Markt für intelligente Stromzähler Fehlende Regularien bremsen Smart Metering

Smart Metering setzt sich in Deutschland nur sehr zögerlich durch - obwohl dieser »intelligenten« Art des Stromsparens eine brillante Zukunft vorausgesagt worden war.

»Im Markt ist wenig Investitionsbereitschaft«, sagt Christoph Bujak, Vertriebsleiter des deutschen Stromzähler-Herstellers EasyMeter. »Der Markt rund um den Zähler ist seit Jahrzehnten sehr konservativ. Und somit erfolgt jetzt erst die langsame Umstellung von Mechanik auf Elektronik.« Die Branche ist nach Bujaks Überzeugung sehr verunsichert, unter anderem weil die Marktwünsche von den unterschiedlichsten Ideen und einer großen Bandbreite verschiedener Funktionalitäten geprägt seien. »Mit vielen unterschiedlichen Meinungen und dem Wunsch, das Endziel sofort zu erreichen, ruft man natürlich gerne nach dem Schiedsrichter ’Gesetzgebung‘«, so Bujak. »Hier ist aber auch der Markt gefordert, denn die politischen Ziele sind bekannt, und eine allgemeine Zurückhaltung ist nicht zielführend.«

Unter den Stromanbietern war Yello einer der Vorreiter für Smart Metering. Das Unternehmen hatte bereits sehr früh erkannt, dass es sich mit der neuen Technik vom Mitbewerb differenzieren kann. So erhebt auch Uli Huener, Geschäftsführer von Yello, die Forderung nach konkret definierten Regularien. »Der Wettbewerb im Zählermarkt ist Ende 2008 eröffnet worden«, so Huener. »Es braucht natürlich Zeit, bis er in Schwung kommt - ähnlich wie wir es bereits vor zwölf Jahren nach der Liberalisierung des Strommarktes erlebt haben. Das liegt u.a. an fehlenden regulatorischen Rahmenbedingungen, die erst nach und nach geschaffen werden.« Huener unterstreicht, dass die Erfahrung aus den knapp zwei Jahren, in denen der Yello-Sparzähler bundesweit auf dem Markt ist, zeigt, dass der Markt funktioniert. »Allerdings müssen auch hier regulatorische Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit der Wettbewerb angekurbelt wird; eine Standardisierung der Wechselprozesse zum Beispiel.« Technische Standards für intelligente Zähler hingegen seien Gift. Eine Standardisierung hätte zur Folge, dass Anbieter ihre Produktideen nur in einem vorgegebenen Rahmen verwirklichen könnten. »Vom Wettbewerb hingegen profitiert der Kunde: Je mehr Angebote es gibt, desto individueller kann den Bedürfnissen des einzelnen Kunden Rechnung getragen werden«, so Huener.

Immer häufiger kommt die Frage auf, ob man einen elektronischen Zähler denn wirklich braucht. »Aber das ist so, als ob man 1990 jemanden gefragt hätte, ob er das Internet braucht, da hätten viele auch erst mal verhalten regiert«, so Bujak.

Längerfristig würden sich sehr interessante Möglichkeiten ergeben, dazu müsse aber eben die Kommunikationsinfrastruktur heute geschaffen werden. Und auch Uli Huener ist trotz der fehlenden Regularien optimistisch für die Zukunft des Smart Meterings. »Yello hat als erster Anbieter Ende 2008 ein Smart-Meter-Produkt bundesweit auf den Markt gebracht«, so Huener. »Die Erfahrungen zeigen, dass die Kundengruppe, für die intelligente Zähler interessant sind, kontinuierlich wächst. Wenn man davon ausgeht, dass die Energiekosten generell eher steigen werden, wächst auch das Bewusstsein, Energie effizient und sparsam zu nutzen. In diesem Kontext hilft Smart Metering. Allerdings - davon sind wir überzeugt - stehen wir hier erst am Anfang einer Bewegung. Kunden werden verstärkt nach individuellen Lösungen suchen. Intelligente Zähler als Basisplattform sind hierfür gut geeignet. Leider gibt es auf dem Zählermarkt aber noch zu wenig marktreife Angebote, die dem Kunden einen solchen unmittelbaren Mehrwert bieten - im bundesweiten Markt ist Yello unseres Wissens nach allein auf weiter Flur«, so Huener.