Kommentar Intelligente Zähler: Schutz vor Hackern ist entscheidend

Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik
Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik

Smart Meters haben sich in Deutschland noch nicht durchgesetzt. Es ließen sich viele Gründe dafür aufzählen, warum das so ist.

Meist wird dabei aber ein Punkt übersehen: Wenn tatsächlich einmal 40 Mio. intelligente Zähler in den Haushalten installiert sind, bieten sie Angreifern ein ideales Einfallstor. Damit es Hackern möglichst schwer gemacht wird, über die Zähler das gesamte Energienetz lahm legen zu können, müssen umfangreiche Schutzmaßnahmen ergriffen werden, was das BSI in Bonn auch im Zusammenhang mit dem Cyber-Abwehrzentrum, das kritische Infrastrukturen schützen soll, kürzlich betont hat.

Der Schutz fängt auf der Ebene der Bauelemente an, und die Vorschriften könnten genauso streng ausfallen wie etwa im Bereich der Smartcards. Das BSI in Bonn erarbeitet gerade Regulierungen dazu. Wer sich mit den Bauelementen und dem Aufbau von Smart Meters befasst, der sollte genau verfolgen was dort geplant wird - zumal schon bald mit Ergebnissen zu rechnen ist. Dies wird übrigens auch ein wichtiges Thema des »1. Energie&Technik Smart Home & Metering Summit« am 26. Oktober in München sein.

Heute aber stehen zumeist ganz andere Fragen auf der Tagesordnung. Denn es stimmt ja: Derzeit sehen die Verbraucher keinen großen Sinn darin, sich teure intelligente Zähler anzuschaffen, über die sie dann einen nur sehr geringen Betrag einsparen können. Außerdem befürchten sie einen unzureichenden Datenschutz.

Die EVUs und Netzbetreiber sehen ebenfalls keinen Sinn darin, zu investieren, denn es zeichnet sich noch nicht ab, wie sich damit in der Realität tatsächlich Geld verdienen lässt. Den Kunden dazu zu verhelfen, vom dem Produkt, das man verkauft, weniger abzunehmen, dürfte die EVUs nicht gerade euphorisieren.

Und um lediglich Tag- und Nachtstrom abzurechnen, sind intelligente Zähler nicht erforderlich. Denn es gibt die zeit- und lastvariablen Tarife noch nicht, die aber Voraussetzung dafür wären, Lastmanagement durchzuführen, das wiederum wegen des schnell wachsenden Anteils fluktuierender Energiequellen erforderlich wird. Und viertens ist im Moment immer noch nicht klar, was ein Smart Meter wirklich können soll.

Zugegeben - für jedes der Argumenten dieser noch nicht einmal vollständigen Liste ließen sich durchaus Gegenargumente finden - aber es wäre eben viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

Vielleicht ändert sich dies Bild aber grundlegend, sobald die Sicherheits-Regulierungen stehen. Dann dürfte klar sein, was ein Smart Meter wirklich können muss und dann wird es voraussichtlich auch gesetzliche Regelungen geben, die den Rollout vorantreiben werden.

Für die Hersteller der Systeme und der Komponenten dafür ist das eine gute Nachricht. Denn wegen der hohen zu erfüllenden Sicherheitsstandards benötigen die Geräte viel relativ teure Elektronik.

Wer dann schlussendlich die Zeche für den Rollout zahlen wird, steht auf einem ganz anderen Blatt. Die Antwort darauf überlasse ich der Phantasie - und der Erfahrung - der Leser.

Ihr Heinz Arnold