Interview - Keysight Technologies »Die Software im Oszilloskop wird immer wichtiger«

Peter Kasenbacher, Keysight Technologies (im Bild mit Nicole Wörner): »Kunden möchten eine aussagekräftige Bewertung ihrer Designs auf einer höheren Abstraktionsebene. Gefragt sind beispielsweise Testlösungen, die auf Tastendruck die Information liefern, ob ein System mit einem bestimmten Industriestandard konform ist oder nicht.«
Peter Kasenbacher, Keysight Technologies (im Bild mit Nicole Wörner): »Kunden möchten eine aussagekräftige Bewertung ihrer Designs auf einer höheren Abstraktionsebene. Gefragt sind beispielsweise Testlösungen, die auf Tastendruck die Information liefern, ob ein System mit einem bestimmten Industriestandard konform ist oder nicht.«

Seit knapp einem Jahr ist Keysight Technologies eigenständig. Mit klarem Fokus auf die Messtechnik macht sich Keysight nun daran, seine unter Agilent aufgebaute Marktposition weiter auszubauen. Wir sprachen mit Peter Kasenbacher, EMEA Market Segment Manager, Digital Products & Solutions von Keysight, über Trends und Technologien.

Markt&Technik: Zunächst, was hat sich verändert, seit Keysight Technologies ein eigenständiges Unternehmen ist?

Peter Kasenbacher: Keysight konzentriert sich jetzt voll und ganz auf die elektronische Mess- und Prüftechnik. Dadurch können wir besser als je zuvor innovative Lösungen entwickeln, die den Kunden helfen, schneller und einfacher zu messen. Was sich nicht geändert hat, ist unsere Unternehmenskultur, die wir seit Gründung des Unternehmens 1939 als Hewlett-Packard entwickelt haben. Allem voran geht unsere Kundenorientierung. Den Mehrwert für den Kunden fassen wir im Slogan »Hardware + Software + People = Insights« zusammen: »Hardware« ist das, wo wir herkommen. »Software« wird im Hinblick auf applikationsspezifische Anwendungen und Bedienungsfreundlichkeit immer wichtiger. Und »People« steht für die Expertise unserer Teams. Gibt zusammen bessere Mess-»Einsichten«…

Wie wird sich das Verhältnis von Hardware zu Software in Oszilloskopen entwickeln?

Wir erwarten, dass die Software – auch in Form reprogrammierbarer FPGAs – immer wichtiger wird. Mit Software kann man schneller auf den Markt reagieren, als mit komplett neuen Hardware Designs. Und das nicht nur, weil die Entwicklungszeit für Software kürzer ist, sondern auch, weil damit deutlich spezifischere Lösungen möglich sind. Letztlich geht es darum, nah am eigentlichen Problem des Kunden zu sein und ihm effiziente Tools zu liefern, die ihm neben den reinen Messwerten auch einen tieferen Einblick in die Zusammenhänge bieten.

Nichts desto trotz kann die Software natürlich nie die Hardware ersetzen. Die Hardware ist die Messgrundlage, und ohne erstklassige Hardware sind keine hochgenauen Messergebnisse möglich.

Inwieweit sehen Sie einen Trend weg vom Stand-alone-Messgerät, hin zur kunden- oder applikationsspezifischen Systemlösung?

Für den universellen Einsatz werden Stand-alone-Geräte wichtig bleiben. Im Mid- und High-end-Bereich hingegen werden Applikationslösungen, die exakt auf die Kundenanwendung zugeschnitten sind, an Bedeutung gewinnen.

Beispiel Kommunikationstechnologien: Es scheint ein zunehmendes Interesse am so genannten PAM-4 zu geben; woher kommt das und was bieten Sie in diesem Bereich an?

Die Modulationsverfahren werden immer komplexer, und Datenzentren benötigen immer mehr Netzwerkbandbreite. Daher arbeiten diverse Standardisierungsgremien und Industriezweige an mehrwertigen Leitungscodes wie etwa der Pulse Amplitude Modulation, kurz PAM, oder sie ziehen solche Kodierungen in Betracht, weil sie im Vergleich zu herkömmlichen NRZ-Codes – NRZ steht für Non-Return-to-Zero – höhere Datenraten bei gegebener Kanalbandbreite ermöglichen. Der Übergang von NRZ zu PAM-4 bringt jedoch einige Herausforderungen bei der Entwicklung und beim Testen mit sich. Wir sehen uns hier in einer Führungsrolle und bieten bereits heute Testlösungen sowohl auf der Stimulus- als auch auf der Response-Seite an.

Weitere Herausforderungen finden sich bei der Simulation von Serdes-Schaltungen. In der Vergangenheit arbeiteten diese mit binärer (NRZ-)Modulation, doch nun geht der Trend hin zu neuartigen Leitungscodes wie PAM-4. Wir haben dies frühzeitig erkannt und arbeiten daran, unsere Modellierungs-, Simulations- und Datenanalyse-Technologien für PAM-4 zu erweitern. Dabei ist die Datenanalyse eine besonders knifflige Herausforderung, weil sich die Bitfehlerratenkontur nur schwer definieren lässt, wenn das Augendiagramm drei Augenöffnungen aufweist.

Unsere Lösung für diese Anwendungen ist die PAM-N-Analysesoftware. Sie läuft auf den Echtzeit- und den Sampling-Oszilloskopen von Keysight und ermöglicht es dem Entwickler, elektrische und optische Signale schnell und genau zu charakterisieren.

Auf der anderen Seite muss auch die Entwicklung neuer Stresstypen vorangetrieben werden, um Signalstörungen emulieren zu können, die mit den neuen Schlüsseltechnologien einhergehen. High-speed-Arbiträr-Signalgeneratoren wie der M8195A sind in der Lage, störungsbehaftete Signale für PAM-4 und andere komplexe Modulationsformate zu liefern.