Interview / Teledyne LeCroy »Das Oszilloskop ist jetzt nicht mehr der limitierende Faktor«

Albert Hanselmann, Teledyne LeCroy: »Für die nächsten Jahre werden Touchscreens in Verbindung mit einigen wenigen Tasten und Knöpfen das Maß der Dinge sein.«
Albert Hanselmann, Teledyne LeCroy: »Der rasante Anstieg der Bitrate von Kommunikationssignalen ist der wesentliche Antrieb für die Entwicklung von Oszilloskopen mit höchster Bandbreite.«

Teledyne LeCroy hat mit dem 100-GHz-Echtzeit-Oszilloskop LabMaster 10-100Zi für einen neuen Bandbreitenrekord gesorgt. Die Spezifikationen lassen staunen – aber wer braucht ein solches High-end-Gerät eigentlich? Markt&Technik hat bei Albert Hanselmann, Manager DACH-Region und Italien nachgefragt.

Markt&Technik: 100 GHz Echtzeit-Bandbreite auf bis zu 20 Kanälen gleichzeitig mit 240 GSample/s Abtastrate – damit rückt die Messlatte im High-end-Oszilloskop-Segment wieder ein ganzes Stück höher. Bitte beschreiben Sie kurz die Technologie, mit der Sie diese Spezifikationen erreichen.

Albert Hanselmann, Teledyne LeCroy: Um die 100 GHz Analogbandbreite des LabMaster 10-100Zi zu erreichen, setzen wir die von uns patentierte Digital-Bandwidth-Interleaving-Technologie, kurz DBI, ein. Vorherige Versionen von DBI wurden schon in vielen LeCroy-High-end-Oszilloskopen, die ebenfalls Bandbreiten- und Abtastraten-Rekorde gebrochen haben, eingesetzt. Im neusten 100-GHz-Gerät ist DBI-Generation 8 integriert.

Den Prototyp des 100-GHz-Gerätes hatten Sie bereits Mitte vergangenen Jahres vorgestellt.  Woran lag es, dass es nochmal über ein Jahr gedauert hat, bis ein serienfertiges Gerät entstanden ist?

Im vergangen Jahr haben wir in einer Live-Vorführung ein 100-GHz-Sinussignal gemessen. Bis zur kompletten Fertigstellung des LabMaster 10-100Zi, der in der Tat ein echter technologischer Meilenstein ist, war noch sehr viel zu tun. Neben der effektiven Produktentwicklung mussten wir komplett neue Kalibriermethoden und Signalquellen entwickeln, die für eine 100-GHz-Echtzeit-Oszilloskop-Kalibrierung geeignet sind, denn nichts davon ist verfügbar im Markt. Bei solchen Frequenzen ist dies sehr aufwendig und komplex. Insofern war es für uns selber keine Überraschung, dass es bis zur Produktionsreife noch einmal mehr als ein Jahr gedauert hat. Wir wollten aber die interessierten Kunden schon früh informieren, damit auch auf der Anwenderseite genügend Planungsvorlauf vorhanden ist.

Wer braucht ein solches Gerät und ist auch bereit, so viel Geld in die Hand zu nehmen?

Firmen und Forschungsinstitute, die an den schnellsten Kommunikations- und Übertragungstechnologien wie beispielsweise 400G oder mehr arbeiten, brauchen die höchste Bandbreite und Abtastrate, die im Markt erhältlich ist. Sie sind auch bereit und in der Lage, solch signifikante Investitionen zu tätigen, denn das müssen sie, um ihre strategischen Ziele zu erreichen. Optische Transmitter und Optical to Electrical Converter haben inzwischen die Bandbreite von Oszilloskopen übertroffen. Das Fehlen entsprechender Oszilloskop-Technologien hat in der Vergangenheit zu Entwicklungsverzögerungen geführt. Mit dem LabMaster 10-100Zi jedoch ist das Oszilloskop jetzt nicht mehr der limitierende Faktor.

Wie groß sehen Sie das Marktpotential – weltweit und auf Europa bezogen? Anders gefragt, wieviel Geräte dieser Kategorie kann man überhaupt verkaufen?

Basierend auf den Erfahrungen der Vergangenheit war die Nachfrage nach unseren Oszilloskopen, die jeweils Bandbreitenrekorde aufgestellt haben, immer größer als wir prognostiziert haben. Daher würde ich Ihre Frage einfach mit ‚wir lassen uns überraschen‘ beantworten.