ams setzt voll auf Sensorik »Der Sensorphantasie sind keine Grenzen gesetzt!«

Alexander Everke, ams: »Der Markt, den wir bedienen, wächst durchschnittlich zwischen 14 und 17 Prozent – unser Ziel besteht darin, bis 2020 um 30 Prozent pro Jahr zuzulegen. Wir wollen schneller wachsen als alle anderen Firmen in diesem Markt.«
Alexander Everke, ams: »Der Markt, den wir bedienen, wächst durchschnittlich zwischen 14 und 17 Prozent – unser Ziel besteht darin, bis 2020 um 30 Prozent pro Jahr zuzulegen. Wir wollen schneller wachsen als alle anderen Firmen in diesem Markt.«

»ams konzentriert sich vollständig auf Sensorsysteme, das Potenzial ist enorm«, erklärt Alexander Everke, seit März CEO von ams. Welche Zeichen er bereits setzen konnte und mit welcher Strategie er ein jährliches Plus von 30 Prozent realisieren will, erläutert er im Interview mit Markt&Technik.

Markt&Technik: Ende Februar schied Ihr Vorgänger Kirk Laney als CEO aus und Sie haben – wie es geplant war – die Position des CEO von ams übernommen, nachdem Sie sich schon seit 1. Oktober 2015 als designierter CEO im Vorstand von ams auf diese Aufgabe vorbereiten konnten. Was hat Sie daran gereizt?

Alexander Everke: ams hat bereits ein sehr gutes Produkt- und IP-Portfolio und meines Erachtens nach ein sehr hohes Potenzial für künftiges Wachstum. Das gilt es jetzt auszuschöpfen.

Wird sich an der Strategie etwas ändern?

Bezogen auf die Größe des Unternehmens hat ams immer noch zu viele Segmente. Wir treiben die Strategie weiter voran, uns auf Sensorsysteme zu konzentrieren, um zum weltweit führenden Anbieter von Sensor-Lösungen aufzusteigen. Das gehen wir jetzt sehr fokussiert an und führen es gezielt fort, wie die gerade erfolgte Übernahme von Heptagon zeigt. Wir wollen als Technologieführer die Sensorik gestalten und vorantreiben, anstatt mit Me-too-Produkte hinterher zu rennen. Deshalb ist es so wichtig für uns, in allen von uns anvisierten Sensor-Segmenten zum Marktführer aufzusteigen.

Konnten Sie in Ihrer kurzen Zeit als CEO bereits Zeichen setzen?

Ich hatte schon den im November 2015 erfolgten Kauf der belgischen CMOSIS vorangetrieben. Damit erobern wir uns neben dem bestehenden Sektor „Mobiltelefone“ neue Märkte im High-End-Bereich im „Imaging“, etwa mit Machine-Vision-Systemen. Mit der Übernahme haben wir zudem unsere Position in den Automotive- und Medizintechnikmärkten deutlich verstärkt. Auch die Übernahme von MAZeT passt gut in dieses Bild, denn wir können jetzt das volle Programm an Farb- und Spektralsensoren für die Farberkennung und Farbmessung vom Infrarot bis zum Ultraviolettbereich abdecken und auch hier neue Märkte in der Industrie, in Kraftfahrzeugen, in der Medizintechnik sowie in Beleuchtungen in Gebäuden, in Büros und im eigenen Heim angehen.

Wie passt der Packaging-Spezialist Heptagon in die Strategie?

Mit der Übernahme von Heptagon haben wir unser Technologiespektrum weiter komplettiert und unser Angebot im Consumermarkt abgerundet. Heptagon ist Spezialist für optisches Packaging und Mikrooptik und besitzt in diesem Bereich mehr als 250 Patentfamilien. Die Gehäusetechnik ist eine wesentliche Voraussetzung dazu, die Performance der Sensoren ohne Verluste in das System zu bringen. Das Unternehmen beliefert Hersteller von Mobilgeräten, die optisches Packaging in sehr hohen Volumina für besonders kleine Bauformen benötigen. Aufgrund der Stärken von Heptagon im Packaging bestehen nun zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten innerhalb unserer bestehenden Kundenbasis. Dazu gehört ein wichtiger Kunde mit Fokus auf den Smartphone- und Mobilgeräten. Durch die Transaktion steigt ams zum führenden globalen Anbieter von optischen Sensortechnologien auf und wird sich neue Anwendungsfelder erschließen können.

Aktives Portfolio-Management
 
Die Strategie der Fokussierung bedeutet aber auch, sich von bestehenden Geschäftsteilen zu trennen, die nicht mehr zu dieser Strategie passen. War der Verkauf des Wireless-Geschäfts an STMicroelectronics erst der Anfang?

Wir betreiben jetzt aktives Portfolio-Management. Der Verkauf des Wireless-Geschäfts ist ein gutes Beispiel dafür. Denn die Standard-Funk-ICs bieten uns keine Differenzierungsmöglichkeit auf der Ebene der Sensorsysteme. Deshalb haben wir uns von diesem Bereich getrennt. Allerdings behalten wir die NFC-Technik, also den Teil des Funkgeschäfts, der für die Sensorknoten von Relevanz ist.

Wie sieht die Zukunft für Power-Management-Produkte, für analoge Standardprodukte im Allgemeinen und für die ASICs aus?

Für diese Produktgruppen gilt dasselbe wir für NFC und Funk: Wir werden sie in dem Maße weiterentwickeln, wie das erforderlich ist, um uns eine führende Position im Sensormarkt zu verschaffen. Welchen Stellenwert wir der Analogtechnik beimessen, zeigt schon ein Blick auf die Anzahl unserer 600 Analog-Ingenieure.

ASICs entwickeln zu können, sehen wir als eine sehr wichtige Kompetenz an, weil sehr viele Sensorsysteme kundenspezifisch angepasst werden müssen. Aber wir wollen nicht zur Nummer 1 unter den ASIC-Anbietern werden, sondern wir betrachten sie als Bestandteil unserer Sensor-Strategie. Weil wir sehr stark den Plattformansatz vorantreiben, wird der Anteil des ASIC-Geschäfts zurückgehen, was seine Bedeutung für uns aber nicht schmälert.