Interview - Rohde & Schwarz / Hameg »Die Hameg-Produkte leben als Value Instruments weiter«

André Vander Stichelen, Rohde & Schwarz / Hameg Instruments: »Rohde & Schwarz wird noch nicht ausreichend mit dem Einstiegsbereich assoziiert. Es liegt immer noch der Schatten ’teuer‘ über uns. Dieses Bild wollen wir mit den Value Instruments korrigieren.«

Vor wenigen Wochen hat Rohde & Schwarz bekannt gegeben, Hameg Instruments vollständig in den Konzern zu integrieren. Was wird nun aus den Mitarbeitern und der Traditionsmarke Hameg? André Vander Stichelen, Vice President Value Instruments Sales von Rohde & Schwarz und Geschäftsführer von Hameg, erklärt die Hintergründe.

Markt&Technik: Für viele Marktbeobachter kam die Meldung der vollständigen Integration Hamegs in die Rohde&Schwarz-Strukturen nicht ganz unerwartet. Wie ist der aktuelle Stand der Dinge?

André Vander Stichelen: Wir sind mitten im Prozess der Integration. Alle Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten sind informiert. Ziel ist es, die Hameg GmbH im laufenden Rohde&Schwarz-Geschäftsjahr – also bis spätestens 30. Juni 2016 – aufzulösen.

Was wird aus den Hameg-Mitarbeitern?

Wenn man zwei Unternehmen zusammenführt, entstehen natürlich immer Synergien, die man nutzen muss. Insofern mussten wir uns leider von einem Teil der Mitarbeiter trennen, alle am Standort Mainhausen. Es verbleiben dort das Produktmanagement und die Entwicklung typischer Hameg-Geräte wie Power Supplies und Meters. Der Standort Chemnitz, als Entwicklungszentrum für Oszilloskope, bleibt unverändert erhalten. Beide Entwicklungsstandorte werden künftig die verlängerte Werkbank von Rohde & Schwarz sein.

Wie ist die Stimmung im Unternehmen?

Erstaunlich ruhig und gefasst. Es ist früh kommuniziert worden, dass es Veränderungen geben wird. Nun ist klar, wohin der Weg geht, und diese Gewissheit ist besser, als die Unsicherheit, die sich in solchen Fällen oft verbreitet. Für die betroffenen Mitarbeiter ist die Situation natürlich schlimm. Es ist uns mehr als bewusst, dass hinter jeder einzelnen Kündigung ein Schicksal steht. In enger Zusammenarbeit mit dem Hameg-Betriebsrat haben wir einen wirklich attraktiven Sozialplan erarbeitet, der den Mitarbeitern über die Zeit helfen soll, bis sie einen neuen Arbeitsplatz gefunden haben.

Sie sind Geschäftsführer von Hameg. Wie sieht Ihre berufliche Zukunft nun aus?

Ich habe – übertragen gesprochen – mehrere Hüte auf. Die Geschäfte von Hameg zu leiten, ist einer davon. Künftig werde ich mich wieder stärker dem Aufbau der Vertriebs- und Marketingstrukturen des Value-Instruments-Bereichs von Rohde & Schwarz widmen – zu denen ja auch die Hameg-Produkte gehören.

Was ändert sich für die Kunden?

Wir hatten die Vertriebswege beider Unternehmensteile ja bereits vor einiger Zeit zusammengelegt. Insofern können Kunden die Produkte weiterhin über die ihnen bekannten Kanäle wie Katalog- und Fachdistributoren und über das Direct Sales Team von Rohde & Schwarz beziehen. Die Ansprechpartner bleiben die gleichen – inklusive des Produktmanagements. Die Hameg.com-Internetseite und die Hameg-Support-Hotline werden nahtlos auf Rohde & Schwarz umgeleitet.

Warum hat man es nicht einfach beim Konzept der 100-prozentigen Tochter belassen, es hat doch gut funktioniert?

Generell möchte Rohde & Schwarz seine Töchter möglichst eng an das Mutterhaus anbinden. Dabei ergeben sich Synergien, die man nutzen kann und muss. Vor allem im unteren Preissegment sind die Margen einfach niedriger als bei den High-end-Geräten. Daher muss man die Prozesse so weit wie möglich optimieren. Dazu gehört auch, doppelte Funktionen wie beispielsweise die Auftragsbearbeitung und die Logistik zusammenzulegen. Damit ist dann auch schon der Grundstein für eine vollständige Integration gelegt.