Eine Schaltsekunde mehr Schlaf Der Juni dauert eine Sekunde länger

Auf die Sekunde 23:59:59 folgt am 30. Juni 2015 23:59:60 – und erst dann beginnt der erste Juli mit 0:00:00.

Mit einer ungewöhnlichen Uhrzeit werden wir es am 30. Juni 2015 um Mitternacht zu tun haben: Auf die Sekunde 23:59:59 (UTC) folgt 23:59:60 – und erst dann beginnt der 1. Juli mit 0:00:00. Prof. Johannes Böhm von der TU Wien erklärt die Hintergründe.

Die Jetlag-Gefahr ist wohl eher gering: Bloß um eine Sekunde müssen wir unsere Uhren am 30. Juni zurückstellen, wenn wir ganz genau sein wollen.

Alle zwei bis drei Jahre beschließt der internationale Dienst für Erdrotation und Referenzsysteme (IERS) die Einführung einer Schaltsekunde. Für Astronomen, Betreiber von Satelliten-Navigationssystemen und andere Leute, die mit hochpräziser Himmelsbeobachtung zu tun haben, ist das wichtig. Aus wissenschaftlicher Sicht wären Schaltsekunden heute aber eigentlich nicht mehr nötig, sagt Prof. Johannes Böhm vom Department für Geodäsie und Geoinformation der TU Wien.

Der Mond bremst uns ab

Die Länge eines Tages ist an die Rotation der Erde um ihre eigene Achse gekoppelt, und diese Rotation wird im Lauf der Zeit immer langsamer. Ab und zu muss man daher eine Zusatzsekunde einführen, damit die offizielle Zeit und die Rotation der Erde nicht immer weiter auseinanderlaufen.

Der Grund für die Verlangsamung der Erdrotation ist die Gezeitenkraft des Mondes. »Der Mond dehnt die Erde ein bisschen. Es bilden sich Flutberge aus und auch die feste Erde wird verformt«, erklärt Johannes Böhm. Allerdings kann die Erde aufgrund ihrer inneren Reibung die Verformung nicht augenblicklich ändern, wenn sie sich weiterdreht. Daher zeigt die entstehende Ausbuchtung nicht exakt in Richtung Mond, die Verformung wird durch die Erdrotation immer ein bisschen vom Mond weggedreht.

»Diese Asymmetrie bewirkt, dass der Mond ein Drehmoment auf die Erde ausübt und die Rotation der Erde ein kleines bisschen  bremst«, erklärt Böhm. Gleichzeitig wandert der Mond dabei immer weiter von der Erde weg.

Neben der Gezeitenkraft des Mondes gibt es auch noch andere Effekte, die Einfluss auf die Rotationsgeschwindigkeit der Erde haben – etwa die Gewichtsverlagerung durch das Abschmelzen des Eises an den Polen. Forschungsinstitute auf der ganzen Welt werten die Orientierung der Erde und somit die präzise Tageslänge laufend aus, zu ihnen gehört auch die TU Wien. »Die Orientierung der Erde kann man durch genaue Vermessung ferner Himmelskörper bestimmen, so erreichen wir mittlerweile eine Genauigkeit im Bereich von Mikrosekunden«, sagt Johannes Böhm.