»Unsere Technologie revolutioniert die Benutzerschnittstellen in der mobilen Unterhaltungselektronik« E-Feld-Sensortechnologie für die 3D-Gestenerkennung und Gerätesteuerung

Bedienung eines Netbooks mit Hilfe der elektrischen Nahfeldtechnologie.
Bedienung eines Netbooks mit Hilfe der elektrischen Nahfeldtechnologie.

Ident Technology hat eine auf elektrischen Nahfeldmessungen basierende 3D-Gestenerkennungstechnologie entwickelt, mit der das Unternehmen den Consumer-Markt revolutionieren will. Markt&Technik sprach mit Klaus Zeyn, Vice President Sales & Marketing von Ident über die Ziele und Strategien des Unternehmens.

Markt&Technik: Ident Technology hat vor wenigen Tagen bekannt gegeben, dass es mit der Robert Bosch Venture Capital einen neuen Investor gefunden und gleichzeitig eine neue Finanzierungsrunde abgeschlossen hat. Welche Bedeutung hat diese Entwicklung für Sie?

Klaus Zeyn: Historisch betrachtet waren wir seit unserer Gründung im Jahr 2002 als reines IP-Haus auf dem Markt. Dabei ging es von Anfang an immer nur um elektrische Nahfelder. Entsprechend groß ist unser Know-how in diesem Bereich - das zeigen auch unsere zahlreichen Patente. Dass wir mit Bosch nun einen neuen - in der Branche überaus schwergewichtigen - Investor gefunden haben und die Investorengruppe insgesamt erneut 7,1 Millionen Euro in unsere Entwicklungen investiert, bestätigt uns, dass wir absolut auf dem richtigen Weg sind. Wir gelten bereits jetzt als Technologieführer im Bereich intelligenter E-Feld-Sensoren für neuartige Benutzerschnittstellen der mobilen Unterhaltungselektronik und das Vertrauen unserer Investoren bestätigt unsere Position als innovative Ideenschmiede. Dies ist die Basis für unser Ziel, zusammen mit unseren weltweit operierenden Kunden in der Industrie einen völlig neuen Ansatz für das Human-Machine-Interface zu realisieren.

Wie sieht Ihr Konzept konkret aus?

Es gab in den vergangenen Monaten einige große Veränderungen bei Ident. Bislang waren wir mehr oder weniger auf die Entwicklung und die Lizenzierung des dazugehörigen geistigen Eigentums (IP) spezialisiert. Unsere Annäherungstechnologie ULPP ist heute erfolgreich als IP am Markt eingeführt. Ende letzten Jahres haben wir uns zudem entschlossen, einen 3D-Gestensteuerungs-Chip namens GestIC selber zu entwickeln und in unserem Auftrag in einer Fab in Asien fertigen zu lassen. Damit wird Ident jetzt ein Anbieter von Halbleiterlösungen für den CE-Markt. GestIC baut wie ULPP auf unserer Z-Sense-Core-Technologie auf, die wiederum unserer beinahe zehnjährigen E-Feld-Expertise entspringt. Mit GestIC stehen wir nun also in den Startlöchern: Der Chip wird gerade in Silizium gegossen, und für Mitte 2012 planen wir den offiziellen Markteintritt, das heißt, dann wird es fertige Endprodukte geben, die auf unserer Technologie basieren.

Wie Sie erwähnten, haben Sie die Technologie ja bereits seit längerem in der Schublade liegen. Warum kommen Sie jetzt erst so richtig auf den Markt damit?

Die Zeit war noch nicht reif und der Markt nicht bereit für eine solche Technologie. Erst mit dem Smartphone- und Tablet-PC-Hype hat sich die Denkweise hinsichtlich der User Experience grundlegend verändert. Die Hersteller wissen erst jetzt richtig um die Bedeutung der Benutzerschnittstelle.

Welche Anwendungsfelder sind die treibenden Märkte für die 3D-Gestensteuerung?

