Peter Scholz von Additive über die aktuellen Trends in der Messtechnik »Die Anforderungen an Messsysteme haben sich durch die Krise verändert«

Peter Scholz, imc Test & Measurement: »Keine Anwendung ist höher spezifiziert als die, die wir in der Automobilindustrie sehen. Wer hier mit seinen Produkten und Dienstleitungen besteht, bewährt sich auch in anderen Feldern, die ja immer nur eine Teilmenge der Automotive-Forderungen darstellen.«
Peter Scholz, Additive: »Es ist zu beobachten, dass die Systemgrenzen bei stationären sowie bei dezentralen Messsystemen verschwinden.«

Die mobile experimentelle Messtechnik sowie die Prüfstandsmesstechnik waren von der Wirtschaftskrise besonders betroffen. Seit Mitte 2010 scheint dies überwunden und die Entwicklungs- und Testabteilungen im Maschinenbau und in der Fahrzeugindustrie erleben einen überraschend starken Aufschwung.

»Die Anforderungen an Messsysteme haben sich in der Folge der Krise verändert«, erklärt Peter Scholz, Geschäftsführer des Systemhauses Additive. »Man hat erkannt, dass die Messtechnik in ihrer Multifunktionalität immer schwieriger handhabbar und auch fehleranfälliger wird. Das Gebot der Stunde und der treibende Faktor aller derzeit zu beobachtender Trends ist es, die Produktivität zu erhöhen, die Messgeräte zu vereinfachen, sie noch stärker auf die jeweilige Anwendung hin anzupassen und damit nicht nur schneller und sicherer zum Ergebnis zu kommen, sondern auch qualitativ bessere Mess- und Analyseergebnisse - zu geringeren Kosten - zu erhalten.«

Der Berliner Messtechnik-Hersteller imc und dessen Partner, das Systemhaus Additive haben die »Atempause« der Krise dazu genutzt, erkennbare Paradigmenwechsel in konkrete Produkte umzuwandeln. Dazu Scholz: »Das Ergebnis ist mehr als nur ein neues Produkt. Es ist ein neues Denken, das sich an der Tatsache festmacht, dass Entwickler mechatronischer Komponenten und Systeme Produkte in immer kürzerer Zeit zur Serienreife bringen müssen.«
Scholz’ Überzeugung nach kristallisieren sich derzeit folgende Trends heraus:

Trend Nr. 1: Ein Messsystem für den gesamten Messprozess

»Gefordert wird ein Tool, das neben der Bedienoberfläche den gesamten Messprozess von der Messverstärkereinstellung über die Echtzeit-Datenanalyse, Speicherverwaltung, Datenanzeige bis hin zur Messdatenauswertung unterstützt«, verdeutlicht Scholz. »Eine Schnittstelle in einer gängigen Simulationsumgebung (HiL) ist immer häufiger Pflicht, weil die Komponenten im Verbund ihrer Einbausituation in ein Gesamtsystem geprüft und erprobt werden. Dabei sollen möglichst viele Aufgaben unbeobachtet bzw. ohne oder mit geringem Nutzereingriff, halb- oder vollautomatisiert erfolgen.« Daten und Ergebnisse sollen in die IT-Welt des Anwenders übertragen und dort ausgewertet, dokumentiert, verwaltet und abgelegt werden. Das Thema Multimedia, Internet und drahtlose Datenübertragung spielen dabei eine immer größere Rolle.

»All diese Aufgaben abzudecken darf jedoch nicht in unbeherrschbarer Komplexität enden«, fährt Scholz fort. »Gefordert sind einfach anpassbare Lösungen mit flexiblen Systemgrenzen und einer praxisgerechten Skalierbarkeit. Dies bieten, ähnlich wie in der kommerziellen IT-Welt, nur integrierte Systeme mit unterschiedlichen Nutzerrollen: Der Endanwender sieht lediglich seine App. Erstellt wird diese in der Administratorenrolle. Hier besteht ein uneingeschränkter Zugriff auf alle Systemfunktionen, die für die eigentliche Anwendung konfiguriert, eingeschränkt und angepasst werden.« Solle die Lösung in einen größeren Zusammenhang eingebettet werden, erwarte man von einer modernen Software, dass sie auf Basis von Standardkomponenten und sicheren Schnittstellen die nötigen Verbindungen in andere Welten herstellt, etwa ins Internet, zu Datenbanken oder ins mobile Telefonnetz. »Am Ende steht ein preiswertes und für den Endanwender leicht bedienbares Messsystem.