Prüftechnik Schneider & Koch »Die Botschaft ist klar: Wir machen weiter!«

Andreas Menge, Prüftechnik Schneider & Koch: »Wir haben uns für die Planinsolvenz entschieden, weil wir ein ganz klares Ziel vor Augen haben: Die Weiterführung des Unternehmens.«
Andreas Menge, Prüftechnik Schneider & Koch: »Wir haben uns für die Planinsolvenz entschieden, weil wir ein ganz klares Ziel vor Augen haben: Die Weiterführung des Unternehmens.«

Seit 1.7.2013 befindet sich Prüftechnik Schneider & Koch in einem Planinsolvenzverfahren. Im Interview mit Markt&Technik erklärt Andreas Menge, Geschäftsführer des Unternehmens, wie es dazu kam und wie es nun weitergeht. Das Wichtigste vorab: Die Planinsolvenz ist nicht das Ende!

Herr Menge, Ihr Unternehmen befindet sich in einem so genannten Planinsolvenzverfahren. Was bedeutet das genau?

Zunächst ist es wichtig, den Unterschied zwischen einer »normalen« Insolvenz und einer Planinsolvenz zu kennen: Während eine Insolvenz meist auf eine Zerschlagung und komplette Abwicklung der Firma hinausläuft, hat eine Planinsolvenz immer zum Ziel, das Unternehmen zu sanieren, es wieder auf gesunde Füße zu stellen. Die Planinsolvenz ist in Deutschland noch relativ neu und nur wenige Unternehmen nutzen diese Chance. Dabei bietet sie einige gravierende Vorteile gegenüber dem üblichen Verfahren: So bleiben beispielsweise Firmenname und Rechtsform nach Abschluss des Verfahrens gleich und man hat die Möglichkeit, dem Gericht einen Insolvenzverwalter vorzuschlagen, der gemeinsam mit der Firmenleitung auf die Fortführung der Geschäfte hin arbeitet. Wir haben uns für die Planinsolvenz entschieden, weil wir ein ganz klares Ziel vor Augen haben: Die Weiterführung des Unternehmens.

Welche Gründe haben das Unternehmen in diese Situation gebracht?

Wir führen es im Wesentlichen auf drei Faktoren zurück. Zum einen hatten wir – wie die gesamte AOI-Branche – stark mit der Krise im Jahr 2009 zu kämpfen. Trotz des massiven Auftragsrückgangs haben wir damals alles daran gesetzt, unsere Mitarbeiter zu halten. Wir haben Kurzarbeit eingeführt und versucht, zu sparen, wo es ging. Dennoch hängt uns diese Zeit noch als Altlast nach. 2010 ging es wieder bergauf, doch nach dem von Sparmaßnahmen gekennzeichneten Jahr 2009 mussten wir alle Gewinne in das Unternehmen investieren – in Maschinen und Werkzeuge, in die Weiterentwicklung unserer Produkte und auch in Demogeräte unseres Distributionspartners Geotest. Wir konnten also auch in diesem durchaus guten Geschäftsjahr keine Reserven bilden. Der dritte maßgebliche Faktor war ein E-Mobility-Projekt, in das wir im Jahr 2012 eingestiegen sind und in dem wir leider sehr viel Geld verloren haben. Dieser Verlust, gepaart mit den Tatsachen, dass wir keinen finanziellen Puffer mehr hatten und einige Kunden ihr Zahlungsziel nicht halten konnten, hat uns zu der Entscheidung geführt, die Reißleine ziehen zu müssen. Und das so rechtzeitig, dass das Unternehmen noch zu retten ist.

War der Zeitpunkt der richtige?

Ja, wir haben das Verfahren so frühzeitig beantragt, dass wir noch keine Rückstände hinsichtlich Gehälter, Sozialversicherung, etc. hatten. Das bringt uns in eine gute Ausgangssituation für den Neustart.

Sie haben Ihre Kunden und Lieferanten bereits informiert. Wie waren die Reaktionen?

Wir waren erstaunt, wie offen und positiv sowohl unsere Lieferanten als auch die Kunden reagiert haben. Unsere Lieferanten werden uns weiter beliefern, und unsere Kunden erteilen uns auch weiterhin Aufträge. Einer zieht sogar eine Investition vor, um uns unter die Arme zu greifen. Es kommt uns nun zugute, dass wir schon immer eine langjährige, vertrauensvolle und faire Zusammenarbeit mit unseren Kunden angestrebt haben.

Welche Auswirkungen hat die Planinsolvenz für Ihre Kunden?

Keine. Sehen Sie, das ist einer der Vorteile der Planinsolvenz gegenüber einem üblichen Insolvenzverfahren. Die Firma bleibt auch nach Abschluss des Verfahrens die gleiche, sie wird 1:1 mit gleichem Namen und gleicher Rechtsform neu aufgesetzt. Dadurch behält der Kunde sämtliche Ansprüche hinsichtlich Service, Gewährleistung, Support und offener Aufträge - ganz so, wie er sie gegenüber der bisherigen Firma hatte. Insofern werden wir alle Aufträge wie geplant beliefern und unsere Verträge erfüllen.

Welche Wege beschreiten Sie, um das Unternehmen nachhaltig zu sanieren?

Wir werden zunächst unser Produktspektrum überdenken und uns dabei auf unsere Kernkompetenzen konzentrieren. Das Portfolio von Prüftechnik Schneider & Koch bleibt unberührt - wir werden weiter in unsere Produkte investieren, bestehende Systeme weiterentwickeln und neue Lösungen erarbeiten. Jedoch werden wir den Vertrieb der Geotest-Produkte einschränken, das heißt, wir trennen uns vom Geotest-Semiconductor-Testgeschäft, das an sich nicht zu unserem eigenen Produktportfolio passt. Das Geotest-Systemgeschäft werden wir jedoch weiterführen. Es umfasst den elektrischen Test, Funktionstest und die Systemintegration – damit ergänzt es unser eigenes Angebot perfekt, und hier können wir auch unser Know-how ausspielen.