Betrachtet man das grundlegende Ziel dieser Technologien, nämlich Geräte und Anwendungen über Gesten im freien Raum zu steuern, wird schnell klar, dass der treibende Markt eindeutig der Consumer-Electronics-Markt ist. Darin wiederum unterscheiden wir verschiedene Segmente. Da wäre zum einen der Bereich der Fernbedienungen für High-End-TV und Notebooks. Ein weiteres wichtiges Segment ist das der Game Controller. Es ist derzeit noch als Nische zu betrachten, bietet aber großes Potential, weil es auf hohe Stückzahlen ausgelegt ist. Den größten Markttreiber finden wir jedoch im Bereich der Tablet PCs und Mobile Phones. Gerade in diesem hart umkämpften Markt sind die Hersteller gezwungen, immer weiter nach Alleinstellungs- bzw. Unterscheidungsmerkmalen ihrer Produkte zu suchen. Eine Differenzierung durch eine 3D-Steuerung im User-Interface-Bereich ist eine hervorragende Möglichkeit dazu, weil diese die Effizienz des Nutzers erhöht und auch den direkt wahrgenommen »Wow«-Faktor ausmacht. Und hier kommen wir ins Spiel.

Auf welches der genannten Marktsegmente fokussieren Sie mit Ihrem Ansatz?

Wir haben unseren GestIC auf Kosten- und Energieeffizienz ausgerichtet, damit wir die gesamte Bandbreite abdecken können.

Nun gibt es ja bereits andere Technologien zur 3D-Gestensteuerung, etwa optische oder MEMS-basierte. Wo sehen Sie die maßgeblichen Vor- und Nachteile der einzelnen Technologien?

Unsere Lösung bietet deutliche Vorteile gegenüber jedem anderen Ansatz. Zum Beispiel sind die Ergebnisse, die sich mit optischen Sensoren oder Kameras erzielen lassen, in der Regel abhängig von den Umgebungsbedingungen wie etwa dem Licht, zudem benötigen sie designstörende Sichtfenster im Gehäuse. Lösungen, die auf der elektrischen Nahfeldtechnologie basieren, sind völlig unabhängig hiervon - und auch die Elektroden, mit denen das Feld aufgebaut wird, werden unsichtbar unter dem Gehäuse integriert. Der größte technische Nachteil Kamera-basierter Lösungen liegt sicher darin, dass Bilder prozessiert werden müssen, um Gesten zu detektieren. Die Stromaufnahme hierfür ist signifikant. MEMS wiederum bedürfen der Bewegung des Gerätes selber durch den Nutzer, weil diese die Rotation oder lineare Beschleunigung des Endgerätes messen und auswerten, und somit keine statischen Geräte unterstützen. Anders bei der E-Feld-Technologie: Mit unserer Technologie haben wir eine Abtastrate, die um bis zu Faktor sechs schneller ist, als zum Beispiel optische Lösungen. Entsprechend können wir deutlich höhere Datenraten auslesen und eine Echtzeiterkennung von Gesten gewährleisten. Aber der entscheidende Vorteil unserer Lösung gegenüber anderen ist der geringe Stromverbrauch, der um Faktoren niedriger liegt als bei den anderen. Entsprechend haben wir Vorteile hinsichtlich der Batterielebensdauer speziell bei mobilen Endgeräten.

Gibt es Aspekte, die die optischen Technologien besser abdecken?

Sensor- oder kamerabasierte Lösungen wie die Kinect von Microsoft erreichen deutlich größere Reichweiten von bis zu vier Metern mit einer sehr guten Gestenerkennungsrate. Unsere Technologie hingegen zielt bei einer Reichweite von etwa 20 Zentimeter auf direkte Kommunikation bzw. Interaktion zwischen dem Nutzer und seinem Endgerät, wobei wir 100 Prozent der Sensorfläche abdecken. Optische Lösungen haben hier übrigens im Nahbereich ihre Probleme, weil aufgrund des Kamerawinkels keine komplette Abdeckung gewährleistet werden kann. Für uns ergibt sich durch die Nutzung von E-Feldern ein Vorteil: Ist man außerhalb des Feldes, begibt sich das Gerät in den Sleep-Modus und verbraucht nur minimalen Strom. Das System wird erst dann wieder aktiv, wenn eine Bewegung innerhalb des Aktionsradius erfolgt. Dies ist einer der maßgeblichen Vorteile unseres GestIC. Entsprechend eignet sich unsere Technologie perfekt für Consumer Electronics, speziell für batteriebetriebene Geräte.