Testsysteme für die Halbleiterproduktion »Es ist sinnvoll und wichtig, breit aufgestellt zu sein«

Mit seinem breiten Portfolio hat sich ATEcare eine sehr gute Marktposition erarbeitet. Doch der Wettbewerb – speziell im Bereich der optischen Inspektion – wird immer härter. Woran das liegt und mit welchen Maßnahmen das Unternehmen gegensteuert, erklärt Olaf Römer, Geschäftsführer von ATEcare.

Markt&Technik: Wenn man über Fertigungsmessen wie die productronica oder die SMT/Hybrid/Packaging geht, hat man den Eindruck, dass es immer mehr Anbieter von Inspektions- und Testsystemen gibt. Ist das tatsächlich so?

Olaf Römer, ATEcare: Ja, vor allem im Bereich der AOI, der automatischen optischen Inspektion, drängen immer mehr Mitbewerber auf den Markt - vor allem aus Fernost. Damit einher geht ein teils massiver Preisverfall, denn diese Anbieter verfolgen eine recht aggressive Preispolitik. Da bekommt man ein inline-fähiges optisches Inspektionssystem schon mal für rund 40.000 Euro. Das da was nicht stimmen kann, liegt auf der Hand. Von was soll dann der nötige lokale Service bestritten werden?

Aber qualitativ unterscheiden sich diese Geräte schon noch von den renommierten Marken…

Wenn man genau hinschaut, ja, aber es sind bereits eine ganze Reihe Produkte auf dem Markt, die einfach kopiert sind. Die Billiganbieter aus Fernost scheren sich nicht sonderlich um Patente – solange, bis es entdeckt wird. Dennoch überwiegen natürlich die seriösen Geschäfte bei weitem.

Zu Ihren wichtigsten Zielmärkten gehört die Lohnfertigung. Wie entwickelt sich das Geschäft in diesem Bereich?

Das ist differenziert zu sehen. Unser Hauptgeschäft konzentriert sich auf Zentraleuropa. Vor allem der deutsche Markt läuft sehr gut. Hier sind wir gut aufgestellt und arbeiten derzeit auch unter guter Auslastung. Unsere Aktivitäten in Osteuropa haben wir – bis auf Polen - massiv zurückgefahren. Die Osteuropäer sind extrem preisorientiert, und mittlerweile werden die Produktionsstätten zunehmend in noch billigere Länder verlagert. Insofern wächst der osteuropäische Markt einfach nicht mehr überall. Das hat zur Folge, dass sich immer mehr Anbieter auf den funktionierenden deutschen Markt konzentrieren - jeder will etwas vom Kuchen abhaben. Daraus entsteht noch mehr Wettbewerb.

Wir sehen aber auch, dass Lohnfertiger zum Teil wieder nach Deutschland kommen, denn Deutschland ist nicht mehr der teure Produktionsstandort, der es mal war. Schauen Sie sich mal in den Fertigungsstätten um: Immer mehr Arbeiter haben Migrationshintergrund, und glauben Sie nicht, dass diese außergewöhnlich gut bezahlt werden. Das macht Deutschland als Produktionsstandort wieder interessant.

Das wiederum birgt Marktpotential für Sie…

Nein, nicht unbedingt. Viele Lohnfertiger verlagern ihre Produktion von einem anderen Land hierher und bringen ihr Equipment gleich mit. Darüber hinaus glaube ich, dass auch viel gemogelt wird. Nehmen wir nur mal den elektrischen Test. Für den Lohnfertiger ist das kein lohnendes Zusatzgeschäft: Der Kunde zahlt es nicht. Ähnliches gilt für die AOI-Prüfung, wo so manches Unternehmen quasi ein billiges »Alibi«-AOI beschafft, ohne wirklich vorzuhaben, die optische Inspektion tiefgründig durchzuführen. Genau hier machen die Billiganbieter aus Fernost ihr Geschäft.

Marktpotential für uns entsteht eher aus einem anderen Trend, den wir derzeit beobachten: Kleine und mittelständische Unternehmen gehen zunehmend weg von der Lohnfertigung und fertigen verstärkt wieder selber, mit einer kleinen Linie und wenigen Mitarbeitern, aber alles aus einer Hand.

Aber rechnet sich das?

Anscheinend ja, denn bei diesen Unternehmen kommt es auf Qualität an. Das ist immer noch ein wichtiges Verkaufsargument. Den Qualitätsanspruch legen sie sich selber auf, erwarten das aber auch vom Testequipment. Meist kommen hier nur neue Geräte in Frage, keine gebrauchten Systeme, keine Billigware.