Startup-Preis der Deutschen Bahn für Sensor-Entwickler Das »Ohr« an der Schiene

Absolventen der Saar-Uni haben ein hochempfindliches Sensorsystem für Bahnschienen entwickelt, das herannahende Züge bereits »erspürt«, wenn sie noch sechs Kilometer entfernt sind. Zudem erkennt es im Umkreis von 500 Metern, ob ein Mensch die Schienen überquert oder ein Hindernis auf den Schienen liegt.

Um Bahnübergänge abzusichern und herannahende Züge rechtzeitig zu orten, müssen heutzutage im Schnitt acht Detektoren rund um die Schranken installiert und etwa achttausend Meter Kabel verlegt werden. »Unser Sensorsystem kommt mit nur vier Detektoren aus und benötigt überhaupt keine weitere Verkabelung. Damit können Bahngesellschaften mit verbessertem Sicherheitsstandard viel Geld sparen«, sagt  Houssam El-Moutaouakil. Der Absolvent der Computer- und Kommunikationstechnik der Saar-Uni hat die Sensortechnik gemeinsam mit der Informatikerin Vera Bazhenova entwickelt. Er hat berechnet, dass die Deutsche Bahn damit ihre Ausgaben für die Überwachung von Gleisanlagen und Bahnübergängen halbieren könnte. »Das System ist wesentlich schneller zu installieren als das herkömmliche und braucht weniger Wartung, so dass auch hier Geld gespart werden kann«, sagt der Kommunikationstechniker.

Auf dem Weg zur Marktreife

Mit dieser Erfindung haben die Wissenschaftler den mit 25.000 Euro dotierten Startup-Preis der Deutschen Bahn gewonnen. Sie wollen die Sensortechnik nun zur Marktreife bringen und den Bahnverkehr damit sicherer machen. Dafür hat Houssam El-Moutaouakil gemeinsam mit der Informatikerin Vera Bazhenova und der Betriebswirtin Savina Takeva die Firma senvisys mit Sitz im Starterzentrum gegründet. Die IT-Experten haben außerdem bereits ein EXIST-Gründerstipendium der Bundesregierung erhalten, um ihre Unternehmensgründung voranzutreiben. Die Deutsche Bahn wird dem Saarbrücker Entwicklerteam eine Testanlage zur Verfügung stellen.

Startup-Wettbewerb »DB Pitch Infrastructure 4.0«

Für den Startup-Wettbewerb der Deutschen Bahn hatten 120 Jungunternehmer ihre Ideen eingerichtet, elf kamen in die engere Wahl und durften jetzt mit einem Kurzvortrag die Jury von ihren Geschäftsideen überzeugen.

Gefragt waren digitale Geschäftsmodelle und Technologien, mit denen die Infrastruktur der Deutschen Bahn modernisiert werden kann.

Neben dem Saarbrücker Startup senvisys kamen drei weitere Firmen aufs Siegertreppchen. Alle Jungunternehmen erhielten jeweils 25.000 Euro Preisgeld. Sie dürfen außerdem drei Monate lang kostenlose Büroräume nutzen, um ihre Ideen in Begleitung von erfahrenen Mentoren zur Marktreife zu bringen.