Messring Testing Day 2014 Hohe Fahrzeugsicherheit dank neuer Crashtest-Szenarien

Der angestrahlte Schlitten auf dem Compact-Impact-Simulator kurz bevor der Kolben den Whiplash Test auslöst
Der angestrahlte Schlitten auf dem Compact Impact Simulator kurz bevor der Kolben den Whiplash Test auslöst

Dass Autofahrer in ihren Fahrzeugen heute deutlich besser geschützt sind als je zuvor, ist unbestritten. Vor diesem Hintergrund beleuchteten die Experten von Messring und dem ADAC auf dem »Messring Testing Day 2014« die Bedeutung neuer Testszenarien, Crashtests und Dummy-Versuche. Ort des Geschehens: das unternehmenseigene Prüfcenter von Messring in Krailling bei München.

Die Zahl der Kraftfahrzeuge auf deutschen Straßen nimmt Jahr für Jahr zu, gleichzeitig sinkt die Zahl der Verkehrstoten immer weiter. Diese erfreuliche Entwicklung ist nach Ansicht von Experten des Messring Testing Day 2014 vor allem darauf zurückzuführen, dass die Sicherheitssysteme der in Deutschland zugelassenen Fahrzeuge immer moderner und wirksamer werden.

»Autofahren in Deutschland war noch nie so sicher wie heute«, so Dierk Arp, Geschäftsführer der Messring Systembau GmbH in Krailling. Und auch Volker Sandner, Leiter Fahrzeugsicherheit beim ADAC unterstreicht: »Die Entwicklungsgeschwindigkeit beim Thema Kfz-Sicherheit ist rasant. Das kann man auch an der Häufung von Fünf-Sterne-Ergebnissen beim Euro-NCAP Test erkennen.« Ein Ende ist für ihn nicht absehbar. Im Gegenteil: »Durch neue weiterführende Testprotokolle und Crashszenarien, die in den nächsten Jahren eingeführt werden, sorgen wir dafür, dass auch in Zukunft die Zahl der Verkehrstoten und -verletzten in Deutschland weiter sinken wird.« 

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Messring Testing Day 2014

Messring Testing Day 2014

Sicherheit durch Prävention

Vor allem die verbesserte passive Sicherheit von Fahrzeugen in Deutschland hat nach Ansicht der Experten dazu geführt, dass die Zahl der Verkehrstoten von knapp 20.000 im Jahr 1970 auf zuletzt 3290 (Stand 2013) zurückgegangen ist. Der ADAC und andere Verbraucherschutzorganisationen drängen darauf, in Zukunft auch die Zahl der Verletzten im Straßenverkehr deutlich zu reduzieren. Hier spielen aktive Sicherheitssysteme, die Unfälle vor vorneherein vermeiden helfen, eine große Rolle.

Das Testequipment hat sich drastisch verändert

Wie wichtig es für Messring als weltweit führendem Planer und Entwickler von Crashtestanlagen ist, mit dieser Entwicklung Schritt zu halten, machte Messring-Geschäftsführer Dierk Arp im Rahmen einer kurzen »Evolution der Crashtesttechnologie der letzten 50 Jahre« deutlich. Während in den Anfangszeiten noch Kräne, Raketenantriebe und anderes schweres Gerät zum Einsatz kam, um die Fahrzeuge groben Belastungstests zu unterziehen, greift man heute längst auf millimetergenau arbeitende Lenk- und Schlittensysteme, modernste Mess- und Kameratechnik sowie ständig weiterentwickelte Dummies zurück. Zudem arbeitet Messring mit dem ADAC sowie anderen Kooperationspartnern bereits seit Längerem bezüglich Testsystemen für Notbremsassistenten zusammen.

