Kommentar Industrie 4.0: Ohne Sensorsysteme geht nichts

Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik
Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik

Zwei große Themen stehen für Michael Ziesemer, dem neuen Präsidenten des ZVEI, im Vordergrund der Verbandsarbeit: Energieeffizienz und Internet of Things (IoT), zu dem er auch Industrie 4.0 zählt. Beides steht in engem Zusammenhang.

Ob es um Automatisierungstechnik in der Produktion, in Gebäuden oder in den eigenen vier Wänden, ob es um energieeffiziente Antriebe geht- überall sind dieselben Grundlagentechniken erforderlich. Das Schöne daran: In den meisten dieser Techniken hat sich die deutsche Industrie über viele Jahre eine sehr gute Ausgangsposition erarbeitet. Jetzt gilt es, den Vorsprung nicht zu verspielen. Die Sensortechnik wird dabei eine wichtige Rolle spielen.

Nun mag sich mancher auf den Standpunkt stellen: Wer Sensoren baut, der muss sich nicht um IoT, Industrie 4.0 oder Smart Grid kümmern, denn Sensoren nehmen Daten auf und was auf den höheren Ebenen damit geschieht, ist nicht Sache des Sensorherstellers. Das dürfte etwas kurz gedacht sein. Der große Trend innerhalb der Sensortechnik – Sensorfusion – verlangt, dass die Sensorhersteller sich viele Gedanken um das gesamte Sensorsystem machen: Das fängt bei der eigentlichen Sensortechnik an und erstreckt sich über die Art der Integration der verschiedenen Sensortypen, über die Energieversorgung und das Powermanagement bis zu den Kommunikationstechniken – insbesondere Funk – und reicht bis zu den ausgeklügelten Algorithmen und der Software, die Sensorfusion erst sinnvoll machen.

All dies lässt sich nur durchführen, wenn die Anforderungen der übergeordneten Ebenen – IoT und Industrie 4.0 - bekannt sind. Und ganz abgesehen davon dürfte es auch für Hersteller von Sensorsystemen sehr interessant sein, welchen Einfluss welche neuen Geschäftsmodelle in so unterschiedlichen Gebieten wie Logistik, Verkehrsleittechnik, Gebäude und Hausautomatisierung und Produktion auf ihr eigenes Geschäftsmodell nehmen werden. Dr. Günther Kegel von Pepperl + Fuchs hat eine der Aufgaben im Blick, wie er auf dem ZVEI-Jahreskongress erklärte: »Wir müssen ein deterministisches echtzeitfähiges Netz aufbauen, daran arbeiten wir. Es komme darauf an, das vorhandene Domänenwissen umzusetzen und entsprechende Referenzarchitekturen zu entwickeln.«

Allerdings: »Wenn wir es nicht schaffen, den Kunden den Nutzen zu vermitteln – beispielsweise Stückzahl 1 oder hohe Flexibilität – wird er nicht dafür bezahlen.« Daran wiederum müssten auch die Verbände arbeiten. Die Normen aber, so betonte Dr. Werner Struth, Geschäftsführer von Bosch, auf der Veranstaltung, müsse die Industrie selber setzen: »Es besteht dringender Handlungsbedarf!« Und Michael Ziesemann hieb in die selbe Kerbe: »Wir müssend die Flughöhe reduzieren und Teillösungen realisieren.«

Die Sensorhersteller sollten bei der Realisierung eine wesentliche Rolle spielen. Erst mal abwarten, was mit IoT und Industrie 4.0 wohl so alles auf sie zukommen könnte, wäre die falsche Strategie. Denn IoT und Industrie 4.0 verlangen vor allem eines: über den eigenen Tellerrand hinausschauen und – loslegen. Sensorsysteme sind wesentlich, damit Industrie 4.0, IoT und die Energiewende gelingen. Die Zeit allerdings drängt. 

A propos »Über den Tellerrand schauen«: Wenn Sie sich über Fachgrenzen hinweg über den neuesten Stand der Industrie 4.0 informieren möchten, dann darf ich Ihnen am 14. und 15. Oktober den Besuch des 2. Markt&Technik Summit in München empfehlen. Ab sofort ist die Anmeldung zu vergünstigten Frühbucherkonditionen möglich. Details stehen unter www.industrie4-summit.de zur Verfügung.

Ihr Heinz Arnold