Nach der Übergabe des Adapterbaus an ATX Hardware Feinmetall fokussiert auf seine Kernkompetenzen

Ulrich Lieb, Feinmetall: »Feinmetall wird sich künftig ganz auf Probecards und Kontaktstifte konzentrieren. Dazu war es ein folgerichtiger Schritt, den Adapterbau an ATX zu transferieren.«
Ulrich Lieb, Feinmetall: »Feinmetall wird sich künftig ganz auf Probecards und Kontaktstifte konzentrieren. Dazu war es ein folgerichtiger Schritt, den Adapterbau an ATX zu transferieren.«

Feinmetall trennt sich von seinem Geschäftsbereich Adapterbau und fokussiert künftig auf die Kernkompetenzen Prüf- und Kontaktstifte sowie Probecards. Markt&Technik sprach mit Ulrich Lieb, Leiter Vertrieb und Marketing von Feinmetall, über die Hintergründe.

Markt&Technik: Warum trennt sich Feinmetall vom Adapterbau?

Ulrich Lieb: Die tragenden Geschäftsbereiche von Feinmetall sind die Segmente Kontaktstifte und Probecards. Hier lagen in den vergangenen Jahren auch die größten Wachstumsbereiche für uns – mit meist zweistelligen Steigerungsraten und entsprechendem Fokus. Der Adapterbau hat für uns immer mehr an Bedeutung verloren und macht am Gesamtumsatz des Unternehmens deutlich weniger als zehn Prozent aus. Indem wir uns künftig auf unsere Kernkompetenzen konzentrieren, können wir unser Wachstumspotential in diesen Bereichen noch besser ausschöpfen.

In der Außenwirkung ist von einer Kooperation zwischen Feinmetall und ATX die Rede. Aber ist es nicht de facto eine Geschäftsübergabe an einen Mitbewerber?

Streng genommen, ja. Allerdings leben wir die Kooperation nach innen und außen tatsächlich als partnerschaftliches Miteinander. ATX ist bereits seit Jahren Geschäftspartner von Feinmetall. Wir haben schon viele Kundenbesuche gemeinsam unternommen und sind als Partner aufgetreten. Mit der offiziellen Übergabe des Adapterbaus an ATX haben wir nur einen weiteren Schritt in dieser Partnerschaft getan.

Was bedeutet der Transfer für Ihre Kunden?

Wir haben Wert darauf gelegt, eine durchgängige Lösung zu finden. Bestehende Aufträge arbeiten wir selbstverständlich noch selber ab, dann erfolgt ein fließender Übergang, bei dem sichergestellt ist, dass die Kunden nahtlos bedient werden. Qualitativ wird sich nichts ändern; weil wir den Geschäftsbereich an unseren langjährigen Partner übergeben haben, mit dem wir auch weiterhin hinsichtlich Prüfstiften eng zusammenarbeiten werden, können die Kunden sicher sein, dass sie auch in Zukunft die hochwertigen Komponenten bekommen, die sie erwarten. Unser Kontaktierungs-Know-how stellen wir den Kunden aber auch künftig zur Verfügung – kundenspezifische Kontaktierungen machen wir weiter. Dabei liegt der Schwerpunkt jedoch ganz klar auf den Stiften, und hier auch eher in der Serienproduktion.

Was wird aus den Mitarbeitern des scheidenden Geschäftsbereichs?

Als mittelständisches Familienunternehmen sind wir uns unserer Verantwortung für die Mitarbeiter sehr bewusst – auch wenn wir einen Geschäftsbereich auslagern. In diesem Zusammenhang sind uns zwei Dinge wichtig: Einerseits wollen wir unseren Mitarbeitern ihre weitere berufliche Zukunft sichern, andererseits wollen wir deren Know-how nicht verlieren, denn es ist schwer, gut qualifizierte Mitarbeiter zu finden.

Insofern war es eine willkommene Gelegenheit, die Mitarbeiter aus dem Adapterbau zur Deckung der Ressourcenbedarfe in den beiden anderen Bereichen bei Feinmetall zu übernehmen. Bis auf wenige Mitarbeiter aus der Produktion – von denen einige jetzt nicht weit von Feinmetall entfernt bei ATX Adapter bauen – wurden alle Mitarbeiter übernommen.

Nun geben Sie also eines Ihrer traditionsreichsten Standbeine ab. Wie geht es Ihnen persönlich damit?

Nun, technisch gesehen ist der Adapterbau ein sehr interessantes und abwechslungsreiches Feld, denn jeder Adapter ist anders und jede Anwendung erfordert eine individuelle Lösung. Insofern ist es schade, dass wir uns aus diesem Geschäft zurückziehen. Allerdings ist Adapterbau ein aufwändiges Geschäft mit einem extremen Preisdruck: Auch wenn der Adapter grundlegend wichtig für jeden Test ist, fehlt es oft am Verständnis für den Preis. Und wenn - aus welchen Gründen auch immer - die Adaptierung nicht direkt beim ersten Mal perfekt auf die Anwendung passt, zahlt man als Hersteller auch schon mal drauf. Insofern ist die Entscheidung letztendlich richtig.

Das Interview führte Nicole Wörner, Markt&Technik.