir erkennen, ob ein Mensch gestürzt ist«, sagt Wichert. »Doch uns wurde schnell klar, dass ein solches System mehr kann.«

So lässt sich die Technologie einfach im bestehenden Schaltschrank mit der Gebäudetechnik verbinden, etwa mit der Licht- oder Heizungssteuerung. Betritt eine Person einen Raum, geht das Licht von alleine an. Verlässt sie das Zimmer, wird das Licht gelöscht. Zudem fährt automatisch die Raumheizung herunter, wenn sich länger niemand im Raum aufhält. Weitere Funktionen sind Warnmeldungen per SMS: zum Beispiel, wenn Kleinkinder nachts das Bett verlassen oder wenn sich im Haus länger nichts mehr bewegt hat und der Herd trotzdem noch eingeschaltet ist.

Pilotprojekt läuft

In einem Pilotprojekt werden aktuell über 30 Appartements und Wohngemeinschaften für Demenzkranke mit der Technologie ausgestattet. Das System erkennt, ob eine Person durch den Raum geht oder ein Haustier vorüberhuscht. Stehen die Bewohner nachts auf, um zur Toilette zu gehen, schaltet sich das Licht automatisch ein, sobald der Fuß den Boden berührt.

Zu CapFloor gehört ein Notfallsystem mit verschiedenen Stufen. Bleibt eine Person länger regungslos liegen, weil sie eventuell bewusstlos ist, beginnt das Licht in der Wohnung zu blinken. Reagiert der Bewohner nicht und schaltet es nicht aus, werden nacheinander zunächst Angehörige, Nachbarn und schließlich der Notdienst per Telefon oder SMS alarmiert.

Mitte kommenden Jahres soll das Produkt in Kooperation mit einem Industrieunternehmen auf den Markt kommen.