Generationswechsel bei Rohde & Schwarz »Ich habe nie versucht, Karriere zu machen«

Roland Steffen, Rohde & Schwarz: »Nicht die Karriere war es, die mich gereizt hat, sondern der Umstand, immer mehr bewegen zu können, immer mehr Handlungsspielraum zu haben.«

Vor genau 40 Jahren startete Roland Steffen als Entwickler bei Rohde & Schwarz, und in den vergangenen 14 Jahren verantwortete er als Bereichsleiter Messtechnik den umsatzstärksten Geschäftsbereich des Elektronikkonzerns. Nun geht er in den Ruhestand. Ein Rückblick. Und ein Ausblick.

Markt&Technik: Herr Steffen, nach so vielen Jahren ziehen Sie sich aus dem aktiven Berufsleben zurück. Wie geht es Ihnen damit?

Roland Steffen: Überwiegend gut. Ich denke, es ist an der Zeit, die junge Generation ans Ruder zu lassen. Sehen Sie, in so vielen Jahren im Job macht man viele Erfahrungen, gute und schlechte. Die guten legt man als erledigt ab, aber die schlechten bleiben im Kopf. Dadurch wird man risikoscheuer. Immer häufiger denkt man „Ach, das hat früher schon nicht funktioniert, das lassen wir lieber“. Dabei haben sich die Umstände in der Zwischenzeit vielleicht völlig verändert und es wäre doch der richtige Weg. Ein gleitender Generationsübergang ist gut und wichtig für ein Unternehmen. Die älteren Mitarbeiter können ihre Erfahrungen weitergeben, die jüngeren können diese mit den aktuellen Umständen abstimmen und mit neuen Blickwinkeln ergänzen – unbeeinflusst von den Erfahrungen der Vergangenheit. Damit reduziert sich das Risiko für ein Unternehmen.

Vom Entwickler zum Bereichsleiter Messtechnik – und damit zur Verantwortung für gut 1 Milliarde Euro Umsatz. Wie ist dieser Weg für Sie verlaufen?

1977 habe ich als Hardware-Entwickler mit Schwerpunkt Mikrowellentechnik begonnen. Zunächst habe ich mich mit Netzwerkanalyse befasst; kurz darauf ist Rohde & Schwarz in den Bereich der Logikanalyse eingestiegen, ein für Rohde & Schwarz völlig neues Arbeitsgebiet. Ein paar Jahre später haben wir das wieder aufgegeben, es passte einfach nicht zum Unternehmen. Für mich war es stark prägend, zu sehen, dass es nicht reicht, nur ein gutes Produkt zu haben. Ein guter Zugang zum Markt ist mindestens genauso wichtig. Von dieser Erfahrung habe ich lange gezehrt. Letztendlich hat sich bewahrheitet: Man muss auch mal was bleiben lassen. Ich habe mich dann der Protokollmesstechnik im Mobilfunk gewidmet und wurde 1996 gefragt, ob ich denn nicht das Arbeitsgebiet Mobilfunk leiten möchte.

Eigentlich wollte ich nicht ins Management, denn ich mochte meinen Job als Entwickler. Mit Blick auf die anderen denkbaren Kandidaten, für die ich aber nicht arbeiten wollte, hatte ich mich dann entschlossen, die Position doch selber zu übernehmen. So hatte ich nun also meine erste Führungsposition mit Profit&Loss-Verantwortung inne. 2003 berief mich mein damaliger Chef erneut zu seiner Nachfolge. Auch hier schien mein Weg vorgezeichnet, denn er sagte zu mir: „Herr Steffen, Sie stehen ja wohl zur Verfügung!?“ – und damit war ich schließlich Leiter des Geschäftsbereichs Messtechnik.

Das hört sich nach einer großen Leichtigkeit an…

Tatsächlich hat sich vieles einfach entwickelt. Ich habe nie versucht, Karriere zu machen, wollte nur gute Arbeit leisten. Aber ich habe mich schon immer um vieles gekümmert, auch außerhalb meines eigentlichen Jobs. Und ich hatte schon früh den Vertrauensvorschuss, den man braucht, um kreativ zu sein.

Welche Ziele hatten Sie sich als Bereichsleiter Messtechnik gesetzt? Und haben Sie diese erreicht?

Bevor ich diese Position übernommen habe, wurde mir der Besuch einer Business School ermöglicht. Am Ende sollte sich jeder selber einen Brief schreiben, in dem er seine Ziele und Maßnahmen definiert. Nach einem Jahr sollte man den Brief wieder zur Hand nehmen und schauen, was man davon erreicht hat. Im Endeffekt habe ich alles erreicht – aber ich habe dafür nicht ein Jahr, sondern gut drei Jahre gebraucht. Daraus habe ich gelernt, dass man sich zwar immer eine klare Richtung vornehmen muss, die tatsächlich benötigte Zeit aber von so vielen Faktoren abhängt, dass man sie nicht immer korrekt abschätzen kann. Man darf nur nicht aufgeben, muss trotz Rückschlägen immer weitermachen und Durchhaltevermögen beweisen. Das ist meine Mentalität, aber auch die des Unternehmens. Denken Sie nur an unseren Einstieg ins Oszilloskopgeschäft vor sieben Jahren. Das war ein zäher Weg und wir haben ein wenig länger gebraucht, als wir uns das vorgenommen hatten. Aber letztendlich hat uns unser Durchhaltevermögen wieder einmal geholfen. Wir bleiben dran – und das macht uns letztendlich erfolgreich.