Fahrzeugkompatibilität als Herausforderung

Eine große Herausforderung für die Automobilindustrie ist neben der Erschließung alternativer Antriebe und der Einführung neuer, gewichtssparender Materialien vor allem die immer größer werdende Kluft zwischen Kleinwagen sowie massigen Limousinen und SUVs. Die daraus entstehenden Sicherheitsrisiken gilt es zu identifizieren und zu meistern. Im Rahmen von Crashtests muss beispielsweise festgestellt werden, wie es sich mit der passiven Sicherheit (beispielsweise der Karosseriefestigkeit) verhält, wenn ein Kleinwagen von einem tonnenschweren SUV frontal oder mit leichter Überlappung getroffen wird. Wie Wolfgang Rohleder, Manager Sales und Application bei Messring, erläuterte, entstehen hier oftmals große Schäden an der Gesamtkarosserie des Kleinwagens und das Sicherheitskonzept des Automobils kollabiert.

»Wir beschäftigen uns aktuell sehr stark mit der Frage der Fahrzeugkompatibilität bei Unfallszenarien und der Verschmelzung von aktiver und passiver Sicherheit«, so Rohleder. Bei früheren Crashtests wurden Autos meist gegen feststehende Hindernisse wie Aufprallblöcke gefahren, um die passive Sicherheit eines Fahrzeugs zu testen. Um genau solche Szenarien besser testen zu können und auch die Fahrzeughersteller auf diese Problematik aufmerksam zu machen, entwickeln Verbraucherorganisationen wie der ADAC und EuroNCAP immer wieder neue Testprotokolle. Damit diese neuen Crashtests realisiert werden können, sind Firmen wie Messring stets aufs Neue gefordert, passende Anlagen- und Messtechnik zu entwickeln.

Car2Car-Versuche

Bei der Problematik der Fahrzeugkompatibilität sind dies meist Car2Car-Versuche, bei denen zwei Fahrzeuge mit unterschiedlicher Geschwindigkeit aufeinander prallen. Die Herausforderung an die Technik: Car2Car-Versuche müssen höchst präzise, das heißt in der Regel millimetergenau durchgeführt werden, um valide Ergebnisse zu erzielen. Außerdem benötigt man für solche Tests eine entsprechend große und moderne Crashtestanlage.

Wie solche Versuche in der Praxis aussehen, ließ sich im Rahmen des Messring Testing Day mehr als nur erahnen. Für Forschungszwecke (und um eigene Produkte auf Herz und Nieren zu prüfen) unterhält Messring eine eigene Inhouse-Testanlage, in der im Rahmen des Testing Day eigens Versuche stattfanden. Dazu zählten ein Versuchsaufbau auf dem MicroTrack Schienensystem sowie ein Whiplash-Test (HWS-Schleudertrauma) mit dem Compact Impact Simulator (CIS). Dabei handelt es sich um ein hochmodernes kompaktes Crashtestsystem, auf dem ein Schlitten auf bis zu 65 km/h beschleunigt werden kann, und Crashtest-Dummys mit passender Indummy-Messtechnik und LED-Lichtsystemen zum Einsatz kommen.

Hersteller- und Fahrzeug-unabhängige Crashtests

Egal, ob Toyota, DAIMLER, Volkswagen, Fiat Chrysler, der ADAC, das chinesische oder das kanadische Verkehrsministerium – sie alle testen Fahrzeuge, Komponenten oder andere Produkte auf Anlagen von Messring. Bis dato hat die Firma mehr als 100 komplette Crashtestanlagen auf der ganzen Welt geplant und realisiert. Mehrere große Anlagen, u.a. in China, Indien, Brasilien, USA und Deutschland, befinden sich aktuell in der Planungs- und Bauphase. Getestet wird dabei nahezu alles, was sich auf Straßen, Schienen oder in der Luft bewegt. Das Verhalten von Fahrzeugen in allen erdenklichen Unfallsituationen (z.B. Fahrzeug gegen Fahrzeug oder Fahrzeug gegen stehendes Hindernis) wird ebenso simuliert wie die Verletzungsgefahr durch Sitzbänke in Zügen oder die Qualität von Sicherheitsausrüstung wie Helmen, Kindersitzen, Gurten, Airbags.